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Der Israelit · 1896-08-24 · Heft 68 (24.8.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 68 (24.8.1896)
Date
1896-08-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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.4M "-'jt^P -■ ggf1;/*»1 ^..vt* T <■?• 1316 jcct zur Ausführung komme, damit sich in Massauah eine Persönlichkeit befände, die ihre Aufmerksamkeit auch den Falaschas in Abesspnien zuwenden könnte. Rußland. Petersburg. (Ausweisungen.) Der„3Loskhod" gibt eine neue Großthat der Polizei wieder, die sogar in einem Mißbrauch des Maigesetzcs besteht. Am nämlichen Tage, wo ganz Rußland den glücklichen Vorgang der Krönung feierte, als alle Bewohner des Reiches ohne Unterschied der Rasse oder des Glaubens sich den Freuden des Festes Hingaben, erschien der Commissar des Bezirks von Listine (Provinz Podolien) in Zaloujnaya, rief die Lokalbehörden und die Gcmeinderäthe aus Zwangsgründen zusammen und iheilte ihnen den ausdrücklichen Befehl mit, daß sie augenblicklich diejenigen Juden ausweisen müßten, welche auf Grundstücken, die den Bauern gehören, ansässig seien. Es muß bemerkt werden, daß die in diesem Dorfe wohnhaften Juden seit 30—40 Jahren ansässig sind, so daß das Maigesetz ihnen sogar das Aufenthaltsrecht sichert. Es ist wahr, daß keiner dieser Juden eigenen Grund und Boden besitzt, sondern nur ein oder mehrere Häuser, die auf Grundstücken stehen, welche christlichen Bauern gehören. Der Ukas des Commissars brachte die Inden nicht nur um den Vortheil des Gesetzes vom 3. Mai 4882, sondern zog auch ihren vollständigen Untergang mit sich. Die Juden von Zaloujnapa verloren nicht den Kopf; auf telegraphischem Wege benachrichtigten sie die höheren Behörden von dem Vorgang, und am nächsten Tage, den 10./28. Mai, erschien der Commissar wiederum im Dorfe mit der Erklärung, daß sein Befehl vom Tage zuvor ein vorzeitiger gewesen, und daß die Juden einige Zeit im Dorfe bleiben dürsten. Moskau. (Die Juden auf den: Felde). Aus Pogrepichte wird dem „Woskhod" geschrieben: Seit mehreren Jahren befassen sich die Inden verschiedener Gegenden als gewöhnliche Arbeiter mit dem Ackerbau. Auf den Besitzungen des Grafen Jgnatief, dem früheren Minister des Innern, dessen eigenes Werk das Gesetz vom 3. Mai 1883 ist, und auch auf den Gütern der Grafen Tischkewitsch finden die Juden Verwendung bei allen Ackerbauarbeiten und werden ihre Leistungen von den Besitzertt sehr geschätzt. Auch die Zuckerraffinerien verwenden Juden für die ackerbaulichen wie die industriellen Arbeiten. Es muß sogar bemerkt werden, daß die in den Rübenfeldern arbeitenden Juden bezahlt werden wie die übrigen Taglöhner. Auch jüdische Frauen und Mädchen werden bei Ackerbauarbeiten beschäftigt, doch getrennt von den 1 Männern. Ueberall, wo jüdische Handwerker verwendet werden, lobt man ihre Thätigkeit und ihr Betragen. Seit vorigem Jahr sind auch Juden beschäftigt bei den Reparatnrarbeiten der Losowv-Sebastopolbahn. Ganze Arbeitertrupps, lediglich aus Juden bestehend, sind bei der Bahn beschäftigt, und die Unternehmer, die Herren Malischef und Strijefski, loben sie sehr. Diese Arbeiten sind namentlich schwer für die Juden, da es ihnen verboten ist, auf dem Laude zu wohnen unb ihre Wohnungen oft K) bis 13 Wersten entfernt vom Arbeitsplatz liegen. So müssen sie denn Morgens und Abends diesen 'Weg zurücklegen. Trotz aller Bemühungen der Unternehmer haben es die Behörden den Juden untersagt, selbst für eine Rächt außerhalb der Stadt zu nächtigen, wo sie ihren berechtigten Wohnsitz haben. Orel. (Ein merkwürdiger Fall). Das orthodoxe Consistorium des Bischofsitzes Drei beschäftigt sich augenblicklich, tvie der „Kiewlanine" schreibt, mit einer Angelegenheit von besonderem Interesse. Bor Jahren hat sich in der Stadt Orel ein gewisser Eotlstantin-Gregoire Borissof niedergelassen, ein Handwerker, der von allen Seiten sehr geschätzt wird. Bor 4" Jahren wurde der damals I "jährige Borissoff mit einer Anzahl junger Israeliten, die von ihren Eltern entführt worden waren, zur orthodoxen Kirche eonvertirt. Sie wurden nach der Provinz Simbirsk gebracht und dort in einer Militärschnle untergebracht. Später kan: Borissoss in die Armee. Als er seinen Abschied nahm, zog er nach Drei. Kaum erwachsen, weigerte sich Borissoff, dein orthodoxen Glauben zu huldigen und befolgte sein ganzes Leben hindurch streng die Satzungen der jüdischen Religion. Aus seiner Ehe mit einer Jüdin sind vier Kinder jüdischen Glaubens hervorgegangen. Kurz Borissoss konnte sich niemals znr christlichen Taufe entschließet!, die ihm in seiner Jugend auserlegt worden war. DaS Consistorium hat ihn mehrfach vor die Richter eitiren lassen; mehrfach war er bei bat Popen der Stadt Orel als Religionsschüler untergebracht worden. Weder Erkläruttgen noch Ermahnungen vermochten etwas bei ihm. Borissof will Jude fein und sträubt sich gegen die Taufe. Diese Sache dauert seit 3" Jahren. Kürzlich wandte sich 'Borissof an die Behörde wegen der Gebnrtsatteste unb Pässe seiner Kinder. Die Behörden weigerten sich ihm dieselben anszuhändigen unter dem Borwand, daß die Religion der Kinder noch bestimmt werden müsse. Strafrechtlich kann Borissof nicht verfolgt werden, da er mit Gewalt getauft worden ist; vom theologischen Standpunkt ans nutß Borissof Christ bleiben, da er die Taufe erhalten hat. Kurz die Sache ist schwer zu erledigen, und das Consiftorinm von Orel hat sich gezwungen gesehen, an die Centralbehörde darüber zu referiren.

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