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Der Israelit · 1896-08-06 · Heft 63 (6.8.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 63 (6.8.1896)
Date
1896-08-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1205 doch nicht etwa eine rroi nee schreiben lassen wollen? I Denn wenn wir uns auch sehr lange nicht gesprochen haben, so bin ich doch gut unterrichtet und habe zu meinem großen Bedauern erfahren, daß Sie so ganz von unsrer heiligen Lehre abgefallen sind. Wie ist cs oder wie war es nur möglich, daß ein Mann, wie Sie, der von Jugend auf von braven und frommen Eltern dazu angcleitet, man darf sagen, fromm war, sich so weit vergessen k an; denn wenn Ulan, wie es bei Ihnen der Fall, niemals in das Geschäft ging, ohne seinem 'n'tr gelernt zu haben, so darf man wohl Anspruch auf das Recht machen, guter Jehudi zu heißen. Wie erfreuten Sie Ihren frommen, gelehrten Vaters Sn stets, wenn Sie ihm eine schwere »‘pp vorgelegt haben. O! was würden Ihre braven, frommen Eltern dazu sagen, wenn sie wüßten, daß Sie heute des Geldes wegen sogar den Sabbat entweihen. Unter diesen Umständen werden Sie wohl mein Erstaunen entschuldigen, das mich bei Ihrem Eintritte erfaßte, denn was könnten Sie von inir wollen?" Durch diesen Willkonnngruß meines so offendenkenden und sprechenden Vaters S"aft etwas in Verwirrung gebracht, antwortete Herr G . . . : „Sie haben es errathen, wenn Sie glauben, ich bin zu Ihnen gekommen, um eine nTr nee schreiben zu lassen; denn thatsächlich ist das der Zweck meiner Reise. Doch vorher muß ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, die Ihnen Aufklärung über mein Vorhaben bringen wird. —-- Sie kennen meine Verhältnisse ja genau, Sie wissen, daß ich peeuniär gut stehe und ein gutes Geschäft habe. Wie Sie ferner wissen, hatte ich einen einzigen Sohn, der mir leider vor kurzer Zeit gestorben. Er hinterließ nur ein einziges Kind, ebenfalls einen Knaben, welchen ich behütete wie meinen Augapfel. Vor einigen Wochen wurde mm dieser mein Liebling plötzlich derart krank, daß ihn der behandelnde Arzt, ein Nichtjude, für verloren erklärte. Ich war in großer Verzweiflung; Tag unb Nacht saß ich am Lager des Kranken und wich nur höchst selten von ihm. Der Arzt, welcher täglich mehrere Male kam, sagte mir eines Morgens: „Herr G . . . es thut mir unendlich leid, Ihnen sagen zu müssen, daß Ihr Enkel die Nacht schwerlich durchleben dürfte." Wie so viele Menschen es thun, wenn sie in Noth sind, erinnerte auch ich mich wieder des barmherzigen Gottes; ich ging in mein Schlafzimmer, warf mich nieder und betete und weinte zu Gott, indem ich das Gelübde that, wenn mein Enkel genesen würde, ein schreiben zu lassen. Ich hatte kaum fertig gebetet, als es an mein Zimmer klopfte. Ich schrack zusammen, denn rch glaubte jeden Moment das Schlimmste hören zu müssen, und konnte nur mit Mühe die Thüre öffnen. Das Dienstmädchen berichtete mir, daß das Kind bedeutend besser wäre, es sei bei Besinnung, was seit Wochen nicht der Fall war, und verlange nach mir. Ich dankte Gott tausend Mat bei dieser freudigem Botschaft und eilte, so rasch mich meine Füße trugen, in das Zimmer meines geliebten Kindes, das mir beim Eintritte lächelnd die Hand entgegcnstreckte. Ich merkte sofort, daß das Kind durch Gottes Hilfe bedeutend beffer sei. Als am andern Morgen der Arzt kam und ich ihn; auf seine Frage, ob das Kind noch lebe, die Antwort gab, das; es nicht nrlr lebe, sondern daß es ihm sogar bedeutend besser gehe, ließ er mich stehen und eilte voll Erstaunen in das Krankenzimmer. „Herr G. . ., ja wie war denn das möglich, da ist sicher ein Wnnder geschehen", meinte er. „Ich kann Sie versichern, daß das Kind außer Gefahr ist und binnen einer Woche das Bett verlaffen kann." Hub wirklich war es so. Das Kind ist heute G. s. D. vollständig hergestellt und geht wieder in die Schule. Ich hielt mich für verpflichtet, nachdem mir Gott so sichtbar Gutes gethan, als Erstes mein Gelübde zu erfiillen. Deshalb sehen Sie mich heute hier und nun, mein lieber Herr Sänger, gebe ich Ihnen den Auftrag, da ich weiß, daß ich keinen Besseren finden könnte als Sie, schreiben Sie mir recht bald ein sehr schönes doch knüpfe ich zwei Bedingungen daran: 1) daß die ganze Geschichte unl die }*j? geschrieben, und ns-zn rxr bei mir im Hause fertig geschrieben wird." Mein seliger Vater nahm den Auftrag an, konnte jedoch das nach etwa :V4 Jahren erst ab liefern, da es zur damaligen Zeit in Bayern nur vereinzelte Thorarollenschreiber gab, und er mit Arbeiten überhäuft war. Als das bis aus die letzte h*hfertig war, reiste mein seliger Vater nach München, um es, der Vereinbarung gemäß, in; Hanse des Auftraggebers zu vollenden. Herr G . . . war unterdeffcm in geschäftlicher Hinsicht sehr in Anspruch genommen und hatte an das gar nicht mehr gedacht. Als mein Vater zu ihm kam, sagte Herr G . . . zu ihm: „O stellen Sie das nee nur da in die Ecke." Mein Vater, darüber aufgebracht, antwortete: „Herr G. . . ein -22 ist kein Stück Tuch, das man beliebig in die Ecke stellt; wenn Sie keinen Platz im Hause haben, wo ich das "sc sertigmachen kann, so gehe ich zu irgend einem Bekannten, deren ich hier ja genug habe und der mir nsn nnccr für meine Arbeit ein Zimmer anweisen wird." Wie gesagt, so gethan. Mein seliger Vater ging hierauf zu einem Herrn S . . ., der ihn mit wirklich

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