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Der Israelit · 1896-08-10 · Heft 64 (10.8.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 64 (10.8.1896)
Date
1896-08-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1228 ein ttta tun? tok v>'x in der vollsten Bedeutung des Wortes, von hervorragender talmudischer Gelehrsamkeit, wirkt hier seit mehr als dreißig Jahren; zuerst als Seminar-Direktor, seit etwa zwanzig Jahren auch als Oberrabbiner. Alles steht natürlich auf streng jüdischem Boden. Daß in einer solch' großen Gemeinde mit allerlei Elementen und vielerlei Interessen oft Bewegung und Agitation vorkommt, ist nur natürlich. Viel Bewegung und Agitation verursachte im vorigen Jahre die Öberrabbinerwahl in Leeuwarden, Bezirk Friesland. Herr Dr. Lemenstein, ver als Holländer in Zabrze (Deutschland) keine Bestätigung von der Regierung erlangen konnte, suchte in Holland eine Stelle. Da er aber die für Holländer geforderten Examina nicht gemacht hatte, strebte man danach, ihn in Holland als Fremdling zu betrachten, um ihm so die Dispensation für Fremdlinge, die im Auslande diploinirt sind, zu Gute kommen zu lassen. Dieses Bestreben wirbelte viel Staub auf. Die Mehrheit der Rabbinat-Commission lehnte es ab, die Diplome eines „nur sogenannten" Fremdlings zu untersuchen. Die Sache wurde aber von dem Centralen Landesausschusse schließlich doch durchgetrieben. Es bildeten sich zwei Parteien. Eine, die orthodoxe, auf der Seite der Mehrheit der Rabbinat-Commission, die andere mehr, aus den neologen Elementen, auf der Seite der Minderheit der Commission. Schließlich wurde die Wahl des Herrn Dr. Lewenstein genehmigt. Durch diese Streitfrage kan: der Unterschied aufs Tapet zwischen den Anforderungen, welche in Holland und in Deutschland an Rabbinats-Candivaien auf jüdisch-wissenschaftlichem und profanem Gebiet gestellt werden. Aber, geehrter Herr Redakteur, mein heutiger Brief ist wirklich lang geworden. Meine Ferien neigen sich ihrem Ende zu, ich möchte noch einige Tage in Ruhe genießen. Besten Gruß. B. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 6. Aug. Ein Blatt des Sirach ist von Mrs. Lewis, der glücklichen Entdeckerin der syrischen Evangelienhandschrift vom Sinai, unter hebräischen Handschriften, die sie in Jerusalem erworben, aufgefunden worden. Seit fast 2000 Jahren ist der hebräische Text dieses biblischen Buches bis auf etwa vierzig Zitate, die man aus dem Talmud gesammelt hat, verloren gewesen. Man besaß nur die griechische Uebersetzung, die der Enkel des Verfassers im 38. Jahre des Euergetes, d. h. im Jahre 132 vor Stiftung der christlichen Religion angefertigt hatte. Unglücklicherweise gehen aber all unsre Handschriften dieses griechischen Textes, von denen bis jetzt gegen zwanzig näher bekannt sind, auf ein einziges Original zurück, in dem in sehr alter Zeit durch irgend einen unglücklichen Zufall zwei Blätter versetzt worden waren. Mit Hilfe der altlateinischen Uebersetzung, die vielleicht unter Berücksichtigung des hebräischen Originals, aus einem noch ungestörten Exemplar des griechischen Textes gemacht wurde, hat der Philolog Sauppe dies vor Jahren nachgewiesen. Daneben kannte man seit dem 16. Jahrhundert eine syrische Uebersetzung, und es war lange Streit unter unseren Gelehrten, ob ihr Verfasser noch direct das hebräische Original oder auch schon nur die genannte griechische Uebersetzung zu Grunde gelegt habe. Aus diesen zwei, beziehungsweise drei Quellen, das verloren gegangene Exemplar herzustellen, ist und war eine äußerst anziehende, keineswegs durchaus leichte Aufgabe für Orientalisten. Dem Prof. Bickell in Wien, früher in Innsbruck, ist dabei die schöne Entdeckung geglückt zu erkennen, daß im Schlußkapitel des Buchs die Verse nach der Reihenfolge des hebräischen Alphabet geordnet sind. Das neugefundene Stück ist nur ein Papierblatt, ungefähr 71/» englische Zoll hoch und breit, in zwei Spalten und scheint nach der ersten kurzen Mittheilung in der „Academy" vom 16. Mai nicht etwa blos talmudische Zitate, sondern einen zusammenhängenden Text zu geben. Berlin, 5. Aug. Eine interessante Alterthums- Ausstellung hat Dr. Max Ohnefalsch-Richter in der Ausstellung „Kairo" veranstaltet. Der gelehrte Archäologe stellt hier eine Reihe von Gegenständen aus, die er seit 1878 in Cypern, Kleinasien, Syrien und Egypten ausgegraben hat, Erzeugnisse von Menschenhand, die mtn auf den kleinen Raum der Spezialausstellung zusammengedrängt, in großen Zügen die Entwickelung einer Kultur von über 4000 Jahren zeigen. Da sind die ersten Formen der Gefäße, der Waffen und der Lampen zu sehen; der Former preßte den Thon nach der Gestalt der Flaschenkürbisse und bildete nach einer breitschaligen Perlmuschel die erste Oellampe. Durch einen vieltausendjährigen Zeitraum zeigt nun die Sammlung die Entwickelung der Lampe, von der Muschelgestalt an, wie sie heute noch die Drusen am Libanon gebrauchen, bis zur zierlichen, fein ciselirten Römerlampe, die einst das Boudoirtischchen einer pompejanischen Mondaine zierte. — Aus Alt-Jerusalem stammen zwei Lämpchen, die in roher, aber deutlich erkennbarer Pressung den siebenarmigen Leuchter und die Rebe mit der Traube führen. Besonders bemerkenswerth und ein archäologischer Schatz ersten Ranges ist eine cypriotische Vase, deren Zeichnung einen Sonnenanbeter darstellt, in jener charakteristischen Haltung, welche der Prophet

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