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Der Israelit · 1896-08-10 · Heft 64 (10.8.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 64 (10.8.1896)
Date
1896-08-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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u y.?* 1236 Men; nicht nur, daß er seine Heerde nicht verlassen hat und wie viele Andere geflohen ist, sondern er sorgte auch erfrigft für die Gesundheitspflege und das Wohlbefinden der hier lebenden armen Juden. So ist es seinen Bemühungen zu verdanken, daß das hiesige jüdische Spital, das von der Gemeinde erhalten wird und des Anfangs keine Cholerakcanken aufnehmen wollte, sich endlich doch herbeiließ, auch solche Kranke in Pflege zu nehmen. Auch ging er in dem Harat El-Jehud (Judenviertel), das heute auch von zahlreichen Arabern bewohnt wird, von Haus zu Haus, ermahnte überall zur Reinlichkeit und zur nöthigen Enthaltsamkeit und vertheilte zugleich Geldspenden. Die von hier geflohenen reichen Juden haben fast alle vor ihrer Abreise der Cultusgemeinde größere Geldsummen für die Armen übergeben und zugleich auch das Gehalt ihrer hier zurückgebliebenen Beamten bedeutend erhöht oder sogar verdoppelt. Auch stellten sie denselben ihre Landhäuser, die sie in der Umgebung hier haben, zur Verfügung. Uebrigens ist die Cholera unter den Juden hier schonend ausgetreten. > Vermischtes. < Gtetzen« Für die Reichstagsersatzwahl haben die Antisemiten den bisherigen Vertreter Köhler wieder aufgcsteUt. Berlin. Hammerstein wird in der Einzelhaft mit Flickarbeiten für die Schneiderwerkstatt des Moabiter Zellengefängnisses beschäftigt. Das Schicksal liebt es, grimmige Witze zu machen Und dennoch — ganz fremd ist Hammerstein Flickarbeit auch während seiner politischen und Sammelthätigkeit nicht gewesen. Mancherlei war da zu flicken. Und die Moabiter Gefängnißverwaltung ist sicher stolz auf die Form, in welcher sie der Tradition, die Verbrecher nach ihren früheren Beschäftigungen und Anlagen im Gesängniß zu verwenden, in diesem Falle zur Geltung gebracht hat Hammerstein gehörte ja, so lange ihm das Bestimmungsrecht über sein Thun und Lassen unverkümmert war, zu den oornehmlichsten Mitgliedern jener internationalen Gilde, welche der Wiener so treffend mit dem Stachelwort der „Inwendig Geflickten"-belegt. Im Interesse einer ausreichenden Bekleidung der Moabiter Sträflinge läßt sich daher annehmen, daß Herrn Hammerstein der Uebergang zu seiner derzeitigen Beschäftigung keine besonderen Schwierigkeiten bereiten dürfte. Flicken ist übrigens eine beschauliche Beschästiguug, welche dem vielerfahrenen Manne Gelegenheit geben dürfte, über Manches nachzudenken, das in der letzten Zeit seiner öffentlichen Thätigkeit seiner Aufmerksamkeit unglückseliger Weise entgangen ist. Sind auch die Fäden tamals seiner Hand entsunken, nunmehr dürfte er den Faden, der in seinem ferneren Erdenwallen eine so wichtige Rolle spielen wird, unter den aufmerksainen Blicken des berühmten „Auges des Gesetzes" kaum verlieren. Arankfitrt a« M. Der in diesen Blättern veröffentlichte Roman „David Speier" von S. Kohn ist dieser Tage in Gestalt zweier stattlicher Bände im Verlage von A. I. Hofmann dahier erschienen. Es wird jedem Freund guter jüdischer Belletristik angenehm se«n, diesen Roman, der, wie aus vielen uns zugegangenen Zuschriften aus dem Leserkreis ersichtlich, sich eines ungetheilten Beifalls erfreute, in handlicher Buchform zu dem billigen Preis von Mk. 3.50 von jeder Buchhandlung beziehen zu können. Frankfurt <t. M. 9. August. Den Inhabern der hiesigen Kunst- und Antiquitätcnfirma I. und S. Goldschmidt, ist das Prädikat als köuigl. preuß. Hoflieferanten verliehen worden. — Dem hiesigen Israelitischen Fraucnvcrcin sind ans Grund des revidirten Statuts vom 31. März 1896 die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. Gmunden. Der jüdische Papierhändler Markus Ostersetzer, 77 Jahre alt. wurde hicrselbst von einem gewissen Hubert Fingerhuth, Sohn der Wittwe eines Staatsanwalts- Sekretärs ans München, geboren im Elsaß, ermordet. Der Mörder hatte sich sein Opfer im Speisesaal des nichtjüdischen Hotels „Zum goldenen Hirschen" ausersehen. Ostcrsetzer wurde in Wien aus der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofcs beerdigt. Der Raubmörder wurde in Wien verhaftet. Berichtigung« In Nummer 61 d. Bl muß es in einer Korrespondenz im Hauptblatt statt Mersfeld — „Hersfcld" heißen. Letzte Nachrichten. Wien, Ende onjD. S0?it der größten Spannung sieht die orthodoxe Judenheit Wien's den kommenden Tagen entgegen; denn kaum 14 Tage trennen uns noch von deni Einzuge des Herrn _5D t. Salomon Breuer, Frankfurt a. M., welcher der Lchiffschulvereinigung, die eines geistigen Oberhauptes nun schon einige Zeit entbehrte, wieder einen Dl geben wird, einen würdigen und ebenbürtigen Nachfolger des weltberühmten '“i fei. Andenkens. Selbst die Wenigen, die diesen Mann nicht kennen, erwarten mit größter Sehnsucht sein Erscheinen, weil sie die große Begeisterung und freudige Genugthuung jener, die ihn eben wegen feines bisherigen Wirkens werthzuschätzen wissen, sich nicht anders erklären, als daß dieser Mann eine Koryphäe des Judenthums sein müsse. Und wahrlich, darüber kann keine andere Meinung aufkommen. Welches Interesse für das Erfcheiuen des Herrn Rabbiner an den Tag gelegt wird, möge daraus hervorgehen, daß sich heute schon die Schiffschulverwaltung veranlaßt sieht, Eintrittskarten anläßlich der Antritts-,'issm Sr. Ehrwürden auszugeben, um auf solche Weife zu großem Andrange vorzubeugen. Ja sogar in solchen Kreisen, in denen sein Erscheinen nicht erwünscht ist, in den Kreisen der Ncologen, wird dieses Ereigniß lebhaft erörtert. Die Schiffschul wirst sich schon in Fcsttagskleidung; sie wird gründlich einer Renovirung unterzogen. Viele Hände sind emsig daran, das Bethaus der D’NT dem Empfange würdig auszuschmücken. Auch wird im Schiffschulttmon na schon eifrig die rD’ttfD N’jiD gelernt, in der Rabb. Dr. Breuer seine nttm msan beim Festbankette, welches ihm zu Ehren gegeben, halten wird. Mit dem Tage des Amtsantrittes des Herrn Rabbiners wird das orthodoxe Judenthum in Wien auch in arrderer Beziehung einen erfreulichen Fortschritt zu verzeichnen haben. Es wird ein complettes orthodoxes J’l na sich constituirt haben. An Seite des Herrn Rabb. Dr. Breuer wird Sr. Ehrw. Herr Rabb. I. B. Kohn, der während des nahezu 3jährigen Jnteregnums in mustergiltiger und aufopfernder Weise die Gemeinde leitete, als erster ]""! fungiren. Die Funktion des zweiten s""! wird der noch verhältnißmäßig junge, aber mit weitverzweigtem Wissen ausgestattete nvn TD^n und langjährige Vortragende der N“an D"ttf Abtheilung des ttnnnn na, Baumgarten, bekleiden. Ich könnte Ihnen so manches noch auf den Empfang Bezug habende mittheilen, fürchte jedoch, Ihren Raum zu stark in Anspruch zu nehmen. Nur eines will ich zum Schlüsse bemerken, daß einstimmig der Ruf ertönt: "jro ‘1 OttQ 50H, G. Freudmann.

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