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Der Israelit · 1896-08-13 · Heft 65 (13.8.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 65 (13.8.1896)
Date
1896-08-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1239 holt seine Anerkennung und Zufriedenheit aussprechen lassen. Was aber der Kaiser gethan hat, das kann der antisemitische Stadtrath nicht thun — das verträgt sich mit seinen Grundsätzen nicht. Was für eine Ehre könnte übrigens dieser Stadtrath einem Künstler von makellosem Charakter und Ruf erweisen? Kann er ihm nach Herrn Pfister die Salvator- Medaille verleihen? . . . Und das Wiener Bürgerrecht? Das hat sich Sonnenthal schon vor dem antisemitischen Stadtrath als Künstler längst erworben. Sein Name nimmt einen Ehrenplatz in der Geschichte der geistigen Kultur Wiens ein und wird noch genannt werden, wenn man von den gegenwärtigen antisemitischen Stadt rätheu längst nichts mehr wissen wird." Frankreich. Paris, 10. Aug. Ein russisches Journal enthält interesiante Mittheilungen eines Herrn Krewitztui, welcher Amerika bereift und aus Dacota seiner Zeitung Folgendes berichtet: Mitten in den Steppen dieses Staates begegnete ich einige Gruppen von russischen Juden. Zwei Familien, die ursprünglichen Besitzer des Territoriums, haben hier eine ganze Anzahl jener Auswanderer angeliedelt, die dieSteppen urbar machen und hier verschiedene Feldfrüchte kulti- Viren. Es sollen in drei Gruppen er. 190 jüdische Familien in Nord-Dacota leben, von denen die ersten schon 1882 kamen, die weitaus größte Zahl aber erst in letzter Zeit sich niedergelassen hat. Die Kolonisten erklärten, sehr zufrieden zu sein, ihre Kinder besuchen die öffentlichen Schulen und lernen schnell englisch sprechen. Die russischen Reisenden können nicht Worte genug finden, um den Unterschied zwischen den gebückten russischen Juden und diesen kräftigen, frischen, muthigen Bauern zu schildern, die demselben Stamme angehören wie jene elfteren und mit ihnen noch vor wenigen Jahren zusammenwohnten. Gin modernes Schulvuch A. Weiler, Leitfaden für den Unterricht in der Geographie von Palästina. Frankfurt a. M. 1896. 30 S. 8° Wer es unternimmt, ein Schulbuch zu schreiben, von denk muß man drei Dinge verlangen : erstens, daß er die deutsche Sprache vollständig beherrsche; zweitens, daß er im Stande sei, überall die für Kinder passende Form zu treffen; und drittens, daß er den zu behandelnden Stoff vollkommen inne habe. In den letzten Jahren sind mehrfach Schulbücher an die Oeffentlichkeit gelangt, deren Verfasser diese Vorbedingungen nur in sehr ungenügendem Maße erfüllten, und auch das vorliegende Schriftchen^ ist in dieser Hinsicht nichts weniger als mustergiltig. Wohl ist die Anordnung desselben äußerlich der neuen Methode des geographischen Unterrichts angepaßt; aber es konunt doch nicht nur auf diese äußere Form an. Vor allem ist die mangelhafte Ausdrucksweise an vielen Stellen zu rügen. „Der Vater war für den Unterricht der Kinder verpflichtet" (S. 21 ist nicht deutsch. S. 21 schreibt ferner der Verfasser: „Durch die Bemühung und ansehnlichen Geldopfer beider Vereinigungen sind zahlreiche Ansiedlungen im Süden Palästinas entstanden. Diese Ansiedler sind zumeist zahlreiche, eingewanderte russische Flüchtlinge u s. w." — In einem Buch, das für Kinder bestimmt ist, sind Bemerkungen wie die S. 11 angegebene („Dr. Schwarz und Rieß verlegen diesen Bach auf die Ostseite des Jordans u. s. w.") durchaus nicht am Platze; als Anmerkungen unter dem Text waren sie allenfalls zulässig. — Der Verfasser scheint sich auch nicht klar darüber zu sein, daß man die Sitten eines Volkes, die Verkehrs- und Schuleinrichtungen immer nur für eine bestimmte Periode der Geschichte angeben kann. Wenn er z. B. S. 19 sagt: „Die Städte unterschieden sich von den Dörfern dadurch, daß erstere mit Mauern umgeben waren," so fragt man unwillkürlich: „Wann?" Zur Zeit der Blüthe wird zwischen den Dörfern und Städten doch wohl noch ein anderer Unterschied existirt haben. Der Mangel an geschichtlichem Sinn offenbart sich auch darin, daß der Verfasser die Prophetenschulen zur Zeit Samuels, die Talmudschulen des Rabbi Jochanan ben Sakai und die Schulen der „Alliance Jsraelite" zusammenstellt. Auch die Rubrik XIX „Verkehr" bietet ein solches Durcheinander von Daten, die den verschiedensten Zeitperioden angehören. Die Bemerkung S. 20, die das Verbot von Schaatnes als der Archäologie angehörig erscheinen läßt, zeigt, daß der Verfasser nicht zu unterscheiden weiß zwischen den Religionsvorschriften, die noch heute Giltigkeit haben, und den Sitten, welche den Juden eigenthümlich waren, als sie noch auf nationalem Boden sich befanden. — Die Angaben aus der biblischen Geschichte sind z. T. ungenau. Achan wurde nicht verbrannt (S. 7), er wurde vielmehr gesteinigt; nur seine Habe wurde verbrannt. — Bei den inneren Fehlern des Schriftchens fallen die Druckfehler, die ebenfalls darin nicht selten sind, kaum ins Gewicht. Für den Schulgebrauch ist es nicht zu empfehlen. Es wäre zu wünschen, daß die Sucht des Bücherschreibens, die, nicht zum Vortheil der Schule, immer weitere Dimensionen annimmt, etwas eingedämmt werde, und daß man namentlich die Abfassung von Schulbüchern den wirklichen Fachmännern überlasse. Frankfurt a. M. I. U.

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