Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 68 (24.8.1896)
- Date
- 1896-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448672--42376-2491377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1311 > Dersonatien. -4- Hannover. Der Verlust, den das gesetzcstreue Jlldenthunr durch das Hinscheiden des Herr» I. H. Bing in Frankfurt a. M. erlitten, wird wohl kaum irgendwo lebhafter gefühlt als hier, wo derselbe als junger Manu und in den ersten Jahren nach seiner Verheirathnng mit der Schwester des Herrn Oberrabbincr A. Stern von Hamburg lebte und wirkte. Dieses streng-fromme, jndischgastfrenndliche Haus inmitten einer altjüdischen Kehillo, die in ihrer Gesammtheit vielleicht ein schöneres Bild des eonservativen Judenthums zeigt, als viele andere Großstädte, in welcher aber damals schon die strenge Ansübitng der Mizwoth und das emsige Studium des Talmud seltener geworden war, hat einen ungemein segensreichen Einfluß, namentlich auf die Jugend ausgeübt. Sowohl in der Zeit, in welcher er ein sehr geachtetes Mitglied des befanntcu Bankhauses Ezechiel Simon war, als auch später, als er ein Bankhaus unter eigener Firma (I. H. Bing) leitete, fand er allabendlich Zeit, sowie besonders am Schabbos, junge Leute, namentlich auch Schüler des hiesigen Seminars, zum Talmudstudium in seinem Hause um sich zu sammeln. Mit Begeisterung pflegte er dann von hervorragenden Zeitgenossen zu sprechen, wie z. B. von Rabbi Akiba, Lehren s. A. von Amsterdam, von Rabbi Boruch Jizchak Lipschütz s. A., dessen Reden seiner Zeit in Amsterdam einen so großen Eindruck machten und dadurch, sowie durch zahlreiche Citate aus den Werken jüdischer Religionsphilosophen, welche er studirte, wußte er seine Schüler so mit Liebe und Enthusiasmus für das Judenthum und dessen Thora zu erfüllen, daß aus alle seine Freunde, die in diesem herrlichen Hause gesammelten Lehren und Beispiele für das ganze Leben einen segensreichen Eindruck hinterließen. Da auch fast alle orthodoxe Juden, die in Hannover, wenn auch nur für einige Tage oder selbst Stunden verweilten, dieses Haus aufsuchten, so hatten die, welche das Glück hatten, Hausgenossen von ihm zu sein, den Vorzug, einen guten Theil hervorragender Glaubensgenossen kennen zu lernen. Rabbi Jisroel Salant s. A. war ein Mal über Schabbos der Gast der Familie Bing und wiederholte seinen Besuch bei Herrn Bing in Frankfurt a. M., demjenigen Platze, nach welchem sich der edle Herr Bing nächst Jerusalem am meisten gesehnt hatte und wo der Allgütige ihn zu sich genommen hat, tun ihn in einer Wett der Wahrheit die für die Frommen aufbewahrten reinen Freuden genießen zu lassen. Treysa, Bez. Casiel. Am 10. August b. I. starb dahier nach nur zweitägigem Krankenlager der penstonirte Lehrer Meier Rothschild im Alter von 91 Jahren und 23 Tagen. — Geboren am 18. Juli 1805 zu Steinbach, Kreis Hünfeld, als Sohn einfacher, aber sehr religiöser Eltern, widmete er sich von frühester Jugend an dem Studium von nerpn Nachdem er sich längere Zeit in Fulda bei dem n und einem Privatgelehrten vorbereitet hatte, besuchte er die unter Leitung des R. Hirsch Levi Kunrcuther in Gelnhausen stehende nrtr und zwar mit einem solchen Erfolge, daß ihm sein Lehrer den i^n-Titel verlieh. Nachdem er alsdann einige Jahre in Rhina, Kr. Hünfeld, als Privatlehrer gewirkt, trat er am 1. Seplbr. 1831 bei der hiesigen Gemeinde die Stelle eines Religionslehrers an; der Verstorbene hat somit nahezu 65 Jahre in der hiesigen Stadt gelebt. — Im Jahre 1835 bestand R. die Prüfung als Elementarlchrer und wurde daraufhin am 21. Dezember desselben Jahres an der inzwischen dahier errichte'en öffentlichen Schule als Elementarlehrer angestellt; diese Stelle hat er bis zu seiner am 1. April 1886 erfolgten Peniionirung bekleidet. Doch nicht lange sollte er sich der wohlverdienten Ruhe in körperlicher Rüstigkeit erfreuen, da ihn ein Schlagansall bald an den Rand des Grabes brachte; zwar erholte er sich wieder, doch blieb er auf einer Seite vollständig gelähmt. — Obgleich körperlich e.ebrochen, war er geistig so frisch, daß er sich bis in die späte Nacht hinein mit npn -rn besoffen konnte; desgleichen hatte er sich ein lebhaftes Jntereffe für die Vorgänge in der Welt bewahrt und erfreute sich eines sehr guten GedächtniffeS. — Rothschild war ein äußerst bescheidener Mann, ein Lehrer voll Sanftmuth und Geduld, ein gewiffenhafter Beamter (u. zw. Lehrer, Vorsänger, ernp und ^rra), ein vorzüglicher ^'rv, ein Mensch, dem Jeder gut war und dem Niemand gram sein konnte. Welcher Liebe und Verehrung sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, zeigte sich bei der Feier seines 50jährigen Jubiläums (1885), seiner goldenen Hochzeit (1888), seines 90jährigen Geburtstages (1896) und bei seiner Beerdigung. — Bei derselben hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg, der langjährige Vorgesetzte des Verstorbenen, eine wohldurchdachte, tief ergreifende Rede, während ihm sein Amtsnachfolger, Herr Lehrer Oppenheim, Namens der anwesenden Lehrer recht herzliche Abschiedsgrüße über das Grab hinaus nachrief. rrr;x;i Vermischtes. Lemberg, 19. August. Wie nutz Petersburg gemeldet wild, wurdc das dort vom Baron Hirsch eingesetzte (dcntral- Coinits, welches die Auswanderung russischer Juden nach Argentinien zu organisircn batte, aufgelöst. H-ilbrorttt, 11. Aug. (dtij; njtfC iro). Die bürgerlichen Kollegien «Gemcindcratb und Bürgcrausschuß^ tagten unter dem Vorsitz zweier Glaubensgenossen, erstercr unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Schloß z. Zt. Stellvertreter des Oberbürgermeisters, letzterer unter dem Vorsitz des stellvertretenden Obmanns W. M. Wols.