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Der Israelit · 1896-08-13 · Heft 65 (13.8.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 65 (13.8.1896)
Date
1896-08-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1242 vrv:• „Nur bitte ich Sie, nicht so wie vorhin; just etwas lustiger müssen Sie spielen; das lieben die Gäste am meisten." „Einen guftigeu —? gut. Ich will mir Mühe geben, etwas Lustiges, Fröhliches zu spielen." Er besann sich ein wenig, griff mit dem Gedächiniß in die Vergangenheit. Einen Lustigen wollen sie . . . Wann war er denn lustig gewesen? O, es war schon lauge, sehr lange her . . . richtig, das letzte Mal war es am Sabbat nach der Hochzeit seiner Tochter. Just in jener fürchterlichen Schreckensnacht ... Er erinnert sich noch ganz gut. Die Braut trug ein seidenes, aschgraues Kleid. Die geladenen Gäste waren fori gegangen, nur die engeren Angehörigen und die Gespielinnen der Braut waren zurückgeblieben, um von ihr Abschied zu nehmen. Die bestellten Musikanten waren längst gegangen. Aber Braut und Bräutigam wollten tanzen. „Väterchen, liebes Herz," sagte die Tochter, „spiele uns doch Hamawdil; das ist so innig und herzig, und es tanzt sich so herrlich dabei. Wer weiß, wenn Deine Tochter noch einmal Dein Spiel hören wird." Und er langte nach der Geige und begann zu spielen. Er spielte lange, etwa gegen zwei Stunden. Mitternacht war vorüber und das junge Volk tanzte noch immer. Auch jetzt will er so spielen. Sie wollen einen Lustigen ... gut! Er will ihnen alles hingeben, was ihm am Leben am Theuersten war, wenn es ihm gleich in den Augen dunkelt, wenn ihm gleich die Kräfte versagen. Er muß ja, dafür wird er ja bezahlt. Und er streicht die Saiten, der leichte Rytmus erklingt im Saal, ertönt in immer lebhafterem, schnellerem Tempo; die Gaste schlagen zum Takt mit den Gläsern, einige stimmen halblaut ein. „O, wie schön ist das! Das nenne ich spielen!" ruft ein begeisterter Musikfreund. „Das könnte ich die ganze Nacht hindurch hören!" Der Spielende merkt nichts von diesem Entzücken, hört nichts von dem Beifall, der ihm gespendet wird. Er spielt, spielt. Und vor seiner erregten Phantasie Hüpfen die herrlichen Paare vorüber, dazwischen schimmert das Kleid seiner geliebten Tochter. Ach, diese Hochzeit, diese Hochzeit! Das arme Kind hatte ihren Mann so sehr geliebt, sehnte sich so sehr nach dem Leben . . . Die Musik erklang im kleinen Saal und die junge Frau, gestützt auf den Arm ihrer Freundin, schien in der Luft zu schweben. Es war ein schöner Augenblick. Der Vater gab seiner Tochter mit den Klängen des schönen Liedes das Geleit in's Leben; die Tänzerinnen waren entzückt. Und immer stärker, immer lauter erklang es im Saal. In der raucherfüllten Kneipe war es lebhaft. Die Gäste stimmten laut ein. Da, in der Mitte des stärksten Akkords, zischte die Geige einen falschen Ton. Der Kopf des Spielenden sank ohnmächtig zurück. Ein unter den Güsten anwesender Feldscher sprang eiligst herbei, und begann die Kleider an der Brust des Ohnmächtigen zu zerreißen. Die Gäste hatten sich unruhig erhoben. Die Wirthin kam von hinter dem Büffet herbeigeeilt. „Was ist los? Um Gotteswillen! Ist vielleicht eine Saite gesprungen?" „Eine Saite? Nein. Ihm ist das Herz gesprungen!" Der „Israelit" ersckeint wöchentlich zweimal. Montnff* und Donnerstaff», jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post N Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. - Der Buchhandel verkehrt durch E F. Strinacker, Leipzig, Uoßplah 16. — Inserate 2ö Pfennig die i spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direete Franeoznsendnng unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Matt oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einznsenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion etngesandten Manuscripien findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie znriickzubehalten. Inhalt (Hanptblatt) r Leitender Artikel: Zu Paraschatb Schoftim. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Ems. Grandenz. Aus Baden. Oesterr.-Ungar. Monarch e: Wien. Frankreich: Paris. — Ein modernes Schulbuch. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Geigenspieler. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Von den Ufern der Newa. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Unterfranken. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Miskolz. Italien: Mailand. Asien : Bokhara — Vermischtes. Pädagog. Beilage: Zwölfte Konferenz des Vereins der israel. Lehrer der Landrabbinatsbezirke Emden nnd Oldenburg — Esau und Jakob, die beiden ungleichen Brüder. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Rebaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Geiellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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