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Der Israelit · 1896-09-03 · Heft 71-72 (3.9.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 71-72 (3.9.1896)
Date
1896-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1365 Erinnerung bringen, so reißen wir damit keineswegs etwa vernarbte alte Wunden wieder auf. Der damalige Scheinliberalismus der Neologie in Frankfurt, der für sich die Freiheit, für die gesetzestreuen Brüder aber die Unterdrückung wollte, ist längst in seiner ganzen Nichtigkeit erkannt. Die Zeiten sind andere geworden, in Frankfurts jüdischen Kreisen nicht zum nrindesten durch die Wirksamkeit Samson Raphael Hirschs. Wir sind vielmehr überzeugt, durch die Erinnerung an diese Thatsachen nur dem wahren Frieden zwischen unseren gesetzestreuen und den andersdenkenden Brüdern in dieser Stadt zu dienen. Denn gerade mit Insinuationen, wie der angeführten, wird nur stets Saat der Zwietracht gestreut und nur Gehässigkeit bei unseren Brüdern erzeugt, die dazu geführt werden sollen, den Bestand der Religionsgesellschaft als muthwillige und gehässige Spaltung anzusehen. Ein Nachweis, wie für das gesetzestreue Judenthum in Frankfurt ihre Gründung ein Akt der Selbsterhaltung, eine durch fanatische Verfolgung erwachsene 4tothwendigkei 1, ein schwer errungener Sieg in einem nur von der Verblendung des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde angefangenen und hartnäckig fortgesetzten Kriege war, ist der sicherste Weg, ja er ist der einzige, um den letzten Stachel, wo er vorhanden sein sollte, zu entfernen und die in ihren religiösen Ueberzeugungen nun einmal grundsätzlich geschiedenen Brüder in allen anderen Beziehungen friedlich und brüderlich neben einander leben §n lassen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Di*. B. Berlin, 26. August. Aul vergangenen Sabbat ist, wie Sie bereits kurz berichteten, Herr Stadtrath a. D. Rittergutsbesitzer Casper Lachmann llach kurzen, schweren Leiden aus diesem Leben geschieden. Mit seiner tiefgebeugten Gattin, welcher es vergönnt war, in achtunddreißigjähriger Ehe treue und verständnißvolle Theilnehmerin seiner edlen Bestrebungen zu sein, mit seinen verwaisten Kinder;: und allen Gliedern seiner Familie, beweinen weite Kreise unserer Genleinde, auswärtige Glaubensgenossen uub Andersgläubige den Hintritt eines edlen Menschen in des Wortes bester Bedeutung, eines überzeugungstreuell Bekenners und gewissenhaften Beobachters des Sinaigesetzes, eines treuen, hingehenden Freundes, eines jederzeit bereiten Helfers des Rothleidenden, eines Fürsten auf dem Gebiete des Wohlthuns. Mit seinem Hintritte ist ein Haus verwaist, welches durch treues Festhalten an den frommen Sitten der Väter, durch die in so liebenswürdiger Weise in seinen Räumen geübte Gastfreundschaft gegen Arme und Dürftige eine Zierde Israels war. Als Sohn des Commerzienrathes Abraham Lachmann am 27. August 1830 zu Graudenz geboren, empfing der Verewigte eine sorgfältige religiöse Erziehung und zeitgemäße Ausbildung. In dem großen Getreide-Export- und Bankgeschäft seines verewigten Vaters erhielt der geistig reich begabte Jüngling Gelegenheit zu gediegener kaufmännischer Allsbildung und hatte dabei das Glück, seine Jugend unter den Augen seiner frommen Eltern und getreu deren Prinzipien zu verleben. Im Jahre 1858 führte er seine Nichte, die Tochter des Mühlenbesitzers Moritz Hirschberg, als Gattin heim, und der Segen, welchen unsere Weisen über eine solche Ehe ausgesprochen: „Dann wirst Du rufen und der Ewige wird Dich erhören", bewährte sich an ihm und seiner würdigen Gattin in reichem Maße. Seine geschäftliche Thätigkeit wurde von den schönsten Erfolgen gekrönt; seine Betheiligung an den Lieferungen für die preußische Armee in den Kriegsjahren 1864, 1866 und 1870/71, welche er mit seinen verewigten Brüdern übernommen hatte, ist bekanilt. Die vortrefflichen Erfolge der gewissellhaften Verpflegung unserer Truppen, die gerechte Anerkennung, welche den pünktlichen Lieferanten allseitig zu Theil wurde, sind nicht zum kleinsten Theil auf Rechnung des Verewigten zu setzen. Im I. 1872 gründete er seine großartige Stiftung in Graudenz, eine Pflallzstätte der Thora, welche mit reichhaltiger talmudischer Bibliothek, eine Religionsschule, Synagoge und Armenwohnung enthält. Der Fortbestand derselben ist durch die liebevolle Anhänglichkeit des Verblichenen an dieses schönste Werk seines Lebens, durch seil: Wohlwollen für die an ihr wirkenden Beamten gesichert. Noch in seinem letzten Lebensjahre trug sich der allzufrüh Heimgegangene ruit dern Gedanken, die Zwecke und Ziele der Stiftung durch Aufnahme der westpreußischen jüdischen Waiseit zu erweitern. Möge dieser Gedanke durch seinen Tod nicht erloschen sein! Die Thätigkeit des Verewigten für das hiesige Rabbiner-Seminar hatte schon in Graudenz durch reiche Gründungsbeiträge und Schenkungen begonnen und vor einigen Jahren durch feinen Eintritt in das Curatorium der vortrefflichen Anstalt ihre Krönung erhalten. Hier, wie in seiner reichen gemeinnützigen Wirksamkeit überhaupt, bethätigte er jenen freudigen Hilfseifer, jene gereiste Einsicht, welche über den unmittelbaren Pflichtenkreis hinaus zu schaffen und zu leisten sich bemüht. Im I. 1875 verlegte er seinen Wohnsitz nach Berlin, beiheiligte sich auch hier freudig an dem Gemeinde- und Veremsleben, besonders auch mehrere Jahre an der Verwaltung des jüdischen Krankenhauses. Im I. 1878 erwarb er die Herrschaft Prillwitz in Pommern und brachte dieselbe durch seine umsichtige, sachgemäße Bewirthschaftung

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