Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 67 (20.8.1896)
- Date
- 1896-08-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1278 zen Weges, den Gott der Allmächtige dich in der Wüste geführt." Das Leben sei auch der Gang durch die Wüste mit vielen Widerwärtigkeiten, doch fehle es auch nicht an Oasen u. s. w. Die Gemeinde begleitete den Jubilar — eine Musikkapelle an der Spitze — nach seinem Hause, voran die Schuljugend, dann folgten die Männer und Frauen. Die Tochter des Herrn Vorstehers überreichte mit einem sinnigen Spruche den goldenen Ehrenkranz, dann wurde dem Jubilar ein kostbarer Pokal mit Widinung übergeben. Der Jubilar wurde auch durch Glückwünsche von den Bürgern Elsdorfs geehrt, viele telegraphische Depeschen gingen ihm zu. Besonders freute ihn eine solche von der Verwaltung der israel. Gemeinde Euskirchen, die seine segensreiche Wirksamkeit in Euskirchen in den Jahren 1849—1853 anerkannte. Lobend muß anerkannt werden, daß in erster Reihe Herrn Vorsteher Martin Simon in Berrendorf das wohlgelungene Fest zu danken ist, das die ganze jüdische Gemeinde selbst ehrt. A. Halle, 16. Aug. Bei einem vorübergehenden Aufenthalt in hiesiger Stadt machte ich die erfreuliche Wahrnehmung, daß trotz des hier herrschenden religiösen Jndifferentismus in der ca. 200 jüdische Familien zählenden Gemeinde das gesetzestreue Judenthum doch noch Männer aufzuweisen hat, auf die es mit befriedigender Genuthuung blicken darf. Vor einigen Jahren wurde von einem kleinen Häufleitt gesinnungstüchtiger Märmer eine orthodoxe Vereinigung gebildet, an deren Spitze die Herren D. H. Appelt und Sohn, Inhaber der bekannten Banksirma gleichen Namens, stehen, und die mit ungewöhnlicher Opferwilligkeit für die heilige Sache eintreten. Besondere Anerkennung verdienen diese Herren für die vor ca. VU Jahr erfolgte Berufung des Herrn Israel Braun, der tiefes talmudisches Wissen mit den äußeren Eigenschaften seines Berufes verbindet und es versteht, für die npnpn rrrr, das nöthige Verftändniß zu erweckeit und die Herzen zu erwärmen. So ist es ihm während feiner kurzen Amtsdauer bereits gelungen die Gründung einer n>prr und die Verbesterung religiöser Institutionen zu bewirken, sowie durch Abhaltung von allfabbatlichen Vorträgen das Interesse seiner Hörer dauernd zu fesseln. Der täglich im Appeltschen Hause ftattstndende Gottesdienst giebt Zengniß, daß die junge Vereinigung den richtigen Boden für die religiösen Betrachtungen des Herrn Braun bildet, und man kann den Herren Appelt die allgemeine Anerkennung nicht versagen, daß sie es verstanden haben in Rabbiner Braun, der allerdings als Schüler des berühmten Rabbi Schreiber in Preßburg die Jeschiwah absolvirte, und nx-rn nnnr? von ihm sowie von andern ersten Autoritäten besitzt, den richtigen Mann an die richtige Stelle gesetzt zu haben. Es ist deshalb im Interesse des orthodoxen Judenthums aufrichtig zu wünschen, daß Rabbiner Braun, der zwar auch einen größeren Wirkungskreis in jeder Beziehung durch seine allseitige Qualification befriedigen könnte, in seiner jungen Gemeinde noch lange segensreich wirken möge. O e st e r r. U ngar. Monarchie. (m) Allofen, 11. August. Der Tempel der ältesten jüdischen Gemeinde Ungarns, Altofen, war heute der Schauplatz einer erhebenden Feier. Daselbst fand die Installation des neuerwählten Rabbiners Elias Adler statt, welcher aus Kun- Felegyhüza nach Altofen berufen wurde. Die schöne Feier nahm folgenden Verlauf: Um halb 4 Uhr Nachmittags wurde der neue Rabbiner von einer Deputation vom „Hotel London" abgeholt, wo ihn Dr. Rakonics begrüßte. Gefolgt von einer langen Wagenreihe fuhr der Rabbiner nach Allofen zur Stätte seines neuen Wirkens. Im Tempclhofe empfing ihn die daselbst angesammelte Menge mit stürmischen Eljenrufen. Nachdem der Präsident der isr. Gemeinde, Fabriksdirektor Samuel Ehrlich, an den Rabbi eine herzliche Begrüßungsansprache gerichtet hatte, wurde dieser in den Tempel geleitet. Nach einem vom Tempelchor unter Leitung des Oberkantors L. Blumenkranz intonierten Choral übergab in altherkömmlicher Weise Rabbinatsstellvertreter P. Oesterrcicher dem neuen Rabbiner die Kanzel, worauf Rabbiner Adler vor dem dichtgedrängten andächtigen Auditorium eine schwungvolle Antrittsrede hielt. Der Rabbiner hob in seiner von patriotischem Geiste getragenen Rede hervor, daß er hauptsächlich auf die Pflege der Liebe zu König und Vaterland, auf die Erhaltung des Friedens und der Toleranz bedacht sein werde. Mit einenl Gebete für den König, für die Nation, die Hauptstadt und die Gemeinde schloß der Rabbi seine wirkungsvolle Rede. 'Nach dem Gottesdienste fand in der Wohnung des Rabbiners der Empfang der einjcCrten Deputationen statt. Unter anderen erschienen: Die Bezirksvorstehung des 111. Bezirkes, der Bürgerklub des 11. Bezirkes, Deputationen der isr. Gemeinden von Pest, Ofen, Neupest, Kun-Fßlegyhüza, Paks w., die Rabbiner Dr. Kayserling, Dr. Goldberger unb Dr. Venezianer, eine Deputation der Altofner reformirten Gemeinde unter Führung ihres Seelsorgers Varga, eine Deputation der Schiffswerfte, mehrerer anderer Fabriken und zahlreicher Vereine. Abends um halb 8 Uhr fand im Gasthofe „Zur Krone" ein Bankett zu 200 Gedecken statt, das einen sehr animirten Verlauf nahm. In Altofen fungirte bekanntlich früher Rabbiner Hirsch der jetzt rmn nta in Hamburg ist.