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Der Israelit · 1896-08-10 · Heft 64 (10.8.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 64 (10.8.1896)
Date
1896-08-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1220 Aber das Judenthum wird diesen Feinden nie erliegen, weil es eben nichts Zeitliches, sondern nur Ewiges an sich trägt, ein Werk aus Gotteshand, und nicht aus Menschenhänden ist; das verkündigt und predigt der Elul. Mag auch der reine Strom der göttlichen Lehre im Nebel des Zeitgeistes trübe und düster dahinzieh'n: schon winken die Stunden, in denen der Quell der Gottbegeisterung wieder frisch und lebendig aus dem Grunde der jüdischen Herzen hervorbricht, und selbst der Gleichgiltigkeit wiederum ahnt — nr6 „i ch geh ö re meinem Gott!" Und mag auch Israel einstweilen immer noch der Fremdling auf Erden sein, der „einsam wohnt und zu den Völkern nicht gerechnet wird," für den kein Schimpf zu entehrend und keine Anschuldigung zu schmachvoll ist: wir werden's überdauern — b ’thi „oenn unser Gott steht für uns!" „Und weidet unter Rosen," wie dort weiter geschrieben steht, — geleitet dereinst noch, wenn die Zeit gekommen ist, sein Volk auf lachende Gefilde und wonnige Triften. — Der Mensch, der sich also mit seinem Gotte freut und des Heiles der Zukunft gewiß ist, fühlt das Bedürfniß, sich auch mit den Menschen zu freuen, wohlzulhun und des Nächsten Leid zu lindern; in dieser Erkenntniß haben unsere Weisen dem Elul noch ein anderes Begleitwort, aus Megillath Esther, gegeben, das in gleicher Weise, wie das erste, den bb* ergibt: w:noi „Einer für den andern und Gaben für den Dürftigen." — Wohl, Gottesstreben muß aller Weisheit Anfang sein; aber rin edler Sinn, eine hilfreiche Hand und ein gutes Herz bilden die nothwendige Ergänzung zu den höheren Gefühlen, die uns zu Gott in erdentrückte Sphären emportragen; auf Erden menschenfreundlich, wohlwollend und liebevoll zu sein, macht nicht minder den wahren Juden aus. Das ist ja gerade der lebenskräftige, unverwüstliche Kern unseres Glaubens, daß in ihm zum frommen Gefühl die gute That sich gesellen muß, um daß er nur in den wechselreichen Daseinsbeziehungen zwischen Mensch und Mensch seine volle Verwirklichung findet; der jüdische Lebensbaum reicht mit seiner Krone in die Wolken, aber seine Wurzeln greifen tief in den Schooß der Erde hinein. Darum wb rr>'x „einer für den andern," auf daß ein Band der Freundschaft die Gesammtheit umschließe, und aus der Kraft harmonischer Vereinigung Großes und Dauerndes erstehe! man „und Gaben für die Dürftigen," damit die Zähre des Elends milder fließe, und auch die ärmlichste Hütte sich den Segnungen des Lebens zu erschließen vermag. — Gottinnigkeit und starke Zuversicht, Nächstenliebe und Bruderstnn, Selbstvertrauen und Schaffensdrang erwachen in uns mit des Schofars erstem Ruf und lasten uns allmählich eine idealere Höhe des Menschenthums erklimmen; dort harren wir in ruhiger Freude der großen Zeit, die uns Gott nahe bringen, uns auf's neue weihen und heiligen soll. — „Heil dem Volke, das den Schofarruf versteht! Ewiger, im Lichte Deines Angesichtes wandelt es dahin." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 5 August, Empfindet man die tiefen Wunden, welche der unerbittliche Tod anhaltend der menschlichen Gesellschaft schlägt, schon auf das Schmerzlichste, wenn ein bedeutender Mann, ein guter Bekannter dahingerafft wird; welches Weh' verursacht es er st, wenn der treue Kamerad, wenn der Genosse, der hart an unserer Seite kämpft, jählings fällt und mit ihm alle seine Kräfte, alle seine Fähigkeiten, alle seine Pläne plötzlich vernichtet werden. Von solchem Schmerze wurden wir durchzuckt, als uns gestern das Ableben unseres treuen Freundes, unseres mehrjährigen Mitarbeiters, des Herrn David Kahn, Sohn des Rabbiners der altisraelitischen Kultusgemeinde in Wiesbaden, Herrn D r. K a h n, berichtet wurde. Wahrlich, unsere Feder ist zu schwach, um all' den Gefühlen des Kummers und des Wehs, welche uns bei dem Gedanken an den Hintritt dieses Getreuen beschleichen, Ausdruck zu verleihen. Ach, wußten wir es doch schon gar lange, daß dem tückischen Leiden, das den Heimgegangenen schon von der frühesten Jugend an verfolgte und das ihn vor einigen Jahren mitten in seiner rastlosen Thätigkeit übermannte, er verfallen war, aber der Mensch hofft doch so gerne, und wenn wir ihn noch vdr wenigen Wochen an unserer Seite daherschreiten sahen, uns voller Feuer von seinen Studien und Plänen und Arbeiten erzählend, so konnten und wollten wir nicht glauben, daß dieser hoffnungsfreudige Jüngling schon in wenigen gezählten Tagen in das düstere Grab sinken sollte. In eben vollendetem sechsundzwanzigften Lebensjahre mußte David Kahn sein junges Leben lassen. Von seinen Eltern von frühester Jugend an im Dienste der Thora erzogen, absolvirte der Knabe mit Glanz das Gymnasium seiner Vaterstadt, um dann in einem bedeutendem Wiesbadener Geschäfte die Kaufmannschaft zu erlernen. Aber sowohl Neigung, wie Eignung trieb ihn mit elementarer Gewalt in die Bahnen, auf welchen er seine Gabe zur Schriftstellerei und sein Wissen in der jüdischen Literatur bethätigen konnte, und so trat er im Jahre 1891 in die Leitung und Verwaltung unseres Blattes ein. Mit welch' unendlichem Eifer er hier thätig war, wie er sich rastlos um die Hebung und Verbreitung unserer Zeitschrift mühte, dies werden viele unserer geehrten Leser uns betätigen können. Aber nicht die Verbreitung der Zeitschrift war ihm die Hauptsache, sondern die damit zu erreichende Verbreitung, Erhaltung und Wiedererweckung des alten wahren

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