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Der Israelit · 1896-08-10 · Heft 64 (10.8.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 64 (10.8.1896)
Date
1896-08-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1229 Hesekiel kennzeichnet, indem er sagt: „wenn die Kinder Gottes abfallen, halten sie mit der linken Hand das Reis an die Nase." — Ein Menschenatter jünger sind rothe Bildnisse der Astarte, aus der Zeit etwa, da Asiuridili der Nachfolger von Assurbanipal, in Ninive herrschte, wo Jeremias seinen Mahnruf erschallen ließ. Die Standbilder zeigen die Astarte stets aufrecht; eine Hirschkuh schmiegt sich ihr an die Seite. — Ein äußerst merkwürdiges Stück der Ausstellung ist ferner ein Thonziegel von Cppern, der in cyprischen Zeichen eine griechische Inschrift enthält, die Angaben über Tempelkoften macht. O e ft e r r.-U ngar. Monarchie. Krakau, 6. August. Ein eigenthümlicher Vorfall erregt hier peinliches Aufsehen. Vor einigen Jahren wurde hier ein kleines Mädchen jüdischer Abkunft aufgefunden und auf Kosten der Stadtgemeinde, welche gesetzmäßig dazu verpflichtet ist, untergebracht. In einer der letzten Sitzungen des Gemeinderaths brachte nun ein Mitglied den seltsamen Antrag ein, daß das Kind, da es auf Gemeindekosten erhalten werde — getauft werden müsse. Ein jüdischer Gemeinderath machte demgegenüber geltend, daß die Gemeindegelder nicht ausschließlich christliche sind, da doch die Juden ebenso Steuern entrichten, wie die Christen; auch wies er darauf hin, daß es ein unverzeihliches Vergehen gegen die Gewissensfreiheit wäre, ein unmündiges Kind, das noch dazu allein in der Welt dasteht, der angestammten Religion zu entreißen. Es half nichts, die Majorität beschloß, daß das Kind getauft werden müfle; merkwürdiger Weise ftinunte für den famosen Antrag auch ein Jude, was sich übrigens nur dadurch erklären läßt, daß dieser Herr wegen mangelhafter Kenntniß des Polnischen nicht verstand, um was es sich eigentlich handle. Zum Glück fand sich eine, übrigens wenig begüterte jüdische Familie, welche die Waise an Kindesstatt annahm und so der Taufe entzog. Das Vorkommniß legt wiederum das Bedürfniß eines jüdischen Kinderasyls nahe, für welches in einer Gemeinde wie hier, leider nicht gesorgt ist. Rußland. Petersburg, 15. Aug. Hier scheint sich in der That ein Umschwung der Verhältniffe vorzubereiten. Die „Nowoje Wremja", welche unter dem vorigen Zaren gegen Nichtorthodoxe keineswegs eine freundliche Haltung beobachtete und vollends gegen Juden den Kreuzzug predigte, hat sich unter Kaiser Nicolaus II. eines anderen besonnen, sie predigt Toleranz und tadelt die konfessionelle Unduldsamkeit. An der „Größe und Macht Rußlands", meint das Blatt, „haben auch Deutsche, Polen und andere gearbeitet. Uebrigens ist es ungerecht, jemand seine Abkunft und Religion vorzuwerfen. Der Senat hat schon im Jahre 1743 erklärt, daß die gegen die Juden gerichteten Gesetze sehr häusig dem Interesse des Staates Schaden zufügen. Alle haben ihre historischen Verdienste und Sünden. Frei aufathmen wird man zu einer Zeit, in welcher alle eingesehen haben werden, daß der Zweck der sozialen Entwicklung in dem gemeinsamen und friedlichen Zusammenleben und Zusammenwirken Aller ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens zu suchen ist und nicht in dem Unterordnen der Einen unter die Anderen." Diesen Expektorationen des mit den leitenden Petersburger Kreisen in Verbindung stehenden Blattes sekundieren die „Petersbugsk. Wiedomosti" kräftig, indem sie betonen, daß nur eine humane Richtung in der innerrussischen Politik das Wachsthum und die moralische Macht Rußlands fördern könne. Leider mißbrauche die selbstsüchtige und geistig beschränkte russische Bureaukratie den Namen des Zaren als Vorwand für die Verfolgungen Andersgläubiger, um auf diese Weise ihre amtliche Stellung, ihren ungerechtfertigten Einfluß und ihre auf WillMr basierende Macht zu behaupten. (A. M.) Wladivostok. Die von unserer hohen Regierung decretirte und auch schon begonnene Ausweisung der Juden von hier hat unsere noch vor drei Jahren respektable Gemeinde stark reducirt und deren Bedienstete, ebenso auch die Lehrer derselben, in eine arge Nothlage versetzt. Dieselben kehren nun jetzt, da in Folge des eingetretenen Sommers die sibirischen Fahrstraßen passirbar geworden sind, langsam in ihre Heimath (das westliche Rußland und Polen) zurück, um ein neues Brod zu suchen. Die wenigen Juden, die noch hier geblieben sind, suchen rasch ihre Geschäfte abzuwickeln, da sie noch vor Jahresschluß ihre Ausweisung von hier gewärtigen. Möglich jedoch, daß denselben im Gnadenwege der Aufenthalt hier noch für einige weitere Jahre gestaltet wird. Der Getreide- und Kleiderhandel hier, der bis jetzt fast ausschließlich in den Händen der Juden war, hat nun durch die begonnenen Ausweisungen derselben schon stark gelitten und wird noch weiter abnehmen. In Folge besten ist der Preis des BrodeS, da die Zufuhr nur sehr schwach ist, bedeutend gestiegen. Auch die Sperrung vieler jüdischer Kleidergeschäfte hat hier sehr verstimmt, da nun die Matrosen, die mit den fremden Schiffen aus allen Theilen der Welt hierher kommen, keine Gelegenheit mehr haben, Kleider einzukaufen. Egypten. (M.) Alexandrien. Die Cholera wüthet zwar noch immer hier, langsam nimmt sie aber doch schon ab. Sehr wacker hat sich in diesen traurigen Tagen unser ChachamBaschi Elia Hazam benom-

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