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Der Israelit · 1896-08-10 · Heft 64 (10.8.1896) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 64 (10.8.1896)
Date
1896-08-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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- '"s-^^ypry 1226; An jenem Abend verhielt sich der Geiger entgegen seiner Gewohnheit nicht normal. Nach Beendigung des Walzers schüttelte er sich nervös, warf sich den Mantel um die Schultern und ruhte lange aus. Dann erhob er sich, trat an das Büffet und bat um ein Glas Waffer. Als er wieder seinen Platz einnahm, begann er eine alte jüdische Volksweise zu spielen. Sogleich flackerte um seine Augen ein eigenthüm icher Glanz auf unddie eingefallenen Wangen begoß eine starke Rölhe. Er spielte mit einer Lebhaftigkeit und einem Feuer, daß die Gäste zu ihm aufsahen. Die Juden senkten ihre Stimmen ganz, dann schmiegen sie endlich stille und lauschten eine geraume Weile, einer rief leije zu seinem Nachbar: „Na, man kann nicht sagen, der Alte ist heute bei Stimmung!" Alle nickten beistimmend, und ein jeder begann in den Taschen zu kramen. Bald war ein ziemlich ansehnliches Häuflein Kupfermünzen beisammen. Einer aus der Gruppe nahm es in Empfang, und leise von der Seite sich heranschleicheud, legte er es an eine Ecke auf das Klavier. Dann machte er sich mit langen Schritten auf den Zehen davon und setzte sich auf seinen Platz. Und in der Thal, der Geigenspieler war bei Stimmung. Es mar die Stimmung wehmüthiger und doch zugleich wonniger Erinnerung. Als ihm noch die Sonne des Lebens geschienen, — o, es war schon lange her — da erklangen die Töne dieser Melodie öfters aus den Saiten seiner Geige. Das war seine Lieblingsweise seit feiner frühesten Jugend, als er kaum mit den kleinen Fingern den Streichbogen führen lernte, bis in die spätere Zeit hinein. Selbst am Sabbat mußte er sie wenigstens trällern, und am Sabbatousgang, wenn er im Kreise der Seinen saß, umringt von der liebenden Gattin und den drei blühenden Kindern, wiederholte er sie viele Male zur unsäglichen Freude seiner Zuhörer. Ein Kind reicher Eltern, genoß er, da er frühzeitig musikalische Anlagen zeigte, Unterricht inr Geigen, ohne zu ahnen, daß diese Kunst ihm einst im Alter, nach traurigen Wechselfällen einen kümmerlichen Unterhalt gewähren würde. Später im Gewühl des täglichen Lebens und inmitten der aufreibenden kaufmännischen Thätigkeit, war die Musik seine Zuflucht, sie gewährte ihm reine Freuden und den Abglanz einer höheren idealen Welt. In der Zurückgezogenheit der stillen Häuslichkeit, wenn der Kampf des Tages ruhte, ließ er die unzähligen Weisen und Lieder erklingen, die er auswendig konnte. Welch eine Wonne war es zu sehen, wie die Augen der Gattin und der Kinder auf ihn gerichtet waren, wie sie gespannt lauschten, zum Schluffe vor Freude in die Hände klatschten und um Neues baten. Dann wurden die Kinder groß, die Eltern hatten ihre seligsten Freuden an ihnen. Der Sohn lernte vorzüglich und war die Hoffnung der ganzen Familie. Der Wohlstand blühte. . . . Doch nun war dies alles längst nicht mehr, verrauscht war es, zerronnen, wie die letzten Klänge der eben ihrem Ende entgegensehen:en Melodie. Der Geiger bricht plötzlich mit einem schrillen Mißton ab, und läßt sein Instrument zu Boden gleiten. Alle Anwesenden sehen sich, unangenehm berührt, um; doch er versinkt in düstere Erinnerungen. (Schluß folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 14. August. 5. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 10 Min. Samstag, 15. August, 6. Elul, D’DQttf. Sabbat-Ausgang in Mainz 8 Uhr 4o Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag«, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E F. Kleinacker, Leipzig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Neclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manuseripten findet nicht statt, man dittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzuvehalten. Inhalt (Hauvtvlatt) r Leitender Artikel: Elul-Betrachtung. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Coblenz. Stuttgart. Oesterr.-Ungar. Monarch'e: Brünn. Rußland: Riga — Vereinsnachrichten. Literarische Notiz. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Geigenspieler. Inhalt der Beilager Leitender Artikel: Holländische Reisebriefe. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Krakau. — Rußland: Wladivostok. Egypten: Alexandrien. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottftraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine »eitage.

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