Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1896)
- Date
- 1896-08-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1324 zu dulden, die Uebrigen in Frankreich zu zerstreuen und ihnen den Handel zu verbieten rc."- Indessen wagten doch zwei Staatsräthe von Bedeutung Regault und Segür, zu Gunsten der Juden, oder vielmehr der Gerechtigkeit zu sprechen; und es gelang ihnen Napoleons Zorn für den Augenbl ck zu mildern. — Eine zweite Berathung sollte den Abschluß herbeiführen. Inzwischen gelang es einflußreichen Personen, ihm eine bessere Meinung von den Juden beizubringkn. Man machte ihn darauf aufmerksam, wie sehr sich dieselben in kurzer Zeit in Künsten, Wissenschaften, Landbau und Handwerken hervorgethan haben. Man bezeichnete ihm viele Juden, die er als tapfere Krieger mit Pensionen oder dem Orden der Legion ausgezeichnet hatte;-und in der am 7. Mat 1806 abgehaltenen zweiten Staatsrathssttzung sprach er schon milder von den Juden. — Wenngleich er von dem einmal eingesogenen finstern Borurtheile gegen die Juden sich noch immer nicht lossagen konnte, propagirte er nicht mehr deren Verfolgung oder auch nur Hintansetzung; forderte jedoch die Zusammenberufung von jüdischen Notablen aus den verschiedenen Landcstheilen, welche ihm Gewißheit darüber geben sollten, ob das Judenthum thatsächlich seinen Bekennern Haß und Bedrückung gegen die Christen vorschreibe.^) — Die Juden selbst sollten durch ihre Vertreter über ihr Geschick entscheiden. Das Dekret, welches diese« Beschluß ausführen sollte*) (30. Mat 1806) führte eine sehr herbe Sprache. Napoleon selbst hatte ihm, wie es scheint, in einem verstimmten Augenblick die letzte Feile gegeben. — Die Wahlen wurden von den Behörden mit einer gewissen Willkür vorgeno rmen. Mit zitternden Herzen trafen etwa hundert^) jüdische Notablen ein, ohne Plan, weil sie nicht wußten, was der Kaiser mit ihnen vor halte. Ein Ruf des Ministers an jeden 3) Ueber kiese ursprünglich von Ant iochus Eplphanes (ein-m Vater der heutigen A n t i's) ausgeheckte Anschuldigung s. Frankel-Grätz Monatsschr. XXI, 199 ff.; gleichzeitig verweise ich auf das in Heinemanns „Archiv d. Jud" I, 340 aus Hitzigs Annalen abgedruckte Gutachten des Ober-Landesrabbiners Hirsche! Löb el (lewin) (geb. 1721, gest. 26. Aug 1800) zu Berlin, aus dem Jahre 174)2; — s. a. T’ "O p?n tod nnn 'i»n — 4) s. Alex. Brau, Gesammelte Aktenstücke (Hamburg 1808); vergl. Diog. Tama, Collection des ecrits et des Aetes etc. — s. a. G- Rießer, Vertheid'gung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gegen die Emwürse des Dr. Paulus, den gesetzgebenden Versammlungen Deutschlands göwidniet (Altona 1831.) 5) Nach Jost (Jsaac Marcus, geb. 22. Febr. 1793, gest. 20. Nov. 1860), Gesch. d. Jud. IXpass- 124 waren 110 Deputirte. Einzelnen derselben gerichtet (vom 29. Juli 1806) lüftete nur wenig den Schleier für sie. Er zeigte ihnen an, daß sie sich drei Tage später, an einem Sabbat, zur Sitzung einfinden, konftitutren und Fragen beantworten sollten, welche kaiserliche Kommissäre ihnen vorlegen werden. Der Zweck sei: Die Juden zu nützlichen Bürgern zu machen, ihren Glauben mit den Pflichten der Franzosen in Ueberetnstimmuna zu bringen rc. Die Ernennung Mol6's zum Kaiserl. Kommissär neben Portalts und Pasquier mit der Versammlung offiziell zu unterhandeln. war nicht gecignet sie zu beruhigen, da dieser zuerst den judenfeindltchen Schlagwörtern Bouald's und Anderer als Organ gedient hattet) Ob es bloßes Versehen oder ein bewußt gegebenes böses Signal war, daß die erste ojfisielle Versammlung, welche die Wahl der Vorsitzenden und der Slkreläre durch geschriebene Zettel vorzunehmen hatte, am Sabbat statlfinden sollte, läßt sich wohl nicht ermitteln, es ist jedoch evident, daß die hiedurch inaugurirte Gewissensfrage noch vor 6) Graf M o le s Urgroßmutter war Jü d i n (s. Ehrentheil, (Moritz, geb. 1825, gest- 27. Dez. 1893), Jüd. Familienb. x. 300.) DaS Judenthum war stets senenS derer, die einst ihm angehört, der heftigsten Angriffe ausgesetzt. — Es ist sehr charakterist sch, während gar viele Renegaten, frisch vom Taufbecken weg, den Mund vollnehmen mit Schmähungen gegen ihre Stammmutter und Brüder; — finden wir im Talmud und im Midrasch Tanchuma und Jalkut n"cn 'n nrr.'ö den rücksichtsvollen, lrebeathmendcn Ausspruch-. N2N ’“f) mtt/y iy S1VJ [rvsNn] (rt’Dp) riNDlN? „im Beisein eines Proselyten sollst Du bis in's zehnte Geschlecht keinen früheren Stammesgenossen beschämen." — Geistreich bemerkt Rießer (Jüd. Briefe I, 57) von Heine: Ec scheint den Satz jener unnatürlichen Mutter umzukebreri und zu sagen: „Ich darf es Haffen, es hat mich geboren." — (Heine ist übrigens reumü« th i g a'JB dem Leben geschieden 8- 7 seines T est amen ts lautet: ..Ich wünsche, daß mein Leichenzug so einfach wie möglich se>. und daß die Kosten meiner Beerdigung nicht die eines einfachen Bürgers übersteigen; obwohl ich zur luth:rischen Religion gehöre, wünscheich nicht, daß der Geist« liche dieser Religion meiner Leiche folgt, auch verzichte ich auf jede andere heilig: Handlung, um mein Le chenbegängniß zu feiern. Dieser Wunsch ist nicht der schwache Wille eines Freigeistes; seit v'er Jahren bave ich allen philosophischen Stolz abgelegt und bin wieder zu religiösen Ideen übergegangen. Ich sterbe, glaubend an einen und ewigen Gott, Erschaffer derWelt, dessen Barmherzigkeit ich an rufe für m ernenn ü erbliche Seele. Ich bedauere, in meinen Werken von heiligenDingen oftrcspectlos gesprochen zu haben, aber ich wurde hierbei weit mehr von dem Zeistgelst fortgeriffen, als durch eigenen Trieb. Wenn ick ohne mein Wissen die guten Sitten und die Moral beleidigt habe, welche die wahre Kraft alles Glaubens sind, mein Gott, so bitte ich Dich und die Menschen um Verzeihung."-Und wenige Tage vor seinem Tode sagte er einem berühmten Schriftsteller: „Je suis revenu ä, Jeh. . .“! (Ich bin zurückgekehrt zu I.) A. Z. d. I. 230/856.1 S w. h. Note 15 b.