Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1896)
- Date
- 1896-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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IW dem Anfänge des Anfangs einen Sturm heraufbe« schworen hat. «Sollte die erste Kundgebung der jüdischen Devuttrten mit Verletzung des Sabbats beginnen? Oder sollten sie sich auf die religiöse Satzung steifen und den Judenfeinden einen An griffspunkt für ihre Behauptung liefern, daß das Judenthum mit der Ausübung der Bürgerpflichten unverträglich fei?" diese wichtige Frage beschäftigte die Mitglieder auf's lebhafteste. Die Rabbiner und die Partei des gewissenhaften Isaak Brrr?) waren entschieden dafür, die erste Sitzung aufzuschieben, oder wenigstens die Wahl an diesem Tage nicht vorzunehmcn. — Die weniger bedenkliche Partei, die Politiker, bestanden im Gegentheil darauf, dem Kaiser that sächlich den Beweis zu liefern, daß das Judenthum sich den obrigkeitlichen Gesetzen unterzuordnen wisse. — Die Verhandlungen darüber waren heftig, doch die Gewtssenhaften waren in der Minorität und konnten darum die gefährdeten religiösen Interessen nicht mit Erfolg verteidigen. So versammelten sich denn die DtputirLen am Sabbat; einige derselben waren mit einer gewissen Absichtlichkeit zu Wagen angekommen. — Noch einmal versuchten die Gewissenhaften die Verhandlung zu verschieben, doch wieder vergeblich. Die Furcht vor Napoleons Machtspruch lähmte auch solche, die es sonst nicht so leicht mit den religösen Satzungen nahmen. — Der Wahlakt wurde vorgenommen, die Frommen hatten bereits fertige Zettel mitgebracht, die Uebrigen schrieben vor den Augen der Rabbinenungescheut. _ (Fortsetzung folgt.) 7) Später mit dem Prädicat .,von Turique" in den Adelstand erhoben, geb. 1743, gest. 6. November 1828. Er hat veröffentlicht: 1. eine Rede gehalten den IS. Oct. 1789 zu Gunsten der JSraeliten, v. H. Gregoire, Paris 1789; — 2. Brief rc. an den Herrn Bischrf von Ranch. Paris I7SS; — 3. Brief... an seine Religwnsgenossen bei Gelegenh. d. in'S Leben tretende Bürgerrechts, decretirt dm 28. Sept. 1791 — Naxcy 1791; 4) Betrachtungen über bte Wiedergeburt d. Juden in Frankreich, gehalt. in der Notabl.- Bersamml-, Paris 1&06; — 5) Brief an H. Gregoir, Senator zu Paris, Nancy 1806; u. 8. Rede gehallen m in der Israel. Bersamml. in Par's, veröffentl. von Diogene Tama a. a. O. Paris 1807. Das von Eliah Rosenthal aus Pest im Namen der Ungar. Judenheit am 17. Sivan 1799 effectulrte Schreiben, war wahrscheinlich an diesen Isaak Berr gerichtet, und nicht, wie Reich (B. E- HI. 72) annimmt, an Cecf-Beer, (Friedr.), welcher am 22. Sevt. 1842 auf der Rückreise von Amerika gestorben, oder Alphonse C., welcher am 10. December 1859 starb. Zeitungsnachrrchten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 24. August. Mit der antisemitischen Bewegung geht es hier und anderwärts bergab, so lautet die herzbewegliche Klage eines antisemitischen Blattes. Und dann heißt es in demselben Klageton weiter: „Die Vorstände der Vereine wagen kaum noch Versammlungen einzuberufen. Gelder gehen so gut wie gar nicht ein; die Kassirer klagen über enorme Schulden, für die Niemand auskommen will. Die Zeitungen laboriren; mit Mühe und Noth sind sie über Wasser zu halten. Eine Berliner Zeitung, die für Provinzblätter sogenannte Kopfblätter ausgibt, kann die Auslagen nicht eintreiben. Das Berliner Blatt hält sich dadurch schadlos, daß es Judeninserate aufnimmt. Die traurige Haltung der Antisemiten im Reichstage schlägt dem Faß den Boden aus. Es fehlt das Vertrauen. Weder die „Führer" noch die „Vertrauensleute" werden ernst genommen. Die bislang bethörten Mitläufer wollen sich nicht weiter schröpfen lassen. Die ganze Bewegung wird nur noch gehalten, damit verlotterte Existenzen Stellung behalten. In den nächsten Tagen stehen allerlei Enthüllungen bevor." Berlin. Der neuernannte Kriegsminifter, Generallieutenant v. Goßler, ist kein Liebling der Antisemiten, von denen er als Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements vielfach, namentlich bei dem berüchtigten Ahlwardtschen Judenflintenprozeß im November 1892, heftig angegriffen worden ist. Zum Dank dafür, daß General Goßler damals für die Ehre der preußischen Militärverwaltung den unerhörten Verunglimpfungen Ahlwardts und Paaschs gegenüber eintrat, machte ihn und seine Familie der selige Böckelsche „Reichsherold" zum Juden oder „Judenstämmling", eine Behauptung, die von dem älteren Bruder des Kriegsministers, dem früheren Kultusminister v. Goßler, zur Zeit ausdrücklich und ausführlich als unwahr widerlegt wurde. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Ein scheinbar mit Ausschluß der Oeffenllichkeit erscheinendes Wochenblättchen, das sich die Aufgabe gestellt: Orthodoxe und Neologe in schönster Harmonie zu vereinigen (?!) weil es wahrscheinlich auf die Geldhilfe beider Parteien svekulirt, brachte unter der heroisch klingenden Spitzmarke: „Der Streit um das Präsidium der orthodoxen Durchführungskommission" eine schlecht erfundene Mähr' von einer eingetretenen, oder besser gesagt, von einer einzutretenden Spaltung-. zwischen der ungarischen Orthodoxie und dem ungarischen Chassi-