Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1896)
- Date
- 1896-08-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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3PF 1340 kosten. Als das Geld zu Sude war, gingen sie über Aschaffenburg hierher, wo er durch Betteln bei Glaubensgenossen, sie durch geiverbsmäßige Unzucht ihren Unterhalt sich verschafften. Am 23. Juli wurde das Pärchen hier festgenomm n. Levi erhielt eine Haststrafe von 10 Wochen, die Wenzel eine solche von 31 Tagen. — Wegen des gleichen Vergehens erhielt die Taglöhnersfrau Margarethe Stürzet von Langenprozelten 8 Tage Haft. Die Stürzet trieb sich, obwohl sie von hier ausgewiesen, tagsüber hier herum. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenze«. Deutschland. Berlin, 16. August. (Jüdis cheVornamen.) Herr Rabbiner Dr. Ludwig Nosenthal schreibt der Vossischen Ztg. aus Mannheim: „In dem Vortrag des Freiherrn v. Andrian-Werburg (Wien) über den Wortaberglauben gehalten auf dem deutschen Anthropologencongreß in Speyer, befindet sich hinsichtlich der Doppelnamen der Juden ein Jrrthum. Die Juden — wenigstens ein großer Bruchtheil der heutigen Generation — haben wohl zwei Eigennamen, von denen aber der eine ebensowenig ein Geheimname ist wie der andere. Es ist pietätvolle Sitte, daß die jüdischen Kinder nach einem verstorbenen Mitglied der Familie genannt werden, das dann in ihn.n gewistermaßen weiterlebt; das sind ausschließlich „jüdische" Eigennamen, meist biblischen Ursprungs; denn noch bis in die Mitte dieses Jahrhunderts und weiter fiel es keinem Juden ein, ein anderen Namen zu geben oder zu tragen. Warum es nun heutzutage schon von der Schulbank an etwas mißlich ist, bei jeder Gelegenheit als Abraham, Moses u. s. w. zu figuriren, bedarf keiner näheren Erläuterung; so hat sich in den letzten Jahrzehnten vielfach herausgebildet, den Kindern neben dem „jüdischen" noch einen „deutschen" Eigennamen beizulegen, der an jenen anklingt (z. B. Abraham-Adolf, Mose-Max), was aber durchaus nicht in allen Fällen geschieht. Von einem Aberglauben kann hier nicht die Rede sein — eher von einem Akt der Selbsthilfe. Daß bei Anlässen irgend welcher religiösen Natur der „jüdische" Eigenname, dagegen im bürgerlichen Leben der „deutsche" zur Anwendung kommt, erklärt sich aus der Natur der Sache. In vielen Gegenden werden sie beide standesamtlich registrirt." Wir können dem noch hinzufügen, daß gerade seit Beginn der antisemitischen Bewegung sich die schon lange vorher bestehende Strömung, „jüdische" Vornamen in „deutsche" umzuwandeln, vielfach umgedreht hat und Leute, die sich früher Adolf, Max rc. genannt haben, nunmehr mit Stolz Abraham, Moses rc. sich nennen. Königsberg i Pr«, 24. August. Äreser Tage wurde von der hiesigen jüdischen Gemeinde die feierliche Einweihung ihrer neuen Synagoge begangen. Aus dem Wettbewerb um den Bau, der tat Jahre 1893 ausgeschrieben worden war, gingen die Berliner Baumeister Cremer und Wolffenstein altz Sieger hervor. Die neue Synagoge wurde auf einem Grundstückam Lindenmarkt errichtet, der dem Beschauer die Möglichkeit gibt, die sich mächtig aufbauende Fa^ade mit ihrer dominirenden Kuppel aus günstiger Entfernung auf sich wirken zu lasten. Der gewaltige Eindruck, den das Bauwerk hinterläßt, wird nur ein wenig geschmälert durch die daneben befindlichen Speicher, deren Abbruch und Fortschaffung sich trotz aller Bemühungen nicht ermöglichen ließ. Die Fa^ade ist in reichen gothischen Formen entworfen. — Samstags wurde der alte Tempel der Synagogengemeinde durch einen feierlichen Gottesdienst geschloffen und damit hatte für die Gemeinde eine Reihe von Festtagen begonnen, die mit der Einweihung der neuen Synagoge am Dienstag ihren Löhpunkt fanden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 22. August. (Dr. Lueger in Vor-- arlberg.) Folgende Nachrede, welche der „Vorarlberger Volksfreund" Herrn Dr. Lueger widmet, verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden: Der Führer der Wiener Christlich-Sozialen hat seinen clericalen Freunden in Vorarlberg einen schlechten Dienst erwiesen, als er in unser Land kaut, um Vorträge zu halten. Sein Nimbus ist geschwunden und damit hat unzweifelhaft auch die „christlich-soziale" Partei viel an Ansehen im Lande eingebüßt. WaS Dr. Lueger in Bregenz, Götzis und Dornbirn dreimal nacheinander gleichlautend herunterleierte, war ein unzufammenhängendes Sammelsurium von schlechten Witzen, gerade gut genug für den Wiener Pöbot und anderen großstädtischen Mob, der nicht denkenr kann, sondern lachen, schimpfen und raufen will. Aber zur Ehre unserer Bevölkerung in Stadt und Land» kann es gesagt werden, dem Vorarlberger ist solcher Geschwätz zu dumm. Lueger erzählte den Bauern, daß sie durch jüdische Zwischenhändler und durch Wechsel zu Grunde gerichtet werden. Da mußte sich doch der einfältigste Bauer denken, wenn mir sonst nichts fehlte, wäre ich wohl zufrieden, und wenn mich der gefeierte „Volksmann" von nichts Anderm zu befreien weiß, als von den Juden, die ich selten, und von den Wechseln, die ich gar nie sehe, so kann er mir gestohlen werden. Selbstverständlich sprach Lueger auch über den BeähigungS-NachweiS, und da schwelgte er in einem Witz von seltener Blödigkeit. „Studenten," sagte er.