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Der Israelit · 1896-09-03 · Heft 71-72 (3.9.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 71-72 (3.9.1896)
Date
1896-09-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1367 nahm. Herr Cantor Tanneberg bestieg hierauf die Kanzel und beleuchtete in einer glänzenden Festrede die bisherige Geschichte des Synagogen-Chores, der so eng mit der Gemeinde verwachsen ist, daß man seine Schilderung als einen Theil der Geschichte der Merziger Synagogen-Gemeinde bezeichnen darf. Besonders dem langjährigen Führer der Gemeinde und des Chores Herrn G. Schnerb ^*arr widmete er warme Worte der Bewunderung und des Dankes und schloß mit einem Gebete für Kaiser und Vaterland. Nach einer vollendeten Wiedergabe des 36ten Psalmes seitens des Chores, nahm der 2'iyv-Gottesdienst seinen Anfang und zeigte ebenso wie der Morgengottesdienst am folgenden Tage durch die Auswahl und Ausführung der Gesänge ein festliches Gepräge. Ein geselliges Beisammensein der ganzen Gemeinde am Nachmittage, ein Bankett am Abend und ein Festessen am Abende des folgenden Tages bildeten den Schluß des in allen Theilen, glänzend und würdig verlaufenen Festes. Das Präsidium bei der Schlußfeier führte der Präses des Chores, Herr Michael Lilienfeld, dessen Tischrede, sowie die einer Anzahl anderer Herren Zengniß davon ablegten, wie tief und ernst die Aufgabe des Chores in den Mitgliedern wurzelt und wie das Bewußtsein zum Allgemeingut derselben geworden, daß sie eine db^ rro» tsw bilden, welche die Jugend zur rrroy heranzieht und die Erwachsenen darin zusammenhält, indem sie das Beste, was sie durch gemeinsames Wirken zu leisten vermag, den veredelten und veredelnden Gesang nbnpca in den Dienst der moy stellt. Humoristische Vorträge und Scenen bildeten den Schluß des Abends und zeigten, daß auch auf diesem Gebiete einzelne Mitglieder und deren Angehörige Ausgezeichnetes zu leisten vermögen. Mit besonderer Befriedigung erfüllte es, daß nicht nur die Häuser der jüdischen Bevölkerung an den Festtagen beflaggt waren, sondern auch die einer großen Anzahl christlicher Mitbürger und daß unter den reichlich eingelaufenen Glückwunsch-Adressen und Telegrammen sich auch solche vom Bürgermeister und Dechant der Stadt befanden, ein schöner und hoch anzuerkennender Beweis der Duldsamkeit und des dort bestehenden confessionellen Friedens. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. (Sch.) Töroez-Szent-Martorr, 26. August. Gestern hielt unser neugewählter Rabbiner, D r. Moritz Schwarz, Sohn des Rabbiners in Csakathurn, seinen festlichen Einzug hier und wurde er mit großen Ehren empfangen. Eine Deputation war ihm bis nach dem benachbarten Ruttka entgegengefahren. Vor der Synagoge wurde er vom Vorsteher I. Fried mann feierlich begrüßt und in das Gotteshaus geleitet. Hier richtete der greise Vater des Rabbiners eine herzliche Ansprache an seinen Sohn, in der er ihn an die Pflichten seines heiligen Amtes erinnerte, worauf dieser dann mit einer sehr schönen Rede erwiderte. Nachmittags gab es zu Ehren beider Rabbiner ein Bankett, das eine wahre mwo wate bv war. Rußland. Lodz, im August, (fö« rrjjn y-> ^m.) Wie man in Rußland zu einem Eruf gelangt, mag folgendes Histörchen lehren. In einem kleinen Städtchen in unserer Nachbarstadt R—. petitionirte seit Jahren die jüdische Gemeinde (Nichtjuden wohnen fast keine in dem Ort), um die Erlaubniß, einen Ecufdraht, um den Ortshering ziehen zu dürfen. Allein vergeblich. Sei es, daß die Rubelsumme, die man dem allmächtigen „Polizmeister" bot, nicht genügte, sei es, daß irgend ein anderer Hinderungsgrund vorhanden war, wir wissen es nicht. Gelegentlich der Krönung Nicolaus II. veranstaltete nun die Judenschaft in R. eine prächtige Illumination, deren Hauptbeftandtheil aus einem reichverzierten Drahtgitter, das mit Lampions behängt wurde, bestand und das sich um den ganzen Ort herumzog. Nach Beendigung der Feierlichkeiten machte die jüd. Gemeinde bei der Behörde eine Eingabe, man möge zur Erinnerung an die schönen Tage das so kunstvoll geflochtene Gitter, um das Dorf belassen. Der Wunsch der Gemeinde wurde huldvollst gewährt und seitdem können unsere Glaubensgenossen in R. am Sabbat ruhig tragen. Literarische Notiz. Jaeobsohn, Biblische Frauengestalten, in Prachtband gebunden M.5.50.Leipzig,OskarLeiner. Bei dem notorischen Mangel an auch äußerlich geschmackvoll äusgestatteten für unsere weibliche Jugend bestimmten Fest- und Gelegenheilsgeschenken, welche eine religiöse Tendenz haben, ist das vorliegende Werk gerade zu den hohen Feiertagen mit Freude zu begrüßen. Der Verfasser spricht in seinem Vorwort den Wunsch aus, daß die in dem Büchlein enthaltenen Charakterschilderungen eine Mitgabe für den Lebensweg seien und freut es uns innig, daß wir uns dem Wunsche desselben anschließen können, denn die Schilderung von Musterbildern wahrer Weiblichkeit, Frauengestallen, geschmückt mit echt weiblicher Keuschheit und Demuth, deren Sittenreinheit und hohe Würde, Opfermuth und Opferfähigkeit für Gatten und Kinder als herrliche Tugenden auf das Weib der Kulturvölker übergegangen sind, ist dem Verfasser sowohl nach Form wie Inhalt, in glücklichster Weise gelungen. Auch der Poesie ist eine ziemlich große Stelle eingeräumt worden. Dieselbe enthält Dichtungen, welche das Wesen und den sittlichen Charakter des Weibes — und hier hauptsächlich des biblii'-

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