Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 71-72 (3.9.1896)
- Date
- 1896-09-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1368 schen — verherrlichen; durch die beigegebenen Bilder Mirjam und Ruth wurde dem Buch auch künstlerischer Schmuck verliehen. Möge das Prächtig ausgestattete Büchlein bei den Tächtern Israels allenthalben Eingang finden. Vermischtes. Venedig In der Ruhmeshalle des Dogenpalastes ist jüngst ein DkNtNtnl für den Geschichtsschreiber <L>amuel Roiiiailin feierlich enthüllt worden. Als ohri armer jüdischer Eltern 1806 in Triest geboren, übersiedelte er bald nach Venedig, wo er sich literarischer Thätigkeit widmete und historische Werke übersetzte. Als im Jahre 1817 in Venedig ein wissenschaftlicher Cougreß abgehalten wurde, erhielt er dadurch die Anregung zu dein Entschlüsse, eine ansfühl liche und gründliche Geschichte Venedigs zu schreiben. Die letzten dreizehn Jahre seines Lebens hat nun Romallin mit dem größten Eifer seinem großen Geschichtswerkc gewidmet. Im Jabrc 1853 erschien das erste Heft der Geschichte Venedigs, und als Romanin am 0. Septenlber 1861 starb, war der bis Zllnr Jahre 1796 reichende neunte Band gerade fertig gedruckt worden, während das Manuscript des zehnten Bandes, welcher das Ende der Republik im Jahre 1797 und das erste Jahr der österreichischen Herrschaft (1798) sammt Urkunden und Regesten umfaßte, druckfertig in seinem Nachlasse gesunden wurde. Romanin war der Erste gewesen, der die Geschichte Vcncdig's auf Grund urkundlicher Forschungen in den venetianischen Archiven geschrieben hatte, und der wissenschaftliche Werth seiner Arbeit ist von Forschern wie Gregorvius und Reumont anerkannt worden. Feuilleton. Helldunkel. Eine Mische Erzählung aus dem Leben Nemüranüls und Manusse Sen Israels. Von Professor Dr. M a n e f c l d. (Nachdruck auf das Ttrenqste untersagt, llebersrtzungsrechte auch für die Niederlande Vorbehalten.] 5) V. Der Schützenzng. (1643 > Eine feierliche Geschäftigkeit erfüllte das große Atelier Rembrandts, der Moment der Ablieferung des großen „Schützenstückes", für die Compagnie des Capitäns Frans Banning Kock, des Herrn von Turmerland und Jlgendam, den wohl R. Tulp, sein Amtsgenosse als Schöffe der Stadl im Jahre 1642 auf den Künstler aufmerksam gemacht hatte. Die gewaltigen Dimensionen des Bildes machten alle Vorsicht bei dem Transport desselben nothwendig. So mußten sich denn die Schüler Rembrandts jetzt, ini letzten Augenblick, selbst zu der Rolle von Zuschauern bequemen, während geräuschlos und ernst, keine Vetvegung in den wettergebräunten Gesichtern verrathend — kräftige Träger der Befehle ihres Obmannes gewärtig waren. Der Meister selbst hatte das Atelier verlassen. Nun die im eigentlichen Sinne des Wortes unvergleichlichste Künstlerschöpfung über die seither ängstlich behütete Schwelle des Ateliers gehen sollte, gab es eine neue Ailfregung unter den Schülern, die einander zuflüfternd ihre jugendlichen Urtheile zum Besten gaben und in immer erneuter Bewunderung nicht müde wurden. Der fünfzehnjährige Samuel van Hoogstrateu, wortreich, zu Theorien und Disputationen schon damals geneigt, hatte sich breit und wichtig hingestcllt und führte den älteren Schülern seine Ideen aus. Lächelnd, überlegen oder naiv der Belehrung des kleinen Schwätzers sich unterlversend, hörten diese zu. Er aber ließ sich also vernehmen: „Seine Personen, eine neben die andere zu stellen, wie man das nur zu häufig in Holland in den Doelen der Arkebusiere sieht, das ist noch kein Bild. Die wahren Meister bemühen sich eine Einheit in ihr Werk zu bringen. Rembrandt hat das hier wohl beobachtet." „Vielleicht nur zu wohl," unterbrach ihn ein anderer; „denn er hat sich mehr mit der großen Figur und der Hauptgruppe besaßt, wofür seine Vorliebe unverkennbar ist, als mit den einzelnen Porträts, die ihm doch auch bestellt worden sind." „Und soll das ein Tadel sein?" fuhr der kleine Hoogstraten auf. „Und wenn auch, und was man auch sonst aussetzen mag, das eine Stück wird länger als alle andern dergleichen Bilder Vorhalten; so richtig als im Bild es gedacht, so schön bewegt und so mächtig, daß alle andern daneben lvie Kartenfiguren erscheinen. Indessen ich hätte wohl gewünscht, er hätte ein bischen mehr Licht hineingebracht." „Bürschchen, Du hast schon recht," fiel wieder ein anderer ein. „Aber wenn's der Meister nur gemacht hätte, wie iu der auatonlischen Vorlesung. Aber diesmal ging er doch ein wenig weit; sollte mich wundern, wenn er noch mehr Kunden und ähnliche Aufträge erhielte." „Warum nicht?" rief ein Anderer. „Doch einmal was Neues! Hat inan sie denn nicht schon tausendmal sonst gesehen an der Tafel und einen hinter dem andern aufgestellt. Das hier aber ein Schützenauszug! Eapitän und Lieutenant an der Spitze, ein Gedränge — unter Trommelschlag geht's hinaus, den Vogel abzuschießen. Das sprüht von Leben und funkelt von Licht." Aber Rembrandt, der Mann der gewaltigen Arbeit, der nie zu ermüdenden, nie unbeschäftigten Phantasie, hatte in der jetzigen Stunde doch ein ihm sonst fremdes Gefühl der Schwäche und Abgespanntheit. Die Schätze seiner Kunstkammer konnten auch den Sammler nicht zerstreuend beschäftigen, die Unzahl der plastischen Kunstwerke, die römischen Kaiser-