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Der Israelit · 1896-08-31 · Heft 70 (31.8.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 70 (31.8.1896)
Date
1896-08-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1354 Unter dem überwältigenden Eindruck wagte Schaul kaum zu athmen, bis die Vorlesung oben zu Ende war, die Aerzte und Schüler die Treppe herabkamen und Rembrandt den Doktor selbst begrüßte, der jetzt plötzlich die Schulter Schauls berührte und wie der Doppelgänger seines Porträts vor dem Erschrockenen dastand. Der Doktor hatte lächelnd die raschgefaßten Projekte seines Freundes angehört. „Aber Rembrandt," rief er aus, „die Medizin ist eine große vielumfassende Wiffenschaft, verlangt Erfahrung und Uebung. Dann aber bleibt etwas Geniales, Wunderbares, Mchtzulernendes, die Diagnose. Darum giebt es einen Beruf des Arztes, wie einen Künstlerberuf. Im Uebrigen aber — das sagt das Sprichwort schon — ist noch kein Gelehrter, kein Doctus und kein Doctor vom Himmel gefallen. Will Ener Schützling fleißig sein und lernen, gut; aber der Doctor Tulp ist ein strenger Lehrmeister und nimmt's ernst als Schöffe der Stadt Amsterdam." Wirklich beschäftigte den berühmten Arzt, Anatomen und Pharmazeuten damals mit noch sechs anderen Doctoren das Projekt einer neuen Pharmakopöe (Winkelboek) das auch im Jahre 1636 vom Magistrat genehmigt wurde. Die Konferenzen der erwähnten Doktoren entwickelten sich später zu dem Collegium Medicum. Schaul aber widmete sich in der That dem Studium der Medicrn. Da er von nun an ein Ziel vor Augen hatte und doch für seinen Unterhalt aufkommen mußte, indem er die seinen Kräften angemessene Arbeit am Hafen besorgte, blickte er jetzt nicht mehr so müßig-fröhlich über das unruhige Spiel des Wassers hinaus, sondern prägte sich aus allerhand kleinen Büchern die Anfangsgründe der Wissenschaften ein. „Doktor," scherzte eines Tages Manasse im Gespräch mit Tulp, „Ihr habt mir einen Schüler der Talmud Thora3) entführt!" Der Doktor nahm sich aber auch des fleißigen Jünglings an, besonders in der Art, daß er sich von demselben für die Vorlesungen abholen ließ, unterwegs in spielender Belehrung ihm etwas vortrug und durch Fragen den Stand seines Wissens kontrollirte. Ebenso begleitete auch Schaul den Gelehrten auf dem Wege zurück, durfte das eine oder das andere Buch mitnehmen und wurde so allmählig im Hause des Doktors ein häufiger Gast, mit dem es ganz besonders des Gelehrten kleines Töchterchen Margaretha gut verstand, ein liebliches kleines Wesen, das unter der wetteifernden Sorge der Mutter und der schönen, hochbegabten und gebildeten Schwester des Doctors, Anna Tulp, sich prächtig entwickelte. _ (Fortsetzung folgt.) 3) Die tfjeoloß\)d)e Lehranstalt, die ihre Schüler von der untersten Stufe des hebräischen Alphabets bis zur höchsten des Talmudstudiums hinaufführte. Wochen - Kalender. Freitag, 4. September, 26. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr 30 Min. Samstag, 5. September, 27. Elul, D’321 Sabbat-Ausgang in Mainz 7 Uhr 45 Min. Montag, 7. September, 29. Elul, rmrn tt'fcO Festtag-Anfang in Mainz 6 Uhr 25 Min. Dienstag, 8. Septencher, 1. Tifchri, n:&l'H JMm 'N Oi\ Mittwoch, 9. September, 2. Tifchri, r\m twn '3 Dl’. Festtag-Ausgang in Mainz, 7 Uhr 35 Min. Donnerstag, 10. September, 5. Tifchri, rvtHJ dis?. Fasttag AuSgattg in Mainz, 7 3<> Min. Der „Israelit" ersckeint wöchentlich zweimal, montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch G. F. Sleinacker, jleipiig, Doßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Rcclametheil 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 6 fl. öftere., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzuscndcn. Eine Rücksendung von an die Redaktion -ingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Der Frühling der Seele. - Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Frankenthal. Bitsch. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. Groß-Bacskcrck. Ungarisch Brod. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. Moskau. — Vermischtes. — Feuilleton: Helldunkel. Eine jüdische Erzählung aus dem Leben Rembrandts und Manasse Ben Israels. Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Katholische Priester. — Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. Neutra. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. Türkei: Konstantinopel. England: London. — Vermischtes. Extra-Beilagen: Spendenverzeichnisse. — Israelitischer Wandkalender. — Luach. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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