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Der Israelit · 1896-08-24 · Heft 68 (24.8.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 68 (24.8.1896)
Date
1896-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII. Jahrgang. Jß HA Der Israelit^ Ein Uentrak-Wrgan für das orthodoXe Uudenthum. Begründet von Dr. fe^mann in Unin}. Montag, den 24. August 5656(1896). Zur Eine Mneli abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat ® September ® auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Are ErpedMon -es „Israelit". Leitender Artikel. Das jüdische Bewußtsein. Von Moritz Rosenfeld—Berlin. Es ist bereits mehrfach konstatirt worden, daß die religiösen Zustände im Judenthum, dank der unermüdlichen Thätigkeit seiner Wiederbeleber, in Deutschland i) allmählich ihrer Besserung entgegengehen. So getreulich warteten jene Wächter ihres heiligen Amtes im Weinberge des Herrn, daß das Morgenrotü eines echten Neujahrsmorgens aufsteigen mußte, welches die Macht der Irreligiosität und Unwissenheit auf jüdischem Gebiete für immer verscheuchen und verschwinden lassen soll. Die zu diesem Zwecke errichteten Neligionsschulen erfreuen sich einer regen Theilnahme und natürlich ist es, daß der göttliche Segen hierbei nicht ausbleiben kann. Dennoch aber tritt die seltsame Erscheinung zu Tage, daß viele junge Leute trotz einer guten jüdischen Schule, wenn sie ins Leben hinaustreten, nicht die genügende Festigkeit und den Opfermuth besitzen, das in der Schule Gelernte wirklich zu bethätigen. Der Grund hiefür kann nur darin liegen, daß die nöthige Harmonie zwischen Schule und Haus nicht besteht; ja, daß sogar in vielen Fällen das Haus der 1) Dr. Hildesheimer—Berlin, Dr. Lehmann—Mainz, Hirsch - Frankfurt a. M. Schule entgegenarbeitet, indem es durch die Demonstrirung des Gegentheils von dem in der Schule Gelernten die Erfolge der religiösen Erziehung schon im Keime erstickt. Wer einigermaßen einen Einblick in die religiösen Zustände einer Großstadt hat, wird sich hierin mir anschließen. Bestätigt wurde meine Ansicht kürzlich, als der Vater eines Schülers mich bat, darauf zu sehen, daß in dem Knaben Konflikte vermieden meroen, welche durch den Religionsunterricht entstehen und die sogar so weit gehen, daß der Junge sich um die Küche — ob sie rituell sei — zu kümmern anfange! Dieser Fall ist nicht vereinzelt, sondern geradezu typisch. Daß eine große Willenskraft bei diesen Verhältnissen dazu gehört, die Saaten des Religionsunterrichts dennoch festzuhalten und in sich aufgehen zu lasien, ist klar. Und wenn wir uns nun angesichts dieser Erscheinung fragen: 'zb rmn njnn Woraus entspringen uns diese Schäden, die um so verderblicher wirken, weil sie nicht von der unreifen Jugend, sondern von den Männern und Frauen in Israel ausgehen und die Entwicklung der Jugend behindern, so muß es uns scheinen, daß die Ursache zu finden ist in dem mangelnden jüdischen Bewußtsein. Unter den verschiedenen Auffassungen des Berufes nimmt leider die schlechteste am meisten überhand, nämlich die Ansicht, daß der Mensch der Sklave seines Berufes sei, dem Frohndienste zu leisten er da sei. Was Wunder, daß da diejenigen, welche in ihrem Berufe auf gehen zu müffen glauben, in demselben untergehen und ihr edleres Selbst, die Ideale der Religion verlieren? Erst wenn der Beruf aufhören wird Zweck zu sein, sondern als Mittel erkannt werden wird, die irdischen Bedürfnisse zu befriedigen, um desto sorgenloser und sicherer Geistesschätze und Herzensgüter sammeln zu können, wird es dauernd und völlig besser werden können. Wenn überhaupt, so kann es hiervon gesagt werden, daß

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