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Der Israelit · 1896-08-20 · Heft 67 (20.8.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 67 (20.8.1896)
Date
1896-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1277 Braunschweiger Radicalreform sich zu bekennen, indem er deren Beschlüsse in Bezug auf Mischehen nur partiell acceptirte und feierlich erklärte; daß nur in dem Falle, wenn Mtschehewerber sich verpflichten, die aus ihrer zu schließenden Ehe entsprießenden Kinder (oder einen Theil derselben) in der jüdischen Religion zu erziehen, nur dann werde er solchem Bündniss e(ohnenvmundohne;'>V'>-lp) blos seinen geistlichen Segen verleihen." In einer soeben von Stapel gelassenen, aus 9 sage neun wett gedruckten Oktavseiten bestehenden sogenannten „Theologischen (!) Dissertation", geht er schon um ein Bedeutendes weiter, legt die Schüchternheit ab, usurpirt ein Terrain, dem er nicht gewachsen, das ihm ein terra incognita ist, desavouirt sein Memorandum, revozirr auf hohes Verlangen seiner „gläubigen" Gemeinde das früher feierlich gestellte Bedingniß, sucht dem unwissenden und leichtgläubigen Pöbel durch einige aus den Schriften Holdheims, Szterönhis rc. entlehnte talmudtsche Schlagwörter und Floskeln Sand in die Augen zu streuen, und gelangt nach einigen Tiraden, einer versteckten Meßirah, verbrämt mit einem Excer pt aus einer wohlgemeinten Predigt Jelltnek's und einigen falsch verstandenen Cttaten aus Talmud, Nambam k. zu der Deduction, daß die Mischehen zwischen Juden und Christen eigentlich gar nicht religiös verboten seien.- Gleich andern ansteckenden Uebeln, läßt auch die Arader Influenza mit keiner chinesischen Mauer sich umgeben, diese unsaubere Krankheit nimmt nicht geahnte Dimensionen an und hat schon manche Gemeinde mit Zwietracht inficirt. — Es kann nicht nützen vor dieser traurigen und beschämenden Wahrnehmung die Augen zu verschließen; und auch nicht, wenn wir sagen, wie einst Plato von Dionysias sagte: „Wir haben keine Zeit an ihn zu denken", darum konnte ich der Persuasion bewährter Freunde nicht länger widerstehen, und so betrete ich denn, nach längerer Pause, wieder einmal die öffentliche Welikanzel (Presse genannt), um mit meiner schwachen Feder das A b s u r d e, Unsinnige und T h ö r i ch t e dieser noch nicht dagewesenen „Segnerei" zu enthüllen, und darzuthun daß diese auch nach den Gesetzen der Logik schlechterdings sich nicht rechtfertigen läßt. -xp!?b:i my bsm sagt Jesajas, so will ich denn vorerst klarlegen, wie schwankend und haltlos die Stützpfeiler des Herrn Benedetto da Sant' Aradio sind, nachher werde ich tdh die Argumentation seiner Segen-Manie einer Analyse unterziehen und die Hinfälligkeit derselben wird sich dann von selbst ergeben. Gleichzeitig will ich die Entwickelungsphasen der im Laufe dieses Jahrhunderts inaugurirten jüd. Ref. im Lichte der historischen Wahrheit darstellen, einige Apostel und Fahnenträger derselben Revüe passieren lassen, deren Charakterbilder niedriger hängen, und die Tendenzen und Triebfedern derselben sine ira et studio kennzeichnen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfponderrzen. Deutschland. Köln, 14. August. Ein halbes Jahrhundert im Dienste der Jugenderziehung zu wirken, ist von der Vorsehung nur wenig Auserwählten vergönnt und gar erst bei jüdischen Beamten in mittleren und kleineren Gemeinden gehören solche Fälle zu den größten Seltenheiten. Unter den mehr als 300 jüdischen Lehrern in Rheinland und Westfalen sind kaum 6. bekannt, die diesen hohen Ehrentag erlebt haben. Einzig aber dürfte der Fall in den Annalen der jüdischen Beamienwelt dastehen, daß drei derselben an ein und demselben Tage auf ein halbes Jahrhundert segensreicher Wirksamkeit zurückblicken können. Die Herren Spier-Bocholt, Goldstein-Grevenbroich und Eckstein,-Elsdorf haben, wie das „Jsr. Gemeindebl." meldet, am 6. und 7. August des Jahres 1846 ihre Lehrerprüfung in Münster bestanden. Am 50jährigen Gedenktage wollten die drei Jubilare in Oberhausen sich zusammenfinden, um einige Stunden in stillen gemüthlichcn Erinnerungen zu leben. Nicht wenig überrascht waren sie jedoch, als sie bei ihrer Ankunft von dem ganzen Vorstande des Lehrervereins von Westfalen und Rheinland empfangen wurden. Von dein stillen Zusammentreffen konnte nun nicht mehr die Rede sein. Herr Lehrer Block führte die Festgenossen zu dem gemeinschaftlichen Mahle, welches seine junge Frau geschmackvoll und gut hergerichtet hatte. Während desselben überreichte der Vorsitzende mit einer herzlichen Ansprache jedem der Gefeierten ein sinniges Gedenkblatt, ein Meisterstück der Kalligraphie. Bei Reden ernsten und heiteren Inhalts flössen die Stunden nur zu schnell dahin und der nahende Abend gemahnte zur Heiknkehr. Möge der Lebensabend dieser in schwerer Arbeit ergrauten Jugenderzieher ein glücklicher zu sein, das Bewußtsein treuer Pflichterfüllung und die Anhänglichkeit vieler dankbarer Schüler muß ihnen der schönste Lohn bleiben. Die kleine Filialgemeinde Elsdorf wollre im engeren Kreise am vorigen Sabbat ihren alten Lehrer Eckstein zu seinem vor 50 Jahren abgelegten Lehrereramen als Jubilar ehren. Die Synagoge war in sinniger Weise geschmückt, nur fehlte ein Redner, der die seltene Feier etwas beleuchtet hätte. Der Jubilar zu ergriffen, eine längere Ansprache zu halten, redete kurz über 5. B. M. 8, 2: „Gedenke des gan-

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