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Der Israelit · 1896-08-24 · Heft 68 (24.8.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 68 (24.8.1896)
Date
1896-08-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1308 der Zweck erst die Mittel heiligt und jedem Beruf dadurch erst eine gewiffe Weihe zukommt, — und in Israel war die Arbeit stets geheiligt —, daß er dem hohen Zwecke dient. Wenn der Gelehrte unter uns sich bewußt ist, daß er ein jüdischer Gelehrter ist, wenn unsere Beamten, Kaufleute, Handwerker sich bewußt sind, daß sie jüdische Beamte, j üdische Kaufleute, jüdische Handwerker sind, und dies vor allem sind, wird mit diesem erhebenden Bewußtsein auch das Verständniß des Judenthums kommen und mit diesem wieder der Muth und die Kraft in der praktischen Verwirklichung der Religionsvorschriften. Auf die Frage “prx^z: nv Was ist Dein Beruf? möge es gleich dem Propheten, der es uns am heiligsten Tage in: Jahre zuruft, in der Brust eines jeden Juden in berechtigtem Stolze erklingen: '727 •oa» Ich bin zunächst und in des Wortes wahrer Bedeutung von Beruf Jude! Das jüdische Bewußtsein ist gleich der heiligen Thora selbst ein bedeutendes Mittel zur Centralisirung Israels im engen Kreise einer Gemeinde, wie auch in allen Ländern der Diaspora. Es führt zur Geschlosienheit Gesammtisraels und ist die sicherste Wehr gegen die Verwirklichung der Assimilationsbestrebungen. Zu dem Satze -ns ncs ^X7v" pen bemerkt der Midrasch: 7cxtr -n22 x^i ,13173' n: '71 icxtr 7722 x*?i imx 1122 xbx — '>722" na -p' ':sc 7'27' . s12L" 772^ 27 |71 „Nicht wie jenes „Abgesondert," das Moses von Israel aussagte, als er sprach: Der Ewige leitet es abgesondert; nicht wie jenes „Abgesondert," von dem Jeremia klagte: Von Deiner Hand sitze ich einsam abgesondert, sondern wie jenes, das Bileam von Israel sagte: Siehe, ein Volk, abgesondert wohnt es." Wie eigenartig diese Deutung auf den ersten Blick auch aussehen mag, so liegt doch d i e tiefe Wahrheit darin verborgen, das; Israel nur selbst durch sein Volksbewußtsein die Gefahren der Assimilation von sich abwenden könne. Nicht Moses, der wohl die Sonderstellung Israels als einzige Gewähr für das Festhalten an seiner Mission betrachtete, aber glaubte, daß Gott allein dafür sorgen müsse; auch Jeremia nicht, der die Prüfungen Israels durch Gott als Mittel gegen ihre Verschmelzung mit den Völkern, unter denen sie wohnen sollten, ansah, — erkannten die wirklich unfehlbaren Mittel zur Verhütung der Assimilation, obschon Letzterer ihnen näher stand als Moses. Erst Bileam, der 7L'7, an dessen Unsterblichkeit zu glauben, wir uns durch den Antisemitismus genöthitt sehen, wies uns den richtigen Weg, indem er uns auf die Kehrseite des Judenhasses hinwies. Dadurch, daß der Antisemitismus das Bestreben hat, uns immer mehr abzusondern, ist das jüdische Bewußtsein in uns erstarkt, dadurch, daß wir uns zu verinnerlichen gezwungen sind, das gemeinsame Band, das Israel zusammenhält, nur gefestet. — Das ’23x '727, das jüdische Bewußtsein ist ein Selbstbewußtsein, das nicht zu fürchten braucht in ungerechten Stolz überzugehen. Wir haben es erfahren, daß den Juden auf dem Gange durch die Geschichte die zu große Bescheidenheit und nicht genügende Selbstachtung stets mehr geschadet hat als eine etwaige Ueberhebung, so wenig wir auch letztere empfehlen wollen. Es war jederzeit und ist heute auch dafür gesorgt, daß Jsrael's Bescheidenheit nicht verloren geht, auch wenn es stark in der Selbstachtung ist. Ein bedeutender Philosoph unserer Zeit nennt die Juden das klassische Volk der Selbstkritik. Dieser unser Vorzug ist durch einen herben Nachtheil erkauft, unser Selbstlob hat man billig getadelt, aber unfern Selbfttadel hat man unbillig anerkannt. So konnte es kommen, daß selbst der große Göthe, der Repräsentant deutschen Geistes, von uns urtheilt: „Das israelitische Volk hat niemals viel getaugt, wie es ihm seine Anführer, Richter, Vorsteher, Propheten tausendmal vorgeworfen haben." Also d e ß h a l b. Wir wissen wohl, daß dieser Satz im Zusammenhänge nur als Einleitung gilt für den Beweis, daß Israel ewig eristiren wird. Doch immerhin ist es charakteristisch, daß dies das einzige Moment ist, das Göthe aus den Reden der Dolmetscher jüdischen Volksgeistes, herausliest. — Es ist völlig entwürdigend und zeigt von wenig Erkenntniß unseres Werthes, wenn wir uns stets bemühen darauf hinzuweisen, die jüdischen Fehler seien die Striemen, welche die mittelalterlichen Ketten — und für uns währte das Mittelalter säst bis ins 19. Jahrhundert — zurückgelassen haben; nein, wir sollen erhobenen Hauptes, wenn wir ihrer uns würdig erweisen, die ni'-2 für uns in Anspruch nehmen, wir sollen in geschlossener Reihe unsere Superiorität nicht aus falscher und nicht angebrachter Bescheidenheit verhehlen, wenn wir das alte '23X '727, das alte, jüdische Bewußtsein richtig verstehen. Vermöge unserer heiligen Thora, welche die Quintessenz der Cultur für alle Zeit enthält, an deren Aufnahme und Verwirklichung die Jahrtausende arbeiten müssen, sind wir einerseits berechtigt auf unsere Bevorzugung zu deuten, andererseits aber auch verpflichtet durch die gewissenhafte Beachtung der Religionssatzungen stets von Neuem des gerechten Stolzes, der im jüdischen Bewußtsein liegen soll, uns verdient zu machen. xn '3x otw p^x 'n nxi ’23x '727 „Ein Jude bin ich und den Ewigen den Gott des Himmels fürchte ich." Das sind zwei unzertrennliche Faktoren. Das jüdische Bewußtsein ist mit Religiosi-

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