Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 68 (24.8.1896)
- Date
- 1896-08-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXVEL Jahrgang. Srllllge zu M M des „Israelit". Zertttttgsnachrichtert und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 14. August. (A n t i s e m i t e n unter sich.) Die „Staatsbürger - Ztg.," die bekanntlich lauge mit Stolz sich das Organ des Herrn Ahlwardt nannte, bringt unter den Titel „Ahlwardt ante portas!" folgende Auslassung: So tönt es unheilvoll den Antisemiten in die Ohren. Der Rektor aller Deutschen läßt wieder einmal Etwas von sich hören. Er will im Herbst aus Amerika nach Deutschland zurückkehren und über seine Erfolge „dort drüben" berichten — oder über seine Mißerfolge? Letzteres wird wohl zutressen; denn ein so gewiegter Geschäftsmann, wie Freund Ahlwardt unzweifelhaft ist — diese Anerkennung muß ihm auch der politische Gegner zollen —, wird doch nicht sein Geschäft im Stiche lassen, wenn es in Blttthe steht. Die Ankündigung, daß Deutschland demnächst die hohe Ehre zu Theil werden soll, die „grundehrliche Haut" Ahlwardt's wieder zu begrüßen, beweist auf's Neue, was alle Welt schon lange weiß, daß es dem Vater des Tivoliprogrammes der Konservativen in Amerika herzlich schlecht gegangen ist. Bezeichnend für die Gefühle, die dein edlen Manne aus den Reihen der deutschen Gesinnungsgenossen entgegenschlagen, ist der Zusatz zu der Ankündigung von der Rückkehr: „In antisemitischen Kreisen glaubt man, daß sich Herr Ahlwardt nur besuchsweise hier aufhalten und, wenn seine Angelegenheit mit dem Friedeberg-Arnswalder Mandat geregelt ist, wieder nach der neuen Welt zurücksegeln werde." Aus dem ersten Theil dieses Satzes spricht nur allzu deutlich die Hoffnung der Antisemiten, daß Ahlwardt sich nur recht kurze Zeit in Deutschland aushallen werde und dann sich wieder von hinnen begebe, wenn möglich dorthin, wo der Pfeffer wächst, und auch der Schlußsatz erinnert unwillkürlich an das Angebot von einigen Tausend Mark, das Ahlwardt im Frühjahr gemacht wurde, für den Fall, daß er sein Reichstagsmandat niederlegen wolle. Sollte sich Ahlwardt jetzt eines Andern besonnen haben? Die „Regelung" der Niederlegung eines Mandats ist doch die denkbar einfachste: er könnte dem Neichstagspräsidenten in nur wenigen Zeilen mit dem Anstand, den er hatte, als er noch unter uns weilte, anzeigen, daß er sein Mandat als Reichstagsabgeordneter in Arnswalde-Friedeberg niedergelegt habe. Ahlwardt ante portas. Ob ihn wohl bei seiner Rückkehr, wie s. Z. nach der Rückkehr aus dem Gefängniß, ein Festzug der Gesinnungsgenossen durch die Stadt geleiten wird? Wir fürchten, nein. Uns kann die Rückkehr der edlen Seele schon recht sein, unheimlich aber wird es gar Manchen seiner Genoffen sein bei der Ankündigung von dem Besuche des Rektors aller Deutschen in Deutschland. Ec drückt ja die Preise! Welches Eintrittsgeld er wohl erheben wird für seine Versammlungen, in denen er berichten wird über seine Großthaten in Amerika? Vielleicht enthüllt uns Herr Ahlwardt nach seiner Rückkunft auch etwas über seine Intima mit der „Staatsbürger Zeitung". Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. (Der österreichische Gastw irt hev e r b an d in Budapest.) Eine Anzahl von Mitgliedern des österreichischen Gastwirtheverbandes weilte dieser Tage zur Besichtigung der Millenniums-Ausstellung in Budapest. Der Ausflug hat eine nicht uninteressante Vorgeschichte. Als nämlich die Budapester Hoteliers-, Gast- und Schankwirthe- Genossenschaft vor einiger Zeit an den österreichischen Verband die Einladung zum Besuche der Budapester Ausstellung gerichtet hatte, wurde von antisemitischer Seite sofort eine überaus eindringliche Agitation eingeleitet, um den Ausflug zu Hintertreiben. Diese Agitation wurde sozusagen von Haus zu Haus betrieben, und namentlich ein antisemitisches Äusschußmitglied der Wiener Gastwirthe-Genoffenschaft, das in den Gastwirthe-Versammlungen stets mit großem Eifer für den Grundsatz einzutreten pflegt, daß das Gewerbe sich von allen politischen und konfessionellen Fragen strenge fernzuhalten habe, betheiligte sich mit dem größten Eifer an dieser Agitation. Nichtsdestoweniger waren es aber doch nahezu hundert Mitglieder des österreichischen Gastwirtheverbandes, die unter der Führung des Verbands-Präsidenten Wieninger, viele in Begleitung ihrer Familien, an der Fahrt theilnahmen. Italien. (n) Rom, 18. August. Unsere Gemeinde hat in Betreff der Frage der Frauenemancipation einen Riesenschritt nach vorwärts gemacht. Der hier bestehende Verein rivu: nsn, der bei Kranken und Sterbenden fungirt, den Armen einen Arzt und Medicamente gratis beistellt, einen Krankenwärter w verschafft, bei einem Sterbefalle Minjan (zehn Personen) stellt 2C. und dem auch, wie es schon in der Natur dieses Vereines liegt, Frauen angeboren, hat nun in seinen Vorstand drei Frauen berufen. — Die vom Redakteur des „Vessilo Jsraelitico" eröffnete Subscription, um in der italienischen Colonie Maffauah (Abessynien) einen Rabbiner oder wenigstens einen Vorbeter anstellen zu können, weist leider bis jetzt nur ein spärliches Ergebniß auf. Und doch wäre es sehr wünschenswerth, daß dieses schöne Pro-