Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 66 (17.8.1896)
- Date
- 1896-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1262 Vernichtung der saisirten Exemplare erkannt. Wien, am 3. August 1896." Wien. Wir entnehmen der „Deutsch-Oesterreichischen Lehrerzeitung" Nr. 15 Folgendes: „Dieser Tage wurden in Wien 246 Unterlehrer- und Lehrerftellen — endlich! — definitiv besetzt. Eine schwere Geburt. Unter den Ernannten ist kein Jude und keine Jüdin. Da die Zahl der in Wien wohnenden Juden rund 120.000 oder den zwölften Theil der Gesammtbevölkerung beträgt, so hätten, bei gleichem Recht für Alle etwa 20 jüdische Namen berücksichtigt werden müssen. Nun keine — H — es ist eine große Ungerechtigkeit. Wie scharf man es auf die Inden hatte, geht daraus hervor, daß bei einem Bewerber, der einen etwas jüdisch klingenden Namen hatte, nachgeforscht wurde, ob er doch nicht etwa gar getauft sei oder einen getauften Vater habe. Beim nächsten Concurs sollte eigentlich eine Leibesuntersuchung aller männlichen Bewerber angeordnet werden, denn es könnte ein heimlicher Beschnittener unter ihnen sein. (i) Budapest, 9. August, nriDtp;i rtonr? tffl Ns tt. Der heutige Tag war für die jüdisch-orthodoxe Gemeinde in dem nahen Vororte Neupest ein Tag der Wonne und der Freude. Mit der göttlichen Hilfe ist es derselben nämlich gelungen, ihre im Knöpfler'schen Hause neuerbaute Synagoge fertig zu stellen und sie heute auch einweihen zu können. Die Freude der @0111^1^0 war um so größer, als sich ein fc-» Rabbi Ji Sroel Braun aus Mihalyi her beigelassen hatte, die Einweihungsrede zu halten. Unter Musikbegleitung und Gesang wurden die Gesetzesrollen unter Baldachinen vom alten nach dem neuen Gottcshause übertragen, in dein dann auch genannter Rabbiner das -pari (ewige Licht) anzündete. Hierauf hielt er eine formvollendete Darascha, die, trotzdem sie einige Stunden andauerte, ihre Zuhörer doch nicht ermüdete. Abends fand ein gemeinsames Bankett, eine wahre bv rrnpo, mxo, statt, bei der es weder an guten Weinen noch an rrr.n mangelte. Erst in später Stunde wurde die Tafel aufgehoben. (1?.) Serajewo, 4. August. Heute hat hier die Generalversammlung der hiesigen österreichischungarischen Gemeinde stattgefunden, die den Zweck hatte, einen Rabbiner zu wählen. Die Stelle wurde dem Dr. Samuel Funk auf drei Jahre übertragen. Herr Funk wird ivmit der erste deutsche Rabbiner sein, der in Bosnien-Herzegowina fungirt. Voraussichtlich wird derselbe mit dem hiesigen Chacham-Baschi der sephardischen Gemeinde die besten Beziehungen unterhalten. Als zweiter Punkt stand auf der heutigen Tagesordnung der Bau einer Synagoge, und es wurde beschlossen, den von Profefior Krimche entworfenen Bauplan ohne Modificationen anzunehmen. Mit dem Bau soll sogleich, nachdem die behördliche Bewilligung dazu herabgelangt sein wird, begonnen werden. England. London. Das Hinscheiden des Herrn Sally Lewiso hn-Hamburg und seiner Gattin, die ihm so bald folgte, hat hier einen überaus schmerzlichen Eindruck hervorgerufen, nicht nur weil dieselben hier viele Freunde hatten, mit der Familie des Chief Rabbi verwandt gewesen, und von dein früheren Raw s. A>, sowie von dessen Sohne stets in hoher Achtung gehalten wurden, sondern weil der Verlust eines solchen, echt jüdischett Hauses in der zweiten Metropole und hervorragendsten jüdischen Kehilloh Deutschlands, fast unersetzlich scheint. Herr Sally Lewisohn erfreute sich der größten Sympathie aller orthodox-jüdischen Kreise nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, England, Nordamerika, Rußland und überall, wo Juden leben, besonders auch im heiligen Lande, dessen Bewohner von seiner bekannten Wohlthätigkeit häufig bedacht wurden. Er nahm lebhaften Antheil an der Förderung jüdischer Interessen in allen Ländern. Wenn er auch dem orthodoxen Rabbinerseminar in Berlin seine besondere Aufmerksamkeit widmete, so unterließ er es deßhalb doch nicht, überall wo Jeschiwaus gegründet wurden, helfend einzugreifen. Sein Hauptinteresse aber zeigte er seiner Kehilloh Hamburg, und seine Opferfreudigkeit kam auch hier besonders dem Unterrichte der Jugend zu Gute. Sein Haus, in welchenl er regelmäßig Gemoroh lernte, eine Privatsynagoge unterhielt und die Talmudgelehrten Hamburgs sowohl, als auch die auswärtigen Talmide Chachomim, welche Hamburg aufsuchten, wie seine lieben Hausgenossen aufnahm und bewirthete, wird von Hamburgern, sowie Fremden, ewig in dankbarer Erinnerung erwähnt werden. Seine Gattin, Frau Hannchen Lewisohn, geb. Schloß, die einer altjüdischen Frankfurter „Jichußfamilie" entstammte, harmonirte ganz und gar mit seinen Ansichten und Handlungen. Ein solches Haus, das von den Besten und Vornehmsten aller Länder aufgesucht wurde und das gleichzeitig den armen Glaubensgenossen, namentlich den Thorakundigen gleich gastfreundlich offen war, muß als leuchtendes Beispiel für die Nachwelt unvergeßlich bleiben. London. Der „Daily Chronicle" bringt in einer seiner jüngsten Nummern folgende Notiz: Es ist sehr wahrscheinlich, daß Baron Ferdinand Rothschild den Transvaal Volksraad dahin beeinflußt hat, den Verkauf von Branntwein an die Schwarzen zu verbieten. Als nämlich Baron Rothschild im vorigen Jahre von seiner Reise aus Südafrika zurückkehrte, äußerte er sich an maßgebender Stelle mit großer Mißbilligung darüber, daß, während in Kimbcrley