Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1896)
- Date
- 1896-08-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1330 sie kannten den einsamen Spaziergänger, der — ganz besonders in der Zeit zwischen 1640—1652 unermüdliche zahllose malerische Beute in seinen Skizzenbüchern und auf seinen radirten Kupferplatten mit heimbrachte — darin zwar keine vereinzelte Erscheinung in jener Zeit und in jenem Lande der Kunst, doch auf jedem Gebiet mit seiner Persönlichkeit hervorragend, und wenn auch nicht der am meisten beim Publikum gefeierte, doch der Größte von Allen. So kamen denn auch Rembrandt und sein Besuch, der berühmte Prediger der Amsterdamer Gemeinde, der von Natur milde und im Berkehr mit den tonangebenden Geistern seiner Zeit daran gewöhnt war auf die verschiedensten Charaktere einzugehen, nach den verbindlichen Worten der ersten Begrüßung gar bald in ein beiderseitig anregendes Gespräch. Rembrandt machte die Honneurs seiner Sammlungen, auf die er schon in damaliger Zeit infolge der glänzenden Bestellungen, die er in Fülle bekam, große Summen verwendete. „Welche kostbaren Stücke!" rief Manasse, der seine Aufmerksamkeitganz besonders den köstlichen altholländischen und italienischen Gemälden znwendete, deren biblische Sujets entweder Idealfiguren enthielten, die sich an die Antike anlehnten, oder die im Costüm des Jahrhunderts in prächtiger Renaissanceumgebung durch ausdrucksvolle Bewegung, mehr aber durch ihre Farbenpracht und den äußersten Fleiß der Ausführung fesselten. Manasse bestand alsdann darauf, daß der Künstler von der beabsichtigten Studie durch seinen Besuch sich nicht abhallen lasse, nahm eine der dargebotenen Kupferstichmappen zur Hand unb vertiefte sich in die köstlichen Blätter, in denen eine vergangene Zeit ihre Anschauung und die Innigkeit ihres Empfindens zum Ausdruck gebracht hatte. Wohl bezeichnete Rembrandt, während er seine Studie malte, in jenem raschen Ideenaustausch, der dem Künstler und dem wahren Kenner so leicht fällt, seinen eigenen künstlerischen Standpunkt, wobei er das Studium der Natur vor Allem betonte und gestand auch seine Schwäche für das ihn reizende alterthümliche Costüm, wodurch er unmittelbar an die Martin Hemskerk und Lukas von Leyden mit ihren geflammten und verbrämten Trachten anzuknüpfen sich gestattete. Manasse aber, mit milder Freundlichkeit ergriff das Wort und begann: „Herr, Eure Vorliebe in allen Ehren; aber ich weiß cs, Ihr kennt doch noch eine Quelle, die Euer künstlerisches Schaffen befördert, uttb Ihr verzeiht es dem Rabbinen, der sein Leben denl Studium jener Quelle widmet, wenn er diese betont — ich meine die heiligen Schriften selbst. Zu diesen Urkunden wollen mir die Gestalten der Antike so wenig passen, wie die Reisigen des üppigen Burgunderfürsten und die Gewappneten des Maximilian, und anders wohnte unser Volk im Lande Kaiman, als es durch Marmorsarkophage und Triumphbögen der römischen Kaiserzeit geschildert werden kann. Rembrandt, Ihr seid wahrlich auf dem besseren Weg, wenn Ihr unser Volk, das unter Hollands gastlichem Schutze wohnt und doch der unverfälschte Nachwuchs der Erzväter ist, dieses Volk, dessen Geschick noch vielleicht in unseren Tagen herrlichen Verheißungen entgegengeht, wenn Ihr dieses abbildet und ftudirt. Ihr, Rembrandt, gehört zu uns. Selbst Euer Licht ist nicht der silberne Tag, der über Hollands Flttren leuchtet, nicht die abendliche Sonne Amsterdams; nein in Eueren Bildern glüht das heilige Land oder ich meine, da ist das Leuchten der Sabbatlichter in unseren Häufen." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Montags un<l Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Vogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch <E. F. ßt rinn dt er, Leipzig, Doßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Neclamethcil 75 Pfennig. — Direete Franeozuscndnng u»ter Slreifband pro Jahrgang für Deutschlai.d und Oesterreich 14 Neichs-Maik oder 8 fl. österr., snr's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie znriickzubehalten. Inhalt (Hanptblatt) r Leitender Artikel: Paris, Braunschiveig, Arad — Zeitungsnachrichten u. Corrcspondevzen: Deutschland: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Ezcrnowitz. Holland: Amsterdam. Türkei: Eassablanea. Palästina: Jerusalem. Persien: Kirmanchah. — Sprechsaal. — Vermischtes. — Feuilleton: Helldunkel. Eine jüdische Erzählung aus dem Leben Rembrandts und Manasse Ben Israels. Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Zur Geschichte der Judenverfolgung in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr. - Ungar. Monarchie: Török-Szent-Miklos. Mattersdorf. Rußland: Petersburg. Türkei: Aleppo. Inhalt der zweiten Beilage: Mitthcilungen aus den jüdischen Armen-Bei einen und für dieselben: Mainz. Worms. Würzburg. Bannbruch. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Königsberg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Rußland: Petersburg. Kulms. Dänemark: Eopenhagen. Mmoceo. — Literarisches. - Vermischtes. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerci-Actien-Gcscllschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.