Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 71-72 (3.9.1896)
- Date
- 1896-09-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1372 Wahrheit und Weisheit handelt, und überlaffen uns vertrauend ihrer Führung, wenn auch gar nicht selten die Meister sich gegenseitig selbst bekämpfen in ihren Ansichten und die nachfolgenden Geschlechter widerlegen, .waS die Vorgänger als sicheres Resultat gewonnen zu haben glaubten. Wir bezweifeln es nicht, daß die Naturerforschung zu den sogenannten exacten, genauen Wissenschaften gehört, daß sie sich nicht viel mit Phantasiegebilden abgibt und ihre meisten Sätze aus sicheren Grundlagen ausbaut. — Aber noch höher als Menschenwort steht uns Gotteswort, mehr Vertrauen bringen wir entgegen der Gotteslehre, als sterblicher Weisheit; einen Jrrthum halten wir für wahrscheinlicher und möglicher bei der jungen Wissenschaft irriger Menschen, als bei der lOOOfach erprobten Ueberlieferung unsrer Ahnen. — Wo immer deßhalb ein Widerspruch, ein Zwiespalt sich auftbut zwischen Forschung und Lehre, zwischen Wissenschaft und Glauben, zwischen klaren Behauptungen und bestimmten Sätzen der min und Ergebnissen der Gelehrten , da sprechen wir unbedenklich: Die Wissenschaft und ganz besonders die Naturwiffenschast in Ehren; alle Achtung vor den großen Geistern! Aber felsenfest und unerschütterlich und thurmhoch erhaben über allen Ansichten und Anfechtungen steht ur.s, das Gotteswort mp’ mp1?» im. — Wo gab es je eine physische Macht auf Erden, die nicht mit roher Gewalt, mit Schwert und Feuer, mit Scheiterhaufen und Bann und Brandfakeln angestürmt hätte gegen dieses Buch und seinen Inhalt, seine Lehrer und seine Schüler? Die Mächte sind verschwunden vom Erdball, aber das Buch und seine Träger bestehen in unsterblicher Kraft und Jugendsrische lrpto im. — Wo gab es je eine geistige Macht auf Erden, von den unerreichten Philosophen und Dichtern und Geschichtschreibern der Griechen und Römer herab bis zu dem Altmeister der heutigen Naturforscher, der die Abstammung des Menschen vom Affen entdeckt haben soll, wo nicht von diesen großen Geistern selbst, oder von Andern durch die aus dem Arsenal der großen Denker geholten Waffen, versucht worden wäre, Bresche zu legen in dem Bau, den die Propheten und Gottesmänner nach dem göttlichen Grundriß aufgeführt, zu stürmen das Bollwerk, in welchem die Gottvertrauenden gegen den Unglauben sich bergen. Und wie endeten diese vielgestaltigen, hundertfachen Kämpfe? Riffen sie das Gebäude der rmn um, tyoben sie seine Thore aus den Angeln, unterwühlten sie seinen Grund, brachen sie die stützenden Pfeiler aus, oder vermochten sie mindestens einzelne Steine herauszureißen, sein schönes Aeußere zu entstellen? Nichts von Alledem! Das Wort unsres Gottes blieb fest inx 121 bsj sb auch nicht ein einziges Wort fiel zur Erde. Im Gegentheil! Jede Angabe des Gottesbuches, welche angezweifelt, jede Wahrheit, welche angesochten, jeder Satz, welcher als unhaltbar nachgewiesen werden sollte, ging gerade durch den Zweifel, durch die angeregte Nachforschung, durch die allseitige Beleuchtung, in um so strahlenderem Lichte, als unumstößliche Wahrheit hervor. — Oft, sehr oft entfiel dem gläubigen Zeitgenoffen der Muth, glaubten sie Alles verloren, denn gar groß war in jedem Jahrhundert der Forschergeist, der sich in einzelnen bevorzugten Denkern verkörperte, der sein Zeitalter zur Bewunderung hinriß und nun mit ganzer Macht und Kraft die min zu begraben drohte. iob wb' n pntr ww 2LM „Der im Himmel saß lachte, Gott spottete ihrer." Der Bau, der den Himmel stürmen sollte, erwies sich alsbald als morsch, der Thurm, welcher den Namen des Erbauers verewigen sollte, ward von den eigenen Bauleuten oder dem Folgegeschecht zerstört. Heute zweifelt Niemand mehr, wo er die Wahrheit zu suchen habe, bei Homer und den Griechen, bei Spinoza und den Philosophen, bei Voltaire und den Spöttern, oder bei Moses und den Propheten. — Aber ein neuer und nicht zu verachtender Gegner ist der alten Wahrheit erstanden in der heutigen Naturforschung und ihren Meistern. Und wiederum jubelt die große gedankenlose, leichtsinnige Menge, ob des Freibriefes, welchen die tonangebende Wissenschaft ihr gereicht zur Beschönigung ihres Unglaubens, und klagt und trauert die Treue, ob ihrer Schwäche, weil sie sich nicht gewachsen fühlt rem geistig überlegenen Feinde. Aber alle wahrhaft Besonnenen, alle treuen Jünger der Wahrheit und Weisheit, alle aufrichtig Gott und sein Wort liebenden Gemüther sprechen unbeirrt: <121 1 2 tod ein» *6 '2 jnw „ich weiß, ich bin felsenfest überzeugt, ich werde nicht zur Schande werden, 'nu ai' ns pna» nnp bald kommt, der mich rechtfertigt, wer will streiten gegen Nlich ra» U22 d^!2 pi alle zerfallen wie ein morsches Gewand, die Motte wird sie verzehren". Für den tief und klar Denkenden ist es nicht allzu schwer, die Jrrthümer und Trugschlüsse der heutigen Forscher aufzudecken; aber selbst für den weniger Begabten, für das kindlich gläubige Gemüth gilt das ewig wahre Dichterwort: „Und was die innere Stimme spricht, das täuscht die hoffende Seele nicht" (Schiller, „Hoffnung"). „Und was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth" (Schiller, „Worte des Glaubens"). Die durch Jahrtausende erprobte, durch alle Erfahrungen der Geschichte bewiesene Wahrheit des Gotteswortes trägt so sicher in sich selbst alle untrüglichen Zeichen der Wahrheit, erfüllt so sehr das Herz jedes opferwilligen, gottsuchenden Menschen, daß nur der zweifelt, der zweifeln will, dem alle Lehren willkommen sind, welche ihn von lästigen Pflichten und Fesseln befreien, der nach einem Vorwand sucht, um mit einigem Scheine von Recht das thun zu können, was er auch