Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 70 (31.8.1896)
- Date
- 1896-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 70 XXXm Jatzraana. Der IsraelN. Ein Uentrak-Mrgan für das orthodoXe Tudenthum. Begründet von Dr. fe^mann in Utainj. Montag, den 31. August 5656 (1896). s°r Eine Nk^rk abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat G September @ auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Poft-ZeitungSschalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des.Israelit". Leitender Artikel. Der Arüyting der Seeke. Von Rabbiner Dr. M. Jung — Ung. Brod. Bald ist wieder ein Abschnitt in dem Buche des Lebens vollendet, bald hat ein Stück Dasein mit seinen Freuden und Schmerzen sich wieder in das Meer der Zeit hinabgesenkt, bald stehen mir wieder vor dem jüdischen Neujahrsfeste. Welche Fülle der erhabensten Gedanken und der edelsten Gefühle weckt dieses Fest in unserem Herzen! Es sind nicht geschichtliche Ereignisse, nicht Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, deren Andenken unsere Gemüther am m freudig stimmen und nicht wie durch die übrigen Jahresseste werden wir am m aus der Gegenwart in die Vergangenheit versetzt, um die Größe der Gotteswaltung in unserer Geschichte zu bewundern, m hat eine andere und eine tiefere Beoeulung. Die anderen Jahresfeste führen uns aus der Enge unseres Einzellebens, unseres in gleichmäßigem Wellenschläge ruhig dahinfließenden Daseins in die gewaltig rauschenden Fluthen vergangener Begebenheiten; sie entrücken uns dem engbegrenzten Kreise gewöhnlicher Erscheinungen und erheben uns auf ein Gebiet wunderbarer Geschichtsereigniffe. Das n^-Fest hingegen führt uns aus dem Gewühle der Welt in die stille Einsamkeit unserer Brust, in die heiligen Gemächer unseres Fuhlens und Denkens, in die Tiefe unseres Herzens, damit wir dort unserer eigenen Stimme lauschen und des Göttlichen in uns inne werden. Stimmen, die nimmer in uns verstummen sollten, Klänge, die stets in himmlischer Reinheit sollten vernommen werden, Gedanken, die uns stets geleiten sollten als schirmende Engel und mahnende Führer, diese sollen am m ihre ewigen, aber so oft gekränkten Rechte geltend machen. Darin liegt die tiefe Bedeutung des Neujahrsfestes. cst’ 'vt nvrsn er, ein Tag des erschütternden Posaunenschalls soll er euch sein, so heißt es von rrin unserer heiligen Thora und diese Bestimmung erklärt sie selbst dahin: nr-n pir, ein Gedenken der Truoh. Die schmetternden Schofarstimmen sollen nicht an unserem Ohre wirkungslos vorüberrauschen, sie sollen in unserenl Gemüthe und Geiste göttliche Gedanken und Gefühle wecken, die sich in unserem Innern zum pirr, zur bleibenden Erinnerung krystallisiren. entp xipa nym p-sr prrr. In seliger, ungestörter Ruhe und in voller Hingebung an die Gedanken, welche die Schofartöne in uns wecken, sollen wir ihrem Rufe zur Heiligung unseres Lebens folgen. Und wir p-rr ist der Inhalt unserer Gebete mit m. Unsere Geistesheroen aus der alten Zeit haben die Sprache des Schofar verstanden, haben die Gedanken erfaßt, welche der Dreiklang des jüdischen Signales am m, im Augenblicke der Zeitwende, in alle jüdische Herzen zu rufen bestimmt ist, haben seine Töne in Worte übersetzt, seine Gedanken in Sätze gefaßt, die eben das nyrp-irt die Erinnerung der Truoh vermitteln. Die Schofarstimmen sollen in unserem Geiste und Gemüthe fortschwingen und die durch sie geweckten Gefühle und Gedanken sollen uns durch das ganze Leben hindurch, durch alle heiteren und trüben Stun-