Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 66 (17.8.1896)
- Date
- 1896-08-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448670--42323-2491322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1260 den beugten sich der Gewalt seiner Beredtsamkeit. Alles dieses ist bekannt. Weniger bekannt, auch weniger allgemein geschätzt, doch umsomehr hervorzuheben ist, was dieser wahrhaft des Rabbinertitels würdige Mann für die Verbreitung der Thorakenntniß innerhalb seiner Gemeinde leistete. Er begnügte sich nicht mit der Bereitwilligkeit und Begeisterung für unser heiliges Gesetz, er wollte, daß möglichst ein Jeder miste, wie jedes einzelne Gesetz auszuführen sei. Einem Jeden wollte er mit dem Verständniß der Thora die beste Waffe gegen alle Gefahren der Zeit in die Hand geben. In jedem Hause sollte die lebendige Quelle sprudeln, aus der stets frische Begeisterung und Opferfreudigkeil für den Dienst Gottes zu schöpfen sei. Durch zahlreiche Schiurim und Vorträge, durch unablässiges Ermahnen, bei Gesetzeslehrern Unterricht und Aufklärung zu suchen, strebte er dieses Ziel an. Die Krone dieser Bemühungen ist die Gründung der Jeschiba. Hier vor Allem erscheint uns Dr. Breuer als Nachfolger und Fortsetzer Rabbiner Hirsch's. Durch Wort und Schrift hat Rabbiner Hirsch Liebe zur Thora und Ehrfurcht für ihre Lehrer zu erwecken gewußt. Er erreichte das große Ziel, daß viele durch Bildung und soziale Stellung hervorragende Männer den Trägern der Thora und ihren Anordnungen Ehrfurcht und unbedingten Gehorsam bewiesen. Diese Männer wirkten mit ihrem Meister so für die Thora, als wären sie selbst ausgezeichnete Gesetzeslehrer, obgleich viele von ihnen nicht vermochten, sich in die Tiefe des Gotteswortes zu versenken. Herrlich erfüllte sich hier das Talmudwort: x'n pana ^rrn n'b'z p'arwa mn ’an na :sb ’xi pana xan-tt nn n'Lv pana icnse» „Wer Ehrfurcht vor den Gesetzeslehrern hat, wird selbst ein ausgezeichneter Gesetzeslehrer; wenn er jedoch nicht dazu geeignet ist, werden seine Worte so angehört, als sei er ein ausgezeichneter Gesetzeslehrer." So weit war vorgearbeitet, als Dr. Breuer nach Frankfurt kam und er glaubte den Kindern der Mitstreiter seines großen Schwiegervaters nichts Besseres geben zu können, als sie in den Stand zu setzen, selbst '2n na, tüchtige Gelehrte und Lehrer unseres heiligen Gesetzes zu werden. Nicht alle Seiten der fruchtbringenden Thätigkeit des Frankfurter Rabbinen dürfen wir aufzählen. Man soll nur'na^ nxpa, einen Theil des Lobes, in Gegenwart eines Menschen sagen. Was in Zeitschriften niedergelegt ist, wird in Gegenwart aller Zeitgenossen ausgesprochen. Eine Fortsetzung unserer Schilderung, wäre fortgesetztes Lob. Genug, Dr. Breuer kann sich rühmen, daß er seine Gemeinde in demselben herrlichen Stande verläßt, in welchem diese ihn empfangen hat. Und das will sehr viel sagen in einer Gemeinde, die vor ihm einen Rabbiner Hirsch zum Leiter hatte. Mit einer Thräne im Auge reichen wir dem theuren Manne die Hand zum Abschied; doch neben der Wehmuth leuchte ihm unser Dank entgegen für das, was er gethan, und Bewunderung für das, was er sich jetzt vorgenommen. Möge des Himmels Segen ihn geleiten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 10. August. Von verschiedenen Badeplätzen in unserer Umgebung wird uns in der jüngsten Zeit die Mittheilung, daß man sich in den dortigen jüdischen Restaurants beim Bezug von geschlachtetem Geflügel grobe Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen laste. Von allen möglichen Händlern und allen möglichen Gegenden wird na>a gesiegeltes Geflügel genommen, ohne daß man frügt, welcher Schochet dastelbe geschlachtet und ob der etwa autorisirende Rabbiner selbst auf Vertrauen in religiösen Dingen Anspruch machen kann. Um die gewissenhaften Kurgäste einzulullen, wird erst von Zeit zu Zeit eine Parthie Geflügel mit dem Siegel eines bekannten tüchtigen Schochet bezogen, dies möglichst ausposaunt, um dann, dadurch gedeckt, alles Mögliche einzuschmuggeln. Auch einer anderen ebenso bedrohlichen Manipulation begegnet man. In irgend einer Stadt ist eine zuverlässige Schechita, daneben gibt es aber auch noch andere Leute, die zwar nicht tüchtig sind, aber sich doch zu Schechita drängen. Den Kurgästen wird nun gesagt, das Geflügel ist von der Stadt N. N. bezogen. Mit dem Namen des Bezugsorts beruhigen sich dieselben und erhalten Speisen, die gar oft alles Andere eher als ntw sind. Wir halten uns verpflichtet, bei dieser Gelegenheit mitzutheilen, daß Mainzer Geflügel nur dann von der Schechita der israelitischen Religionsgesellschaft stammt, wenn es Siegel und Geleitzettel des Schochet Josef F r i e d l a n d führt. :trxna m can. Mainz, 14. August. Rußland ist das Land der Widersprüche. Während wir in den jüngsten Nummern öfters von dem Umschwünge, der sich unter Nikolaus II. zu Gunsten der Juden vollzogen, berichten konnten, schreibt uns nun unser „Argus-Correspondent"*), daß dies leider noch nicht der Fall sei. Von einer dritten Seite erfahren ivir, daß ge- *) Berg! in voriger Nr. Artikel „Von den Ufern der Newa."