Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1896)
- Date
- 1896-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1928 des Berges Nebo begraben wurde, so irren sie gewaltig, denn in der Bibel heißt eS ausdrücklich -cpi „man begrub ihn in einem Thale." Vielleicht bedeutet das Wort 7 hier eine Gebirgsschlucht oder eine Felsenkluft, wie eS deren in diesem Gebirge unzählige gibt. Es ist auch viel wahrscheinlicher, daß Moses statt in einem offenen zugänglichen Thale in einer unzugänglichen Gebirgsschlucht begraben wurde, damit dessen Grab unauffindbar bleibe. Nach der jüd- Tradition soll der Prophet Jeremias vor der Zerstörung Jerusalems die Bundeslade mit den von Moses angefertigten Gesetzestafeln und einigen noch anderen Kostbarkeiten aus dem heiligen Tempel am Fuße des Berges Nebo begraben haben, ohne daß man auch nur eine Spur derselben, trotz allen eifrigen Suchens der der Beduinen und sogar europäischer Forscher, hätte auffinden können. Persien. Kirrrranchah. (Israeliten Persiens). Nachrichten welche an das Central-Comitö der „All. isr." gelangen, weisen nach, wie traurig und gefährdet die Lage der Israeliten Persiens ist. Unter anderem wird berichtet, daß der Gouverneur unserer Stadt den Preis des Getreides erhöht hat. Die Einwohner haben einen Aufstand gegen ihn in Scene gesetzt und versucht, ihn aus der Stadt zu bringen. Sie schlugen ihn und seine Soldaten. Alsdann begaben sie sich ins Judenviertel und plünderten dasselbe. Der Werth der gestohlenen Gegenstände, Schmuck- und Kleidungsstücke, rc., beträgt etwa 2,000 Tomans, (circa 18,000 frcs.) Alsdann beschlossen sie, die Juden zu mißhandeln. Um dem Tode zu entgehen, ging eine große Anzahl von ihnen zum Islam über. Wenn sie später zu ihrem ehemaligen Glauben zurückkehren wollten, würden sie nach dem mohamedanischen Gesetz hingerichtet werden. Wenn ein Jude stirbt, müssen alle seine Güter demjenigen seiner Verwandten zufallen, der zum Islam übergetreten ist. „Ihr gebt viel aus, sagen oft die Apostaten zu ihren Verwandten, Ihr verkleinert unser Erbtheil; wißt Ihr denn nicht, daß alles, was Euch gehört, unser Eigenthum wird nach Eurem Tode?" Die Mollahs (Schiitenpriester) ermuthigen die Uebertretenden darin, uns zu mißhandeln und stacheln die Mohamedaner gegen uns auf; sie treiben sie dazu an, uns auszuplündern, unsere Frauen und Töchter zu schänden. Die Mollahs sind viel einflußreicher als der Schah und seine Gouverneure. Die Perser folgen ihnen blindlings und führen genau ihre Befehle aus. Wir stehen am Abgrunde. Wir haben nicht die geringste Stütze und sind sehr unl unser Schicksal bekümmert. Wir sind alle im Elend und haben nicht die Mittel, uns durch die Flucht den Strafgeldern und körperlichen Züchtigungen, denen wir ausgesetzt sind, zu entziehen. Vor einigen Monaten hatten einige Mollahs, Mohamedaner, Schmucksachen entwendet. Die Besitzer der Schmucksachen erkannten die Diebe und erhoben Klage bei dem Gouverneur. Die Schuldigen wurden festgenommen. Als die Geistlichen zur Rechenschaft gezogen wurden, behaupteten sie, einen Theil ihrer Schmucksachen an einen jüdischen Kaufmann, Namens Mosche Eleazar verkauft zu haben. Alsbald wurde der Jude eingesperrt und in Eisen gelegt. Die Notablen der Stadt ergriffen Partei zu Gunsten des Juden, der erst in Freiheit gesetzt wurde, nachdem er 50 Tomans (450 frcs.) bezahlt hatte. Das Central-Somit6 der „All. isr." hat den Israeliten von Kirmanchah eine Unterstützung zu kommen lassen. Gprechfaal. AuS Bayern. Es scheint den Herrn aus „Hessen" peinlich berührt zu haben, daß die Seele des „staatlich geprüften Religionslehrers" nicht nach Sedom wandern möchte. Vielleicht beruhigt sich der Herr L. St. damit, daß ein „staatlich geprüfter Religionslchrer" in seiner Eigenschaft als N*np?jn anstatt 7?^ 7^71 beliebte vorzulesen 77P1 Ein Fachmann." > vermischtes, «r ER. Berlin, 25. August. Herr Stadtrath Caspar Lachmann, das älteste Mitglied der durch Festhalten am gesetzestreuen Judenthum bekannten Familie, ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Derselbe war der Spender einer weithin tönenden Uhr für die Gemeinde Adaß Jisroel. Berlin Die antisemitischen Gründungen scheinen nirgends mehr rechten Anklang zu finden. In diesem Monat ist wieder ein Organ der Antisemiten. „Der Volkskämpfer", verblichen. Das in den weitesten Kreisen unbekannte Wochenblatt wurde vom deutschen wirthschaftlichen Verbände, in dem Abg. Böckel thätig ist, herausgegeben; es hat aber kaum ein halbes Jahr sein Leben gefristet. Bertt«, 19. August. Die hiesige jüdische Reformgemcinde versandte soeben eine Uebersicht ihres Haushaltes vom Jahre 1895. Die Einnahmen betrugen incl. Zuschuß der Hauptgem inde 54 808 Mk. 73 Pfg., die Ausgaben 50 596 Mk. 79 Pfg. Kassen-Ueberschuß pro 1895 4 211 Mk. 94 Pfg. — Die Verhandlungen zur Einverleibung in dieHcuptgemeinde sind als gescheitert zu betrachten. (EIL.) Rustschirk Die von unserem jüngsthin verstorbenen Großrabbiner Dr. Grünewald in der Stadt Sophia in aller Eile in's Leben gerufenen Rabbinerschule, der es gleich von allem Anfänge an an den nöthigen Lehrkräften und Geldmitteln fehlte, wird voraussichtlich baldigst zu existiren aufhören. New Vork« Rabbiner und Cantor Rev. Hochglück, früher in Poughkeepsie, N. A., und in Newark, 9t. I. und zuletzt bei der Kongregation Tempel B'nai Israel, 79. Str., New- Aork, ist nach einem glänzenden Probe-Vortrag einstimmig von der Kongregation „Eden Str. Synagoge" in Baltimore gewählt worden. Es halten sich 76 Kandidaten um dieselbe Stellung beworben und 9 haben geprobt.