Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-08-24 · Heft 68 (24.8.1896) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 68 (24.8.1896)
Date
1896-08-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448672--42375-2491376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

1310 Thätigkeit der Wiener Gemeindevertretung?" Der Antrag, der in allen diesen Versammlungen zur einhelligen Annahme gelangte, faßt die Ansicht der Sozialdemokratie über die gegenwärtige Mehrheit des Geineinderathes dahin zusammen, daß dieselbe eine ebenso volksfeindliche Clique sei, wie die frühere liberale Mehrheit. Sie zählt die sämmtlichen Sünden der Stadtverwaltung auf, von der Beschränkung der Beihilfe, die bisher dem Volksbildungsverein zu Dheil geworden war, bis zu der Bewilligung von 25,000 Gulden für den Empfang des Zaren, und schließt: „Die Arbeiterschaft von Wien klagt aber vor allem die Gemeindevertretung der Schuld an und verlangt die Ertheilung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes für die Kommune, nicht nur als eine Forderung der Gerechtigkeit, sondern als das einzige Mittel, die Cliqucnherrschaft im Gemeinderathe durch eine Vertretung des wahren VolkswillcnS zu ersetzen." Bei der Berathung fielen theilweise so heftige Worte gegen den „russischen Autokraten", daß die Polizei in einigen Versammlungen zur Auflösung schritt, die sich nicht ohne Tmnult vollzog. Feidkirch, im August. (Dr. Lueger in Vorarlberg.) Die „Feldkirchner Zeitung" berichtet: „Vice-Bürgermeifter Dr. Lueger ist mit dem Eilzuge, ohne Feldkirch besucht zu haben, wieder abgereist, nachdem er am Dienstag Abends in der Turnhalle in Bregenz, am Mittwoch Nachmittags im Katholischen Casino in Dornbirn tauge Rede in: gleichen Styl wie in München gehalten und von feinen Gesinnungsgenossen reichlichen Beisall geerntet hatte. Von Dornbirn fuhr er um halb 10 Uhr nach Sulz, wo er übernachtete. Unbefangene Zuhörer anerkennen seine Gewandtheit als Redner, können aber seinen Auslassungen keinen Geschmack abgewinnen, und man hört über sein Auftreten recht abfällige Urtheile. Einige bezeichnen ihn einfach als Volksaufwiegler, Andere finden es sonderbar, daß der erste Viee- Bürgermeister von Wien in solch demagogischer Weise als Wanderapostel auftritt. Kitrz, der Eindruck, beu Dr. Lueger im Lande hinterlassen hat, ist kein günstiger, und Mancher, der den Wiener „Volksntattn" gehört hat, ging enttäuscht von dannen. Der Nimbus Lueger'S ist hierzulande in Folge seiner Anwesenheit keineswegs gestiegen, und mail darf lvohl annehmen, daß er bei ruhigem Nachdenken feine innere Befriedigung über seine Erfolge in Vorarlberg empsinden wird." Hermannstadt in Siebenbürgen. In hiesiger Stadt wurde letzter Tage ein Mann verhaftet, der sich Pater Paulus Eugen llannte und vorgab, Missionspriestcr zu sein. Als solcher sprach er bei zahlreichen kirchlichen Würdenträgern vor, um von diesen Beitrage, angeblich zu Missionszweckeil, zu erhalten. Der Verhaftete, welcher sogar in der römisch-katholischen Stadtpfarrerkirche das Meßopfer darbrachte, entpuppte sich, wie antisemitische Blätter uleldcu, als ein Warschauer Jude Namens Fischluattn. In seinem Koffer fand mall einen laugen Kaftan, wie ihn die polnischell Juden zu tragen pflegen, und Aufzeichnungen in hebräischer Sprache. Wenn der „Jude" im Stailde war, das Meßopfer darzllbringen, so muß es wohl ein voll der Missioll bekehrter, d. h. getaufter Jude gewesen sein oder auch ein Christ, der hebräisch zu schreiben versteht und einen polnischen Kaftan zu irgend lvelchen Zwecken bei sich hat. Eill politischer Jude versteht nicht die Messe zu lesen. S p a n i e n. Madrid, inl Aug. Wie groß der Judenhaß noch heilte in Spanien ist, davon folgende Probe: Der „Jmparcial", die bei weitenl gelesenste spanische Zeitung, nennt Rothschild den „mächtigell Ritter des Geldes" und meint: Der König will cS — freilich nicht jener „voll Gottes und Berfassuilgs Gnaden" — sondern er, der von feinem Cab inet in der Rue Lafayette als unumschränkter Herr und Gebieter die Geschicke Spaniens lenkt. Also Se. Majestät Herr Rothschild hat deul spailischen Volke durch feinen Bevollmächtigten Herrn Bauer kimd uild wissen gcthan, daß die Bestiiilillllngen über die Pachtverlängcrung der Minen von Alnladen elldgiltig sind, und daß cs der Regirung unmöglich ist, davon zurückzutreten. Zum Schluffe meint das Blatt: „Früher war Spanien die Königill der Welt, heute ist es eine jüdische Colonie." Du armes Land, bist Du trotz aller Erfahrungen von Deinem Rischus noch nicht curat? China. Peking. Anläßlich der Anwesenheit des berühmten chinesischen Staatsmannes Li-hung-chang in Europa wollen wir auch daran erinnern, daß dessen entlegenes Vaterland schon unseren Vorfahren genau bekannt war, denn der Prophet Jesaias (XLIX, 12) sagt, „und diese werden aus dem Norden und dem Westen und diese wieder aus dem Lande Sini (e*rc ntor) zurückkehren." Die Chinesen nennen ihr Vaterland eigentlich Sin, lvelchen Namen dann die Franzosen in „Chine" und die Deutschen wieder in China corrumpirt haben. Wahrscheinlich haben jene Israeliten, welche unter Salomo Gold aus Indien geholt, auch die erste Kunde von der Eriftenz des chinesischen Reiches nach Jerusalem gebracht. China war schon zur Zeit Salomo's ein blühendes und wohlgeordnetes Reich, dcffen Bewohner bis nach Indien, Arabien und Egypten Handel trieben. Möglich, daß der Name „Sini im Genesis X, 17 gleichfalls China bedeutet, und würden die Chinesen demzufolge von Kanaan abstammen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.