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Der Israelit · 1896-08-06 · Heft 63 (6.8.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 63 (6.8.1896)
Date
1896-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1204 Aber nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in anderen Theilen des weiten Ungarlandes bestreben sich viele unserer Namens- Brüdern und -Schwestern, von der neugeschaffenen Situation recht ausgiebigen Gebrauch zu machen. Daß ebenso wie überall auch hier zu Lande das Gros der jüdischen Mischehen sich aus den Reihen der neologen Judenschaft rekrutirt, braucht vielleicht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden. Das ist der Erfolg einer indifferenten Kinder- Erziehung und das Endresultat eines „fegen- und heilvollen" Wirkens gewisser jüdischer „Seelsorger", ows L'dEnrr d^jw. Möge es in Bälde besser werden! Kl. Rußland. (B.) Petersburg. Die Ausstellung in Nischnij- Nowgorod ist sehr spärlich besucht, durchschnittlich kaum 2000 Besucher täglich, was in Anbetracht der ungeheuren Kraftanstrengung und Kosten, seitens der Regierung als auch der Exponenten geradezu lächerlich geringfügig ist. Um nun den Fremdenbesuch zu heben, werden alle möglichen Mittel angewandt (freie Eisenbahnfahrt für Lernende und Handwerker u. s. w.) und wurde unter Anderem auch beschlossen, den ausländischen Juden den Eintritt in's heilige russische Reich, behufs Besuches der Ausstellung zu erleichtern. (In Bezug auf russische Juden sind auch einige Erleichterungen getroffen worden, die jedoch so unbedeutend sind, daß sie schwerlich unsere Glaubensgenossen veranlassen dürsten, sich in Massen an diesem friedlichen Wettkampfe, an diesem Verbrüderungsfeste zu betheiligen.) Das Ministerium des Innern hat also in Gemeinschaft mit dem Finanzministerium großmüthig beschlossen, den ausländischen Juden den Bestich der Ausstellung zu erleichtern, und zwar dadurch, daß allen fremdländischen Juden, ohne Unterschied ihrer Beschäftigung, von der zweiten Hälfte Juni ab, gestattet ist, nach Rußland zu kommen, wenn sie ihre Pässe in den russischen Consulaten des Auslandes visirt haben, doch (hier kommt der Haken) nicht anders, als daß in jedem einzelnen Falle präventiv die Genehmigung des Ministeriums des Innern eingeholt werde. Ich glaube kaum, daß sich viele fremdländische Juden durch eine derartige verclausulirte und fast illusorisch gemachte Nachgiebigkeit der russischen Administration veranlaßtfinden, die russische Ausstellung zu besuchen. Literarische Notiz. p-pc p-; bKiz: rno p^ 'C . s'T ziisiDiyüsa Der durch seine gediegenen, balachischen und agadischen Schriften berühmte Verfasser, Herr Rabbinats- Affessor G. Müller in Mattersdorf (Ungarn) wendet sich in dieser seiner neuesten Arbeit nicht an den Kreis der Gelehrten, sondern hinab in die breiten Schichten des Volkes, um ihnen in deutscher Sprache als Pfadfinder für ein gottesfürchtiges Leben nach den Gesetzen der Thora zu dienen. Das tiefe Wissen, die reiche Lebenserfahrung und die aufrichtige Gottesfurcht des Verfassers leuchtet aus jeder Zeile dieses seines neuesten Werkes. Das Buch dürfte sich wie wenig andere als ibb^w auch in der Hand solcher Vortragenden eignen, die mit den hebräischen Quellenschriften nicht vertraut sind. Aber auch zur Lektüre und zum eingehenden Studium für den Einzelnen qualifizirt sich das Buch nicht minder. Es wird es kein Lehrer aus der Hand legen ohne Netzen für seine geistige Ausbildung und sittliche Vollendung daraus geschöpft zu haben: Es ist altes, ehrliches ibib in ansprechender deutscher Gewandung, das uns hier entgegen tritt, das von Herzen kommt und auch sicher den Weg zu den Herzen finden wird. Wir halten es deßhalb für eine Pflicht unsere Leser auf das vortreffliche Buch aufmerksam zu machen, das durch den Verfasser direkt zu beziehen ist._ Vermischtes, »ch- Angermürrde, 3. Aug. Dem „Angermünder Kreisblatt" wird aus Stargard geschrieben: Ein böses Mißgeschick ist einem als gar argen Antisemiten bekannten, jungen Mann wiederfahren. Er hat sich von einer jüdischen Frau das Leben retten lassen müssen. Besagter Teutschmann hatte sich beim Aalfang in der Nähe der Corowscher. Mühle in einer Reusen verstrickt und lvar so ins Wasser gerathen. Schon war er dem Ertrinken nahe, als eine jüdische Frau des Weges gefahren kein, kurz entschlossen ans llser eilte und den Antisemiten durch Zuwerfen einer Leine auf's Trockene brachte.__ Feuilleton. Ein Gelübde. Es war im Monat Januar 1869, als ich mit meinem seligen Vater V» er© ibic z'b "i in dessen Arbeitszimnker saß, damit beschäftigt, eine rrnn ied zu schreiben. Da hörten wir plötzlich zu unserm großen Erstaunen das Rollen einer Droschke, was in einem so kleinen Orte, wie Buttenwiesen, stets eilt großes Ereignis war und da ich bestimmt wußte, daß in der ganzen Nachbarschaft kein Fremder zu erwarten sei, so war meine Neugierde gerade auf's Höchste gestiegen, als die Equipage vor unserer Hausthüre hielt. Gleich darauf klopfte es an die Thüre zu dein Arbeitszimmer und auf das freundliche Herein meines seligen Vaters trat ein mir unbekalmter Mann ein. Mein Vater gab ihm ein Freundliches ss'bs B^rr> und schüttelte ihm kräftig die Hand, indem er sprach: Ei! mein lieber Herr G . . ., was verschafft mir die "um Ihres werthen Besuches, Sie werden

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