Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 70 (31.8.1896)
- Date
- 1896-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1350 am Sterbehause eingesunden, um dem Verewigten, der seiner Leutseligkeit wegen in sv kurzer Zeit sich viele Freunde erworben, auch ein fleißiges und treues Mitglied unseres Kriegervereines war, die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Sterbehaus, wo der Sarg ausgestellt war, hielt Herr -Oberrabbiner Urv aus Metz, eine schöne tiefergreifende, vom Herzen zum Herzen sprechende Rede; er hob die Verdienste des Dahingcschiedenen in schlichter, aber höchst trefflicher Weise hervor. Nunmehr setzte sich der Leichenkondukt, unter Vorantritt der Musikkapelle des Regts. 60 und des .Kriegervereins mit Fahne, in Bewegung. .Kurz hinter dem Bahnhose nahm der Kriegervein Ausstellung, wo dann eilt kurzes Halt gemacht wurde. Der Kriegervereinspräsident Herr Stumm ergriff nunmehr das Wort uub feierte den Verewigten in schönen Worten als treuen .Kameraden, der in drei Feldzügen, 1864, 1866 und 1870, für sein Vaterland muthig gesochten und dem Feinde wie denl Tode, bei manchen heißen Kämpfen, unerschrocken in's Auge geschaut hat, wofür seine Brust mit schönen Orden des Verdienstes int Kriege dekorirt wurde. Au seinem Grabe trauern eine tiesbetrübte Frau, zwei Söhne uub zwei Töchter. Friede seiner Asche! O e st e r r.-U n g a r. Monarchie. (pr) Lemberg, 20. August. Ain vergangenen Freitag fand im benachbarten Städtchen Bolechow i'.n Hause des jüdischen Pferdehändlers Alter Roth eine Beschneidung statt, worauf dann die übliche Festmahlzeit (n-ryc) folgte, zu der sechsunddreißig Gäste, lauter fromme, orthodoie Juden, geladen waren. Zum Dessert wurden dann auch die landesüblichen gepfefferten Erbsen aufgetragen, auf die bekanntlich Wein und Bier gut munden. Aus Nachlässigkeit hatte man jedoch diese Erbsen in einem Tovse zubereitet, in dem man vorher Nießwurz (eine Giftpflanze) für den Gebrauch der Pferde gekocht hatte. Bald nachher erkrankten mehrere Gaste an den Spmptomen einer Vergiftung, und einer derselben, der Lederhändler Neb Pinchas Kreppet, Vater von neun unmündigen Kindern, ist auch schon gestorben. Herr 9! o t h wird daher nächstens vor Gericht stehen. (B.) blrotz - Bacskerck, 18. August. Mit einem Aufwands von 80,000 fl. hat die hiesige Eultusgemeiude ein herrliches Gotteshaus rm maurischen Style aufführen und einrichten lassen, und gestern, als am Vorabende des Geburtstages unseres Königs, wurde feierlich der Schlußstein in diesen herrlichen Bau eingefügt. Der Feier wohnten auch zahlreiche Notabilitäten der Stadt und des Comitats an. So sahen wir unter den Gästen den Obergespan v. Romay, den Vicegespan Dellimanies, den Obernotar Feilitzsch u. A. m. Oberrabbiner Klein hielt die Festrede. Abends versammelten sich die Gäste zu einem Festessen. Ungarisch Brod, 21. August. (Eine aufgelöste Cult u s g e mein de.) Im Jahre 1891 wurde der Vorstand Schindler nebst zehn Ausschußmilgliedern für ein Jahr zur Leitung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde gewählt. Die Genannten wußten jedoch ihr Regime bis jetzt zu verlängern. Endlich fand am 28. Juni die Neuwahl statt; da jedoch bei derselben verschiedene Unregelmäßigkeiten vorkamen, wurde die Wahl vom anwesenden Negierungs-Eommiffär Kretschmer sistirt. Nun wurde die Vertretung der Cultusgemeinde aufgelöst und der Vorsteher verhalten, die Kasse zu übergeben. Als Negierungs-Commiffär wurde Kretschmar ernannt. Frankreich. Paris, 24. August. Ein hübsches Malheur ist unserem antisemitischen Bandensührer Monsieur Drumont bei seiner neuesten Enthüllung Marquis Mores -— ein Opfer jüdischer Rachsucht, passirt. Diese Entdeckung hat Drumont, der Herausgeber der Libre Parole, gemacht. In einem offenen Briese zeigt nun der „UniverS Jsraelite", was Monsieur Drumont alles zu leisten im Stande ist. Der Brief lautet: „Der Tod des Marquis Mores bietet Ihnen wiederum Gelegenheit, die Inden der niederträchtigsten Absichten zu beschuldigen. Die Juden sollen Mores ermordet haben, wie sie einst den Oberst Flatters und seine Begleiter ermordet haben (in dieser seiner Begleitung befand sich auch der Sergeant Demeiy, ein notorischer Jude). Aber das Gedächt- Ntß ist eine schöne Sache und die Logik gleichfalls. Ihnen fehlt beides, und unter diesen Umständen ist es zum Theil schmeichelhaft für Sie, daß Ihr Judenhaß Sie jede Erinnerung verlieren läßt für das, was Sie früher geschrieben haben. In „La France juive", Band 1 Seite 12, schreiben Sie nämlich „Flatters war ein Jude von Geburt und er starb unzweifelhaft als Opfer einer religiösen Idee wie seiner eifrigen Hingabe an die Wissenschaft!" Und heute ist Flatters ein „Opfer der Juden" geworden. Dieses Citat aus dem Evangelium des Boulevard Montmartre genügt, um an den Fingern herzählen zu können, welche Fortschritte Sie bereits gemacht haben. Man weiß wahrhaftig nicht, was man mehr bewundern soll: die Verblendung Ihrer Leser oder die llnverfrorenheit, mit der Sie denselben blauen Dunst vormachen." Rußland. Petersburg. Neue Aergernisse veranlaßt ein Erlaß des Unterrichtsministers, in welchem den Universitäten untersagt wird, jüdischen Studenten zeitweilige Aufenthaltsscheine für Moskau auszustellen. „Es kommt oft vor, daß jüdische Studenten, die