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Der Israelit · 1896-08-13 · Heft 65 (13.8.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 65 (13.8.1896)
Date
1896-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1238 Rabbiner ausgcbiloete bw welcher seinen Rabbinatssitz in Karlsruhe hatte. Er stand bei Fürst und Volk durch seine Berufsbefähigung und sein immenses Misten in hohen Ehren. Er war Verfasser v n mehreren jüdischen Werken, von welchen fMUW pip in weiten Kreisen bekannt ist. Er starb unerwartet schnell bei einer Generalversammlung der zum Verbandsfriedhofe Kuppenheim gehörigen Gemeindevorsteher in Rastatt. Selbstverständlich wollten diese die Leiche ihres hochgeehrten Rabbiners in Kuppenheim beerdigt misten, während die Karlsruher es bei dem damaligen Markgrafen Earl Friedrich durchft tzten, daß derselbe in Karlsruhe zur mnp komme. Die Sage geht nun, daß die Träger der Leiche so schnell und ohne Anstrengung den Weg von Rastatt nach Karlsruhe zu Fuß machten, daß die milgegebenen Reiter galoppiren mußten und den Pferden der Schaum vom Maule triefte. Eine andere Sage erzählt, daß mannach Schließung des Friedhofes, trotz inehrmaliger Warnung, denselben zu einer Straßenanlage benutzen wollte, daß aber die ersten Arbeiter vom Schlage getroffen wurden, worauf die Arbeit auf dem Fried- Hofe eingestellt wurde. Lange Zeit war der Friedhof durch hohe Mauern umgeben und dadurch dem Auge der Vorübergehenden unsichtbar gemacht. Seit etwa einem Jahrzehnt ist die Mauer durch ein eisernes Gitter ersetzt, durch das man die Gräber in echt jüdischer Form mit Gras und Gestrüppe bewachsen, und die theils stehenden, theils liegenden Grabsteine, einzelne davon frisch geschwärzt, zu Gesicht bekomnrt. Das alte Portal mit hebräischer Inschrift, die Jahrzahl der Friedhossanlegung enthaltend, ist nicht mehr vorhanden. Auch in neuerer Zeit wurde wieder ein Ansturm gemacht, den Friedhof zu öffentlichen Plätzen zu verwenden, doch haben die israelitischen Stadtverordneten dagegen energischen Protest eingelegt. Hoffentlich wird cs für die Dauer gelingen, daß diese altehrwürdige Ruhestätte verstorbener Ahnen, von denen viele durch ihre Frömmigkeit und Gottesgelehrtheit berühmt waren, in ihrem gegenwärtigen Sein erhalten bleibe. Nach Schließung des alten Friedhofes wurde ein neuer, entfernter von der Stadt, gegen das Schloß Gottesgue, jetzt Kaserne badischer Kanoniere, angelegt. Doch Karlsruhe hat sich in kurzer Zeit so vermehrt und vergrößert, daß auch dieser Friedhof nun in denr Stadtgebiete liegt, und daß man, da man zur Erweiterung desselben keinen Platz und auch keine Genehmigung erhält, veranlaßt war, in einer anderen Richtung der Stadt einen dritten Friedhof anzulegen. Während der uralte Friedhof stets sein jüdisches Aussehen erhielt, war der zweite, wenn man sich die oft sehr th euren Grabsteine hinwegdenkt, in neuerer Zeit einem gut gepflegten Zier- und Blumengarten ähnlich. Die große Halle beim Eingang zur Haltung von Leichenreden und zum Schutze gegen plötzliche Witterungseinflüsse ist sehr praktisch. Auch itit neuesten Friedhof ist bereits ein solches Gebäude errichtet, worin noch außerdem die Leichenhalle, Betsaal k. eingerichtet ist. Den vierten Friedhof hat die isr. Religionsge scllschaft im Jahre 1872 nach der Trennung von der Gemeinde angelegt, und kann ich mich noch sehr gut der Worte erinnern, welche der Gründer dieser Blätter am 28. Sivan 5632 an einer Bahre sprach: bsz wrcaio new wrais x’w mpo. Zu erwähnen ist, daß bei der Trennung aller jüdischen Institutionen, bei der Ausübung von nnx bv “icn m'rc; die beiden Gemein den Zusammenwirken und steht in denr Vereine Herr Raphael Wormser n rühmlichst an der Spitze. riivn vbz. H. O e st c r r.-U n g a r. Monarchie. Wien, 10. Aug. (Antisemitische Cultur). Unter dieser Titelmarke bringt die „N. Fr. Pr." folgende, für die antisemitische Wiener Gemeinderaths-Majorität bezeichnende Notiz: „Das Ansinnen, einem Juden um künstlerische Verdienste halber eine der höchsten communalen Auszeichnungen zu verleihen, ist einhellig abgewiesen worden. Das ist eine mannhafte, gesinnungstüchtige That unseres gegenwärtigen Wiener Stadtrathes, welche Herr Paul von Pacher rühmt und anerkennt, obwohl er zugleich erklärt, daß er dem Gemeinderathe wegen Verleugnung der antisemitischen Grundsätze nicht länger angehören könne. Wer ist der Jude, den Herr v. Pacher meint? Man kennt, achtet und schätzt ihn in allen Kreisen Wiens als Künstler und als Menschen — es ist Adolph Ritter v. Sonnenthal, ein Mann, der die höchste Stufe seiner Kunst erreicht hat und der einer der vornehmsten Kunststätten 'Wiens, dem Burgtheater, seit vierzig Jahren zur Ehre und Zierde gereicht. In dieser langen Zeit hat er unzählige Male mit steter Bereitwilligkeit seine Kunst in den Dienst der Wohlthätigkeit und Humanität gestellt. Dies war hauptsächlich der Grund, weshalb bei dem Jubiläum seiner vierzigjährigen Thätigkeit der fortschrittliche Parteiverband im Gemeinderathe eine Ehren bezeugung von Seite der Commune für Sonnenthal in Vorschlag brachte. Die Antwort der antiseniitischen Majorität war die „einhellige" Abweisung im Stadtrathe. Warum? Weil Sonnenthal ein Jude ist — die Stadt Wien kann ihm deshalb keine Ehre erweisen. Die Majorität ihrer gegenwärtigen Vertreter hält dies nicht für verträglich mit ihren Grundsätzen und Gesinnungen. Der Kaiser hat diesem Manne schon im Jahre 1876 den Franz-Joseph-Orden, im Jahre 1881 den Orden der Eisernen Krone und den Adelsstand verliehen und ihm bei der jüngsten Gelegenheit wie schon wieder-

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