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Der Israelit · 1896-08-17 · Heft 66 (17.8.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 66 (17.8.1896)
Date
1896-08-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1261 Mäß Bfstinlmung Alexanders III. die Kaiserin-Wittwe noch fünf Jahre lang alle Regierungsgeschäfte im Sinne ihres verstorbenen Gemahls zu führen habe und dann erst der junge Kaiser seine Dispositionsfähigkeit erhalte. Danach sei für unsere Brüder in Rußland die Hoffnung auf Besserung ihrer Lage auf längere Zeit hinausgerückt. Hoffen wir, daß dieses Gerücht sich nicht bestätigt. Weilbrrrg «*♦ L. (Unlieb verspätet) Aus dem Berichte des hiesigen Wohlthätigkeitsvereins,: Vermögen März 1895 M. 3897. Ein Knabe wurde durch Vermittelung des Vereines in das deutsch-isr. Kinderheim in Diez ausgenommen. Die Gemeinde zahlt dafür 50, der Verein 100 Mark im Jahre. Ehrenmitglieder 2, zahlende Mitglieder 26. Frauenverein Mitglieder 42. Ein Waisenmädchen wurde vom Verein ausgestattet und fand kostenlos Aufnahme im deutsch-isr. Reichswaisenhaus in Limburg, das gerade deswegen, weil es Waisenmädchen unentgeltlich aufnimmt, größere Beachtung und wirksamere Förderung, namentlich von Seiten der Frauenvereine verdiente. Armenverein. 282 Arme erhielten im Jahre 1895 731.55 Mark. Dagegen scheint der Synagogengesangverein seiner Auflösung entgegenzugehen: der Chorgesang ist wegen Mangel an Betheiligung eingestellt worden. Die ausscheidenden Mitglieder der städtischen Kollegien, Herr Rud. Herz (Magistrat) und Herr R. Reifenberg, Vorsteher der Kultusgemeinde, (Stadtverordnetenversammlung) sind mit großer Majorität wiedergewählt worden. An den höheren Schulen wird bis jetzt kein jüdischer Religionsunterricht ertheilt: an Gymnasium und höherer Töchterschule nicht, weil die Schülerzahl zu gering, an der landwirthschaftlichen (Real-) Schule, weil dort der Religionsunterricht überhaupt fakultativ ist. Indessen sind Unterhandlungen über Einführung des Religionsunterrichtes in der Töchter- und Realschule im Gange. Rückeroth (Unter-Westerwald, Post Selters), 6. August. Von Herrn Karl Kübler, evang. Pfarrer, erhalten wir folgende Zuschrift: Seit meiner letzten Quittung sind für den armen israelitischen Schuhmacher, zu Gunsten seines Hausbaues nur 3 Beträge eingegangen, deren Empfang ich hierdurch herzlichst dankend bescheinige.*) Zur Nachricht diene Folgendes: Alle bis jetzt eingegangenen Gelder sind verbraucht. Es fehlen aber immerhin noch ungefähr 500 Mk. zum Bau des Häuschens (ganz abgesehen von der inneren Einrichtung) die auszubringen, dem armen Manne gänzlich unmöglich ist. Die Handwerker wollen bezahlt sein, die Lieferanten drängen. Der arme Mann weiß keinen Ausweg. Schulden zu den schon bestehenden hinzuzumachen, geht nicht an. Ich *) Es sind dies: von der Expedition der jüd. Presse- Berlin 5 M.; von S. W.-Adelstein 3 M.; gesammelt von Max Salamon-Perleberg 36.80 M. richte darum an die geehrten Leser und Leserinnen die dringende Bitte, uns doch noch einmal zu helfen. Fast in jeder Stadt bestehen doch Unterstützungsvereine, gerade sie müßten hier eingreifen. Auch ließe sich doch leicht in Bekannten- und Verwandtenkreisen eine Sammlung veranstalten, Welch' schöner Ruhm ist's, einem armen ehrlichen Manne und seiner braven Familie zu einer menschenwürdigen Wohnung verholfen zu haben. Ich möchte mir daher erlauben, nochmals im Interesse des armen Schuhmachers die Mildthätigkeit der Leser anzurusen. Es würde mir selbst zur großen Befriedigung gereichen, wenn ich das einmal begonnene Werk auch zu einem guten Ende führen könnte. Hoffentlich hat diese meine Bitte nochmals Erfolg. Aus der Provinz Sachsen. Die sozialistische „Magd. Volksst." ist in der Lage, einen Brief zu veröffentlichen, der die Misere im antisemitischen Lager hell und grell beleuchtet. Das Aktenstück lautet: Aschersleben, den 30. Juli. 1896. Streng vertraulich! Geehrter Parteigenosse! Um Vereinssachen von höchster Wichtigkeit zu regeln, werden Sie hiermit zu einer vertraulichen Zusammenkunft Sonnabend, den 1. August 1896, Abend punkt 9 Uhr, im Lokale Cafe Lehmann höflichst eingeladen. — Im Falle diese Versammlung den Beweis erbringen sollte, daß der größte Theil der Mitglieder theilnahmlos den Bestrebungen des Vereins gegenübersteht, werden Schritte zur Auflösung desselben gethan werden, und erhalten Sie dann seiner Zeit diejenige Summe aufgegeben, die Sie zur Tilgung der unter der früheren Vereinsleitung gemachten Schulden beitragen müssen. Mit deutschem Gruße! Deutsch-soziale Reformpartei des Wahlkreises Ealbe- Aschersleben. I. A.: Wünsche!, 1. Schriftführer. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. (Das „Lueger-Vaterunser" und der „Lueger-Glauben.") Im Amtsblatte der Wiener Zeitung wird folgendes Erkenntniß veröffentlicht: „Im Namen Sr. Majestät des Kaisers! Das k. k. Landesals Preßgericht Wien hat auf Antrag der k. k. Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt des Druckwerkes (Flugblatt), enthaltend das sogenannte „Lueger-Vaterunser", beginnend mit „Vater unser Lueger", endigend mit „Judengesindel", und den sogenannten „Lueger-Glauben", beginnend mit „Ich glaube an Dr. Lueger", endigend mit „ewiges Leben Amen" (ohne Angabe eines Druckortes, Druckers und Verlegers) das Vergehen nach §. 303 St. G. (Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religions-Genossenschaft) begründe, und es wird nach §. 493 St. P. O. das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen, die von der k. k. Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme nach §. 489 St. P. O. bestätigt und nach §. 37 Pr. G. auf die

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