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Der Israelit · 1896-08-06 · Heft 63 (6.8.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 63 (6.8.1896)
Date
1896-08-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1206 lebhafter Freude aufnahm, und als Frau S . . . hörte, um was es sich eigentlich handle, war sie so außerordentlich erfreut über die Ehre, die ihr mein seliger Vater damit erweisen wollte, daß sie aus den Dankeserhebungen nicht herauskam und meinem Vater All seiner Arbeit ihr schönstes Zinrmer einräumte. Als das nunmehr rasch vollendet war, übergab mein seliger Vater es Herrn G . . . und reiste wieder ab. n. 27 Jahre waren seitdem vergangen, als ich ilnlängst in München wieder lebhaft daran erinnert wurde. Ich hatte vorigen Sommer geschäftlich in M. zu thun. Als ich eines Abends aus der Synagoge ging, sah ich eine Frau mit einem Gebetbuch aus der Synagoge kommen, in der ich sofort, trotzdeni ich sie nur als Kind gesehen, die Tochter des Herrn G . . . erkannte. Mein Erstaunen war begreiflich, denn ich habe bereits angedeutet, daß Herr G. . . nicht fromm war und auch seine Kinder nicht fronlm erzogen hatte. Auch sie erkannte mich sofort und eilte auf mich zu; nachdem wir uns begrüßt hatten, mußte ich ihr das Versprechen geben, da ich eine Einladung zunr Mittagessen ausschlug, welligstens sofort nach dem Essen zu ihr zu kommen. Ich ging also nur 2 Uhr hin. Nach gewöhnlichem Grußanstausch erzählte sie mir Folgendes: „Herr S . . . können Sie sich noch erinnern, daß Ihr seliger Vater einst ein "iee für meinen Vater schriebt Kennen Sie auch die näheren Umständet" Ich bejahte die Frage, indem ich ja Augenzeuge war. „So dürfte für Sie", sprach die Frau weiter, „vielleicht interessant sein, das weitere Schicksal des i-:- zu hören. Mein Vater war nach und nach durch lmglückliche Geschäfte derart herabgekommen, daß er sein ganzes Hab und Gut versteigern lassen urußte. Als auch das iee versteigert werden sollte, erinnerte er sich, daß dasselbe bei Frau S . . . fertig geschrieben worden, war und ging deshalb hin, deren Mann das ico anzilbieten. Herr S . . . kaufte aus den lebhaften Wunsch seiner so wahrhaft religiösen Frau das icc und gab es später in die Synagoge nach München, wo es heute noch ist. Wie ging es unterdessen meinem Vaters An demselben Tage, an welchem er das verkaufte, erkrankte sein Enkel, derselbe, um desseutwillen das *zz seiner Zeit geschrieben wurde. Seinen letzten Pfennig gab mein seliger Vater hin zur Rettllng seines geliebten Kindes, es hals jedoch Alles nichts. Das Kind starb nach einigen Tagen. Mein Vater war in der grenzenlosesten Verzweiflung und drohte, selbst unter diesem Schlage zusammenzubrechen. Er machte sich die bittersten Vorwürfe und schrieb den Tod seines Lieblings nur sich selbst 31t. Alle unsre Bemühungen, ihn aufzuheitern, hatten keinen Werth. Er siechte nach uitb nach dahin und bald sollten wir auch an seiner Bahre weinen." Diesen traurigen Bericht erzählte mir die Frau unter Thränen und schloß mit den Worten: „Wie Sie sehen, Herr S . . ., haben wir uns, was Jüdischkeit anbetrisst, gebessert. Ich habe meine Kinder zu frommen Juden herangezogen, aber der Haupterziehungspunkt für sie liegt für mich in den Worten, die sich mein seliger Vater so oft auf dem Todtenbette wiederholte: 'Z't: *\s* nj?2E* yzvn 's nb “n: *rr -r trs!!! ntrr rse asm bzz Der „Israeli t" evfJ eint wöchentlich zweimal, Montag* und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post N Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, balbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verlrrhrt durch E F. Steinacker, Leipzig, Dohplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die-i ipallige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Keile im Reelametheil 75 Pfennig. — Direete Francozusendnng unter -nnjband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. osterr., für's Ausland 16 Reicho Mark, an die Expedition franco cinzusenden. Cine Rücksendung von an die Redaktion eingefandten Manuskripte,r findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie znreckznbehalten. Inhalt (Hanptblatt) r Leitender Artikel: Der El ul Monat. — Zeitungsnachrichten u. Eorrcspondenzen: Deutsche land: Aus dem Großherzogthum Hessen. Berlin. .stolberg Grarrdeuz. Oesterr.-Ungar. Monarch e: Wien. Budapest. Ruß land: Petersburg. — Literarische Notiz. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein Gclübde. Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Holländische .Reisebriese — Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen: Deutschland: Berlin. Elsaß-Lothringen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Prag. Rußland: Friedrichstadt. Rumänien: Jassp. Türkei: Ninweh. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Rußland: Derbend. — Vermischtes. Extra-Beilagen: ^penden-Verzeichnisse. — Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der I 0 h. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilage».

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