Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 64 (10.8.1896)
- Date
- 1896-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1221 Judenthums, war für ihn der Punkt, in dessen Dienst er seine Schaffenskraft stellte. Wie oft hat er in Gegenden und Gemeinven, in welchen seine Thätigkeit ganz aussichtslos war, sich die E laubniß erbeten, öffentliche Vorträge halten zu dürfen und wie hat er da, der kaum Zweiundzwanzigjährige durch seine lehrreichen Erzählungen aus Talmud und Midrasch die Zuhörerschaft, die oft mit geringschätzigem Achselzucken gekommen war, u begeistern verstanden. Nun ist er dahingegangen und mit ihm für die gramgebeugten Ellern eine ihrer schönsten Hoffnungen, für uns ein treuer Kampfgenosse, für die jüdische Gesammtheit ein unermüdlicher Arbeiter im Weinberge des Herrn. Sein junges Leben ist abgeschlossen, aber so vollendet, so schön, so rein, daß sich Menschen von noch so langer Lebensdauer einen anderen Abschluß nicht wünschen könnten. Heute fand das Leichenbegängniß statt. Selbstredend hat die ganze Wiesbadener Gemeinde, so wie viele Freunde aus den Nachbarstäoten daran theilgenommen. Bereits im Hause gab Herr Rabbiner Dr. Guggenheim Saar-Union der allgemeinen Trauer beredten Ausdruck. In längerer Rede schilderte auf dem Friedhofe Herr Rabbiner Dr. Mar x—Darmstadt die hohen Tugenden des Dahingeschiedenen und wies namentlich darauf hin, wie er sich den Beifall des weiten Leserkreises des „Israelit" durch seine schönen Erzählungen und geistvollen Artikel zu erringen wußte. In sinniger Weise suchte er auch den gebeugten Vater durch Erwähnung großer Beispiele aus der Geschichte unseres Volkes zu trösten. Der Herausgeber dieser Zeitschrift sprach dann einige Worte des Abschieds an der Bahre des entschlafenen Freundes. Auch an dieser Stelle, an der er sich so oft vernehmen ließ, sei ihm noch einmal ein inniges Lebewohl aus tief erschüttertem Herzen zugelufen! Berlin, 4. Aug. Aus der antisemitischen Bewegung hat sich tnr Schneidermeister Volkmann zurückgezogen, um im Osten Berlins ein Restaurant zu übernehmen. Volkmann war neben Dr. Böckel und Ahlwardt Mitbegründer der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen antisemitischen Volkspartei; er machte in allen Handwerkerversammlungen für diese Partei Propaganda. Mit Fritz Volkmann ist übrigens, nach der „Post," die Geschichte des Reichstagsab.geordneten Ahlwardt eng verknüpft. Er soll für den immer in der Klemme befindlichen Rektor bedeutende Opfer gebracht haben. Man erinnert sich wohl auch noch der Thatsache, daß Volkmann als Diener Ahlwardts seinerzeit die Fahrt zur Einweihung des Kaiser-Wilhelm- Kanals mitmachte; auch die Kosten für diese Reise wurden aus seinen Mittteln bestritten. Cv^leNZ» Am Freitag den 24. Juli 'e p try pnnxi fand die Einweihung der neuen Synagoge der kleinen Gemeinde Staudernheim im h. Regierungsbezirk statt. Ist die Einweihung einer Synagoge auch kein Ereigniß mehr, das weitere Kreise interessiren dürfte, so dürfte die kurze Schilderung dieser Einweihung, schon der damit verbundenen Umstände wegen, einen bescheidenere Rarrm in Jhrenr geschätzten Blatte beanspruchen. St. ist eine aus vielleicht 10 Farnilien bestehende isr. Gemeinde, der ihr bisher gemiethetes Beizimmer nicht mehr genügte und legten sich daher diese wenigen Mitglieder die pekuniären Opfer auf, für den Neubau eines würdigen Gotteshauses die Geldmittel aufzubrrngen und an obenbesagtem Tage hatten sie die rro? ihr rastloses Streben von dem erhofften Erfolg gekrönt zu sehen und ihren Einzug in das neue rpa halten zu können. Nach einem um 5 llhc in der alten Synagoge abgehaltenen Abschiedsgottesdienste, ordnete sich ein imposanter Festzug nach dem neuen Gotteshause, der sich durch die von den am Feste theilnehmenden christlichen Mitbürger geschmückten Straßen bewegte. Mit Vergnügen nahmen wir Kenntniß von der allgemeinen Theilnahme an diesem Feste, das sich dadurch zu einem allgemeinen für den ganzen Ort gestaltete, was gerade in unserer Zeit ein wirklicher dph butjj genannt zu werden verdient. Den Weiheakt, der außer den üblichen Ceremonien in einer gediegenen Festpredigt bestand, vollzog Herr Rabbiner Dr. Tawrogi aus Kreuznach und war der cantorale Theil in die Hände des Herrn Lehres Berend aus Sobernheim gelegt. Nachdem der genannte Herr Rabbiner am rot? Morgen nochmals gepredigt hatte und nach einem Concerte am Nachmittag und einem Fest banket am Abend, fand die Feier ihren Abschluß und verlief das ganze Fest in einer Einmüthigkeit, die allen Theilnehmern gewiß noch lange in froher Erinnerung bleiben wird. — Schreiber dieser Zeilen, ein geb. Staudernheimer verbindet mit dieser Schilderung den Wunsch, daß die Einigkeit in seiner Heimathgemeinde zwischen Christen und Juden immer so bleiben, und daß die Glaubensbrüder dortselbst alles aufbieten mögen, dieses angenehme Verhältniß zu erhalten und zu stärken pn rr Le op. Eichel. Stuttgart, 4. August. Zu Ihrer Notiz in Nr. 62 betreffend Herstellung von Chocolade wollte ich, um jeden Zweifel auch für den oberflächlichen Leser auszuschließen, ergänzungshalber bemerken, daß Chocolade nur dann als wirklich -nw gelten kann, wenn die in Frage kommende Fabrik den Nachweis geliefert hat, daß sie überhaupt verbotene Mischungsmitte! nicht verwendet, vielmehr, daß die zur Herstellung der Chocolade dienenden Formen mit verartigem Material nicht in Berührung kamen. Diese Garantie zu fordern, erscheint geradezu unerläßlich. Louis Levi. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Brüuu, 5. August. Am 9. August begeht unser Glaubensgenosse Hieronymus Lorm (Landesmann), der bekannte philosophische Schriftsteller und Poet, das Jubiläum seiner fünfzigjährigen literarischen