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Der Israelit · 1896-08-10 · Heft 64 (10.8.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 64 (10.8.1896)
Date
1896-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1224 Interessen ihrer Schwestern in der altehrwürdigen Stadt Jerusalem, der Metropole des Judenthums! Geleitet von diesem Gedanken und von dem innigsten Wunsche beseelt, den bedauernswerthen Kranken ein angenehmeres, erträglicheres Heim zu bieten, haben wir für das kommende Mietsjahr, welches am 1. Tamus (12. Juni) beginnt, außerhalb der Stadt in prachtvoller Lage ein geräumiges, 7 Zimmern enthaltendes Haus für 600 Francs gemietet. Diese nach hiesigen Verhältnissen ziemlich bedeutende Summe, die, hiesiger Sitte gemäß, für das ganze Jahr praenumerando zu entrichten ist, macht uns große Sorgen. Damit aber diese nicht jedes Jahr wiederkehren, müssen wir daran gehen, für unsere Anstalt ein eigenes Haus zu bauen. Es ist uns schon zu diesem Zwecke von der Gemeinde ein Platz in guter Lage geschenkt worden. Ferner hat uns eine hochherzige Frau in Jerusalem, ein Mitglied unseres Vereins, zu demselben Zwecke ein Legat von 1000 Francs zugewieseu. Ebenso haben wir vor Kurzem von der hochherzigen Madame C. Fourtado Heine in Paris 1000 Francs erhalten. Noch weitere 130O0 Francs würden ausreichen, um ein den vielen Anforderungen einigermaßen entsprechendes Anstaltsgebäude errichten zu können. Sollten nicht einige ausländische Frauenvereine diesem erhabenen, humanen Werke einen Theil der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel opfern?! Wir glauben, das wäre eine ihrer schönsten und sicher auch ihrer besten Leistungen. Aber auch jede unserer Schwestern würde sich unstreitbar um Jerusalem und Zion sehr verdient machen, wenn sie uns zum Endziele unseres Unternehmens verhelfen würde. Unser Verein zählt gegenwärtig 290 Mitglieder, die außer ihren monatlichen Beiträgen oft außerordentliche Ausgaben beigesteuert haben. Literarische Notiz. Annuaire des Arcliives Israelites pour Fan du monde 5957 par H. P r a g u e, Redacteur en chef des Arcliives israelites, Paris. Ohez Faulem- 46 Rue Lafayette. p's6 rnn rots^ nib Das vorliegende Jahrbuch für das Jahr 5657 enthält eine reiche Fülle interessanter Abhandlungen und Notizen, und wird besonders bei unseren französischen Glaubensgenosten mit lebhaftem Interesse begrüßt werden. Aber auch für außerfranzösische Jehudim bietet es ein großes Interesse die großartigen Pariser Institutionen für Wohlthätigkeitszwecke, für jüdische Wissenschaft und Bildungszwecke aller Art an der Hand zuverlässiger Zahlen kennen zu lernen. DaS Jahrbuch erscheint dieses Jahr zum 13. male und die reichen Beigaben und vielseitigen Mittheilungen sind in hohem Grade geeignet den Kreis seiner Freunde zu erweitern. — Auch über die jüdischen Gemeinden Belgiens und der Schweiz finden wir hier zuv.'rlässige, statistische Notizen; so daß das Buch keiner besonderen Empfehlung bedarf. Der gediegene, vielseitige Stoff, den es in übersichtlicher, geschmackvoller Form bietet, empfiehlt das Buch am besten; es genügt, unsere Leser auf sein Erscheinen aufmerksam zu machen. Vermischtes. (A<1.) Livorno Da Rabbiner Gold st ein in Fiume das ihm angebotene Nabbinat von Reggio d'Emilia abgelehnt hat, hat diese Gemeinde jetzt den Rabbiner von Siniganjlia Laibe Tedesco zu ihrem Seelsorger erwählt. Die Gemeinde von Turin wieder, deren Rabbinatsstubl seit einem Jahre verwaist mar, hat Herrn F o a zu ihrem Oberrabbiner und zugleich Herrn B ac ch i zum Ehren-Oberrabbiner ernannt. Süd Afrika. Rev. D. Wasscrzug in Port Elisabeth sprach im dortigen schottischen Verein über den „jüdischen Charakter". Unter Anderem rühmte er den Antheil, den die Juden an der Civilisirung Süd-Afrikas genommen hätten und wie ihre Pioniere in die wilden Länder noch vor den russischen Truppen gedrungen seien. Der Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen und in den Lokal-Zeitungen viel besprochen. Feuilleton. Der Geigenspieler. Das Gasthaus au der Ecke der Hauptstraße umfaßte sieben weite Säle, in deren großen Fenstern schon bei Anbruch der Dämmerung in mächtigen mattgläsernen Kugeln Bogenlichter brannten, lieber dem Eingang glänzte eine Lampe mit farbigen grellen Scheiben, und warf große, rothe, grüne und blaue Streifen aus das Pflaster, um so die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden zu wecken, und sie zum Eintritt in diesen Tempel der Bier- und Billardfreuden einzuladen. Das Etablissement erfreute sich großer Beliebtheit; niemals fehlte es hier an Gästen und alle Tische waren dicht besetzt. Unaufhörlicher Lärm durchschwirrte den Raum, über welchem dichte Wolken von Tabakrauch schwebten und so die Luft erstickend machten. Es war am Sabbat Abends. Zahlreiche christliche Handwerker und Arbeiter, deren geschwärzte Hände verriethen, daß sie aus der Werkstätte kamen, waren eingetreten, um mit einem Gläschen Bier den kommenden Ruhetag einzuweihen. Daneben saßen jüdische Arbeitsleute, Fuhrmänner, Hausirer, Kleinkrämer, für welche die Stunde, die Trennung von dem wonnevollen, hehern, sorgenbefreiten Sabbattag bedeutete; ihre Stirnen zeigten die typische Furche, welche so jüdischen Männern und Frauen das Gesicht fältelt, wenn der „liebe heilige Sabbat aus ist" und

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