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Der Israelit · 1896-09-03 · Heft 71-72 (3.9.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 71-72 (3.9.1896)
Date
1896-09-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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WWWMW iXXTD. Jahrgang. Erste Seil, m M 71 & 72 des „Israelit“. Leitender Artikel Ium Weujastrsfestk. Rede, gehalten von Rabbiner Rr. Carlebaüi, gelegentlich des im vergangenen Jahre in Lübeck stattgeyabten Ratnrforscherkongresses. Wir feiern Heuer unser heil. Fest gleichzeitig mtt einer seltenen Veranlassung, wie sie seit Menschengcdenken in den Mauern unserer Stadt nicht geschaut worden ist. Die berühmtesten Männer des Jahrhunderts, die gefeierten Vertreter der wichtigsten und für das Menschengeschlecht nothwendigsten und förderlichsten Wissenschaft sind in ungeheurer Anzahl hier versammelt auf dem Cong resse der Aerzte und Naturforscher. — Solche Zusammenkünfte sind von unberechenbarem Vortheile, nicht nur für die Wisienschaft, welche aus ihnen neue Antriebe schöpft, in ihren ersten Jüngern wahre Triumphe feiert, und ihre Errungenschaften zum Gemeingut der weitesten Kreise bringt, sondern auch für die Verbrüderung der Menschen und Völker in ihren würdigsten, einflußreichsten Vertretern, welche sich da persönlich kennen und schätzen lernen, ihre Entdeckungen einander mittheilen, alte Freundschaftsbande erneuern und verstärken und neue anzuknüpsen, reiche Gelegenheit finden. — Wir Israeliten dürfen aus alle derartige Versammlungen mit freudiger Genugthuung blicken. Nicht blos, weil sie allesammt und so auch die jetzige, eine ganz stattliche Anzahl unserer Glaubensbrüder in ihren Nethen und zum Theil sogar in führender Stellung zählen; nicht blos weil sie alle im Dienste höherer, heiliger Interessen der Menschheit stehen und somit an dem gleichen Ziele arbeiten, dem zuzustreben unsere heilige Religion uns lehren will; nicht blos Veil sie der Wahrheit zum Siege verhelfen und auch bereits eine ganze Anzahl verkannter, alter jüd. Lehren und Wahrheiten zur Anerkennung gebracht haben; sondern ganz besonders auch deßhalb, weil der Ursprung, die ersten Anfänge und das Vorbild aller solcher Wanderversammlungen in unsrem Volke und unsrer Lehre zu suchen ist. Denn ältere Spuren von Festversammlungen als die in der i-nin gebetene vhv dürfte die Geschichte kaum aufweisen. Und so sehr empfänglich zeigte sich unser Volk für die in solchen Festversammlungen gebotene Anregung und Aufmunterung zu allein Guten und Edlen, daß man sich nicht beschränkte ans die von Gott gebotene Klasse der Bewohner, nämlich das männliche Geschlecht ^-21 b:,,sondern die Männer nahmen, wie dies unsre moen lehrt, auch ihre Frauen mil, und diese unterzogen sich gerne und freiwillig den großen Strapazen der Reise, um auch theilnehmen zu können an der Belehrung, der Erhebung, welche ausging von der Gottesstätte und den dort versammelten Priestern der Wahrheit und Weisheit. Aber ich möchte noch einen Schritt weitergehen und die kühne Behauptung wagen, daß das heiliae Fest, welches Israels Söhne und Töchter jetzt auf dem weiten Erdenrund feiern, und das sie zusammenschaart in ihren Gotteshäusern, sehr viele Anknüpfungspunkte biete für diesen Congreß, daß auch in unsre Gotteshäuser Thesen, Lehrsätze aus dem Gebiete der Naturforschung und Heilkunde aufgestellt werden, und ' daß ein volles Verständniß für unser Fest nur durch den Vergleich mit der Naturwissenschaft und der Medizin erlangt werde. Dieser, jedenfalls sonderbar klingenden Behauptung, möchte ich zu Grunde legen eine Besprechung und Betrachtung über die Gebetstelle, welche wir nach jeder Abtheilung der dreifachen "wie'-Huldigung wiederholen, und welche bekanntlich lautet mrt am 'in Wir wollen die Betrachtung dieses Satzes auf die 3 Tage vertheilen, die uns nach einander zum festlichen Besuche des Gotteshauses laden, da ja in diesem Jahre dem m der heilige, besonders geweihte und dem gleichen Zwecke gewidmete w unmittelbar folgt. „Heute ist der Geburtstag der Welt." Das ist die naturwiffeuschastlichc These, welche unsre Gebetordnung aufstellt, und die wir gar nicht näher zu begründen und zu vertheidigen nöthig haben, weil sie nicht neu, sondern seit Jahrtausenden schon aufgestellt ist, und weil wir allesammt felsenfest von ihrer Wahrheit überzeugt sind. — Freilich die Naturforscher von Beruf sind es zum kleineren Theil und sie haben für unsere Anschauung und Ueberzeugung nur ein geringschätziges, mitleidges Lächeln. — Nicht so wir für ihre Bestrebungen und Forschungen und Leistungen. Mit Bewunderung und Staunen und Dankbarkeit sehen wir die großartigen, überraschenden Fortschritte in der Kenntniß der Natur und ihrer Gesetze und ihrer verborgenen Kräfte und Wirkungen; mit Stolz und Ehrerbietung blicken wir auf zu den unermüdlichen geistvollen Erfindern und Entdeckern; mit freudiger Anerkennung verfolgen wir die riesigen Erfolge des Menschengeistes, der keine Hindernisse kennt, Himmel und Erde sich dienstbar macht, das Erdinnere durchschaut, als ob es ihm vor Augen läge, die Bahnen der Sterne verfolgt und zählt und mißt, ale ob es die Straßen einer Stadt gelte. — Und wir schenken auch Glauben ihren Worten, auch wo es sich nicht um greifbare

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