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Der Israelit · 1896-08-20 · Heft 67 (20.8.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 67 (20.8.1896)
Date
1896-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1276 anfangs als religionsgesetzlich unstatthaft bezeichnte, und welchen auch er den „rituellen Beistand" (vorläufig noch) versagt, — in den geweihten Hallen des Araber Tempels unter schmetterndem Chorgesang und brausendem Orgelklang, ohne rivm und ohne in salbungsvoller Predigt den „Segen" zu ertheilen. Offen gestanden, ich habe es für unglaublich gehalten, daß ein als „Rabbiner" sich gerirendes Individuum die Stirne haben könnte, mit den vitalsten Interessen der Religion solch' frivolen Spott zu treiben. Für undenkbar, daß ein mit dem Doktor- Titel flunkernder Mensch, in solch' unqualisicirbarer Weise die Logik auf den Kopf stelle, und so unsterblich lächerlich sich mache. Für unmöglich, daß ein Mensch mit grauem Haupte, aus purer kindischer, in krankhaftem Haschen nach Popularität sich manifestirender Eitelkeit, solch' empörende Absurditäten brüte. Für unglaublich, undenkbar und unmöglich, daß eine „aufgeklärt" sein wollende Radicalreform gemeinde solch horrender Blamage sich aussetzen könnte, ihrem „Führer" derlei Narrenpossen gemüthlich zu gestatten. Narrenposse ist wohl kein Schmeichelwort und ein mehr robuster als parlamentarischer Ausdruck, aber noch viel zu milde für diese klassische Aradet, und ich gestehe, daß ich momentan die richtige Bezeichnung für diese famose „Segnerei" gar nicht finde. — Schauen wir doch nur der Sache auf den Grund: Mit Luther kokettiren, mit Holdheim liebäugeln, mit dem Renegaten LvMdi unter einer Decke spielen, und dabet mit dem biblisch-rabbinischen Judenthume es nicht offen verderben wollen, hierin kulminirt die Tendenz dieser Komödie, und da sage mir jemand den technischen Ausdruck für solch baroken NonsenS! — Doch halt, ich bab' ihn schon! ytoatta' vqd nr i n ('i p-injo p"a) sagen unsere Weisen: „das ist kein „Segnen", sondern „Blasphemie!" — Ja, das fft schon bezeichnender für diese Spiegelfechterei. — Und als vor Monaten bewährte Freunde mich ersuchten, daß ich die mit ungewässertem roj'v saturirte Vcrkapptheit entlarve, da hielt ich es nicht für gerathen. dieser Blasphemie eine Wichtigkeit beizulegen. Ob's in Arad eine mehr oder eine weniger gibt, daraus kommt's wahrlich nicht mehr an, und über das Weichbild Arad's hinaus, dachte ich, wird dieser Giftstoff ohnehin nicht dringen, und so antwortete ich kurz: Der Unsinn ist zu groß, als daß er einer Widerlegung bedürfte; an zahlreichen Belegen aus Bibel, Talmud und später» Religionsschriften würde es nicht fehlen, doch ich vertraue dem gesunden Sinne und der Urteilsfähigkeit der ungarischen Judenheit, und glaube, es sei ganz unnöthig, mit diesem Phantom einen Kampf aufzunehmen; ein Messer ohne Heft, dem die Klinge fehlt, wie solches hier der Held von Arad aus dem Nichts seines Geistes konftruirte. kann doch keinen Schaden anrtchten, darum rrrDJDi x”r6 mpaw (Tb natp). Mittlerweile haben ung. jüd. Notabilitäten *) lobenswerthen Eifer entfaltet, um diese Rabulisterei im Keime zu ersticken; bauten dem auf der Hochwarte Arads stehenden geistlichen Herrn eine goldene Brücke, mit der Einladung zum Rückzuge in Ehren. Doch es war vergeblich. — Der schlaue Herr Gernegroß Weiß es wohl, daß für ihn, zur Befriedigung seines persönlichen Ehrgeizes und seiner eitlen Ruhmsucht, kein anderes und bequemeres Terrain vorhanden, als auf dem Ambos breitgetretener Charlatanarie in gewissen Kreisen einen populären Namen sich zu schmieden. — Das Betreten der von Freundeshänden aufgeschlagenen Brücke hätte der ungestillten Ambition, der lang und bang gehegten Illusion ein allzu jähes Ende bereitet; — der Schimmer einer Seifenblase, das Leben einer Eintagsfliege, ach, das wäre gar zu schmählich! — Nein, da hätte es sich nicht verlohnt, das Warmbeet des Nichtsthuns zu verlassen. Das einmal erstiegene Roß muß weiter geritten werden, die Theorie zur praktischen Ausführung gelangen, in der Trauungsmatrikel der Araber Gemeinde sollen unverwischbare Spuren des heroischen Gedankens zurttckbleiben. — Wie auf Kommandoruf l! 2! 3! kamen in kurzen Intervallen 1—3 Mischehepaare zum Herrn Pater und sprachen: *]b nti nnx roian ’js dj »»na und in den Annalen der Araber „Geschichte" ist's mit ehernem Griffel verzeichnet, daß durch die sreundl. Intervention des dortigen erw. Raw ai anp-Mischehe Pastors bereits drei Pärchen den „Segen" erhielten. — Ja, es ist nur um den Anfang zu thun, das Weitere kommt dann schon von selbst (Prov. 26, 11) und unsere Weisen bemerken nvay Dwiajra yo (v'd NM') “invD nry: ... na hjbm wie erst, wenn rutp, da kann die Gesinnungsmetamorphose gewiß nicht ausbleiben, und sie ist auch hier nicht ausgeblieben. Der charmante Herr Alex. R o s e nb e r g, seines Zeichens Rabb. zu Arad, hat vorerst in einem Memorandum schüchtern die Fühlhörner ausgestreckt, und bescheiden mit der Autorität des Pariser Synhedrion und(sie!) der Braunschweiger Synode sich zu decken gesucht, ohne jedoch zur *) Landtags-Abgeordn. und Universit.-Docent Dr. Armin, Neumann und Dr. jur. Alex. v. Ullmann.

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