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Der Israelit · 1896-08-31 · Heft 70 (31.8.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 70 (31.8.1896)
Date
1896-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1348 den unseres Erdenwallens geleiten und unfern Geist und unsere Seele mit erneuter Kraft ausrüsten. Diese Gedanken und Gefühle sind gleichsam geistige Saatkörner, die am Tn in unser Inneres gestreut werden, die, wenn wir sie mit vollstem Ernste pflegen, Früchte des Heiles bringen, denn m ist der Frühling der Seele. So lehren die Weisen der Mischna: bv msrys nxisrn bv nc&3 pns n^yn B’piu nystxe pj*r: jnm (i*io \J33 web p^ry c^y 'X3 be ms sb'XN nne . een bv Vier Abschnitte der Entscheidung fallen in den Kreislauf des Jahres, welche über das Leben und Vergehen der Naturwesen bestimmen. Am Peßachfeste wird der Getreidehalm gerichtet, am Wochensefte die Frucht des Baumes, am Laubhüttenfest der Waffertropfen und am m der Mensch. Wenn die gesammte Natur einen Frühling hat, an welchem Alles aus seinem Todesschlummer mit neuen Kräften ausgestattet erwacht, wenn die Natur Zeitperioden hat, da ste neuen Aufschwung nimmt, weßhalb sollte Gott nicht auch einen Frühling für die Menschenseele bestimmt haben, deren Kräfte oft das ganze Jahr hindurch unter einer Eisesdecke erstarrt schlummern, weßhalb sollte Gott nicht auch für die Seele eine Zeitperiode festgesetzt haben, an welcher sie ihre ursprüngliche Reinheit wieder erlangen kann! Sollte Gott wohl für die Verjüngung der erstarrten Natur gesorgt haben, nicht aber für die Neukrästigung der Seele des Menschen? Leuchtet es nun hiernach ein, das; es für die Scelenkräfte einen sie erfrischenden und verjüngenden Frühling geben im'tfK da sie doch nicht geringer sind, als der Getreidehalm auf dem Felde, die Frucht am Bannte und der Waffertropfen an der Wolke, welche Zeit könnte hiezu geeigneter sein als der Tischrimonat, der mit m seinen Anfang nimmt? Alles Herrliche und Schöne in der Natur ist geschwunden, sollte dies, an die Vergänglichkeit alles Irdischen mahnend, nicht eine ernste und weihevolle Stimmung in uns wecken? Mahnt uns nicht die Tifchrizeit, da die Naturerzeugniffe ihre höchste Entfaltung erreicht haben, daß auch wir an unsere Vollendung, an unsere göttliche Bestimmung denken sollen? Ist aber rn ein Frühling der Seele, ein Wonnefest des Geistes, ein göttlicher Born, aus dem uns Verjüngung zuströmt, dürfen wir ihn mit traurigein Gemülhe und Bangen begrüßen? Ist das ängstliche Bangen berechtigt und gestaltet, das uns wegen der Ungewißheit des göttlichen Urtheilspruches befällt, da wir den Frühling der Seele feiern? Müßten wir nicht vielmehr freudigen Herzens an die göttliche Quelle eilen, aus der uns so Herrliches zuströmt? Müßten wir nicht beim Ertönen der Schofarstimme, die uns aus der Wüste der Alltäglichkeit zur Oase der Erhebung ruft, wie wenn das schmetternde Lied der Lerche in den Lüsten erschallt, das das Herannahen des Natursrühlings verkündet, in Jubel aufjauchzeu? Die Antwort hierauf dürste wohl in der bekannten Midraschstelle zu finden sein: ntsx ms nmv nnb rntrn ippr .nmir neb esm cnxi emns ene mee cn mse nu3pn Die Engel möchten am th ein Loblied Gott zu Ehren anstimmen, sie möchten, ob der göttlichen Allgüte singen, die dem Menschen den Quell seelischer Verjüngung erschlossen hat, aber Gott duldet es nicht, ob des Ernstes der Tage. In diesem Sinne ruft auch der Psalmist: lypn issn nnS XD33 nsw tnre „Stoßet am Neumond in die Posaune, allein die Töne sollen Euch nicht düster stimmen, es soll Euch nicht bange sein wegen der Ungewißheit, ob Ihr die irdischen Güter, nach welchen Ihr Euch sehnt, vielleicht erlangen werdet, sondern freut Euch wegen der seelischen und geistigen Vortheile, die th Euch bringt. Er ist Euch kein Schreckenstag, sondern usn bi* ein Tag freudigsten Festes. Die nen'3X^3 wollen am nn die Schirah singen, aber Gott antwortet ihnen: esn onxi '2eb emns btö msDi am ns» mnr neb. Wohl ist th der Frühling der Seele, aber wißt ihr es beim mit Bestimmtheit, ob die Saatkörtter, welche in die heute mehr als sonst empfänglichen Genlüther gestreut werden, keimen, blühen und schöne Früchte bringen werden? Wißt Ihr denn, daß auf den Frühling der Seele der Sommer mit voll entwickelten Früchten folgen wird? Reichlich sprudeln am m die Quellen des Heils, aber wie viele haben das Bedürfitiß ans denl Borne des wahren Lebens zu schöpfen? th ist eine Zeit der Verjüngung unserer Seelen, ein Schöpfungstag n^iy rnn tut dop' pelten Sinne. Die Neuschöpfung des Menschen, die Weckung imb Entwickelung des Göttlichen in ihm soll sich am m vollziehen, wie die Schöpfung der Natur durch Gott. Wer weiß es, ob die Menschen am nm sich wirklich verjüngen werden, ob sic in die rsn msc eingetragen werden, in die Bücher, in welchen die wahrhaft Lebenden, die in der Bethätigung des retigiösert Geistes, in der Hineintragnng des Göttlichen in alle Verhältnisse ihres Lebens, das höchste Ziel ihres Daseins erblicken, verzeichnet sind, oder in das Buch der Toten, jener, die die Erdengenüsse als ihre Ideale betrachtend, für das Göttliche abgestorben sind? Ant tp wollt Ihr, spricht Gott zu ben '3x^e mtm, Loblieder anstimmen. Muß es inein Baterherz nicht schmerzen, daß meine Kinder in geistiger Dürre schmachten, obschon sie nur die Augen zu öffnen brauchten, mit in ihrer Nähe, ihren Sinn wecken müssen, um in ihrem eigenen Herzen den em e’b tx3 den lebendigen Quell zu erblicken, den Gott in seiner Gnade für sie entsteheit ließ? Ihr wollt am ,-h Loblieder anstimmen, wißt Ihr denn, ob meine Kinder heute wirklich nrn haben? Die übrigen Jahresfeste, welche zuin Andenken an geschichtliche Ereignisse eingeführt werden, behalten ihren Werth, selbst wenn wir sie nicht gebührend feiern, die Ereignisse, welche

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