Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 68 (24.8.1896)
- Date
- 1896-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1309 tat eng verknüpft, so daß Ems ohne das ^Andere nicht denkbar ist. Es liegt nicht fern hieraus den Schluß zu ziehen, daß das biblische jüdische Bewußtsein ein religiöses und niemals ein nationales ist. Erst dann, wenn das jüdische Bewußtsein über den Rücksichten auf Stand, Beruf und materielles Wohlergehen stehen wird, kann die Saat, welche die jüdische Schillerziehung in die Herzen der Jugend streut, aufgehen, d. h., wenn das Haus die Schule fördert und unterstützt. Der für Ideale empfänglicheren Jllgend muß das reifere Alter mit der Erhöhung des jüdischen Bewußtseins vorangehen. Der Vater muß durch die Heiligung des Sabbats und der Feste, die Mutter dilrch die Weihe des Tisches dem Kinde das ■ojx als Grundlage mitgeben, auf welcher dann die Religiousschule ihre segensreiche Thätigkeit entfalten kann. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. Am Dienstag, 1. September feiert der „Esra"-Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien sein diesjähriges Sommerfest in der Arena von „Kairo." Ein reichhaltiges Programm, großes Concert, Aufführungen, welche ein getreues Bild des orientalischen Lebens, besonders des Wüstenlebens geben, :c. werden dieses Fest würdig den früheren so stark besuchten Wohlthätigkeitssesten dieses Vereins anreihen. Einen besonderen Reiz erhält es noch durch die Lotterie, zu der jeder Besitzer eines Billets ein Loos gratis erhält und dessen Gewinn aus einem Andenken an Jerusalem und das heilige Land besteht, welches in der Ausstellung, jüdischer Dörfer in Palästina gekauft. Diese Ausstellung wird sich jeder Besucher des Festes ja ohnehin ansehen, da die Billets des Esra freien Eintritt in Kairo gewähren. Um eine Ueberfüllung zu verhüten, findet ein Verkauf dieser BRets am Festabend selbst nicht mehr statt; wir rathen daher Jedermann sich rechtzeitig damit zu versehen. Billets sind bei Herrn Moritz Dorn, Louisenstr. 12 und in der Ausstellung Palästina in Kairo pro Stück ü 1 M. zu haben. Berlin. In der Ausstellung der Produkte „jüdischer Dörfer in Palästina" sind außer urehreren anderen Neuheiten auch eine Anzahl Ethrogim eingelaufen, welche nunmehr in allen Preislagen zum Verkauf stehen. Es fiuö ganz außerordentlich schöne Exemplare darunter, welche natürlich schnell herausgekauft werden. Die Ernte in dieser Frucht ist Heuer in Palästina noch nicht bedeutend gewesen, aber die großen Anpflanzungen werden in wenigen Jahren in der Lage sein, fast den ganzen Bedarf in Ethrogim zu decken. In diesem Jahre hat sich das so wohlthätig wirkende Hospital Schaare Zion in Jaffa die ganze Produktion gesichert und findet der Verkauf zu Gunsten dieser Institution statt, welche der Unterstützung aller Wohlmeinender ebenso würdig ist, nne sie ihrer bedarf. Wir zweifeln nicht daran, daß manchem mit dem Hinweis darauf gedient ist, daß er echte Palästina-Ethrogim in diesem Jahre beziehen kann, um so mehr als ja doch die Ethrogim von Kvlfu seit jenen bekannten Judenhetzcn des Jahres 1890 von vielen bedeutenden Rabbinen in den Bann gethan sind. Berlin. (P r älu d i um zur B e r t i n e r r&z Lv Feie r). Die „A. Z. d. I." schreibt: Ani Vorabend des Versöhnungstages herrscht in den Synagogen durch das beständige Zuspätkommen vieler Besucher eine solche Unruhe, daß die Beter in ihrer Andacht sehr unliebsam gestört werden. Im vorigen Jahre dauerte dieses Kommen und Gehen in der Lindenstraßenfynagoge fast bis zum Schluß des Gottesdienstes! Das ist eine Unsitte, der unter allen Umständen gestetlert werden mitß. Wir wissen sehr wohl, daß dies mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden sein wird; gleichwohl dürfen die Gemeindebehörden diese Schwierigkeiten nicht scheuen. Es handelt sich um die wichtigste und feierlichste unserer synagogalen Institutionen, und diese darf nicht durch Lärm oder auch nur durch Unruhe gestört werden. Der Gottesdienst beginnt in der Regel um <> Uhr Abends in allen Synagogen, und dieser Zeittermin wird in allen Zeitungen genau und wiederholt und sehr deutlich angegeben, so daß Jeder, der die Bedeutung und Würde des Versöhnungstages achtet, zu dieser Stunde pünktlich im Gotteshause sein kann utld muß. Es dürfte sich sogar vielleicht empfehlen, um Störungen zu vermeiden, das Radikalmittel einer Schließung der Synagogenthüren unmittelbar nach Beginn des Gottesdienstes zu ergreifen. In jedem Falle aber, welche Maßregeln auch ergriffen werden, verlangt dieser Uebelstand energische Abhilfe, die freilich das Publikum selbst am besten leisten könnte, die aber die Gemeindebehörden nun einmal leisten muffen. (Ja, das liebe Berliner Publikum, das sogar an die „Schul" versäumt, das kann man durch alle Synagogenordnungen nicht mehr anders ziehen!) O e st e r r. U n g a r. Monarchie. Wien, 1 -K August. Dein antisemitischen Gemeinderathe ist in der Sozialdemokratie eine sehr heftige Gegnerin erwachsen. Am Montage haben nicht weniger als zehn sozialdemokratische Versammlungen stattgefunden, die sämmtlich als einzigen Gegenstand der Tagesordnung die Frage behandelten: „Was sagen die Sozialdemokraten zur bisherigen