Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 63 (6.8.1896)
- Date
- 1896-08-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448667--42261-2491257- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1201 Breslau aus, „daß mau auch den nicht staatlich geprüften Lehrern den Zutritt zu allen Rechten hätte gestatten müssen. Man brauche eben nicht geprüfter Elementarlehrer, sondern nur ein befähigter, mit pädagogischen und allgemeinen Kenntnissen ausgestatteter Neligionslehrer zu sein." Nachdem der Herr Correspondent so sein Müthchen an Herrn Dr. Barnaß gekühlt hat, fällt er über Herrn Rabbiner Dr. Horowitz—Frankfurt a. M. der. „Weil sich vernünftigerweise gegen einen Anschluß an den „Lehrerverband" nichts sagen läßt, so sang Herr Dr. Horowitz das Lied, das unsere Herren Hyperorthodoxen schon seit Jahresfrist in allen Tonarten angeftimmt, einfach ruhig weiter: „Gebt nur Eure Selbstständigkeit nicht auf! Wenn Euch die Berliner einmal umgarnt haben, dann seit Ihr mit Mann und Maus verloren." Ein ungerechtfertigterer Vorwurf als dieser ist wohl noch selten gemacht worden. Herr Dr. Horowitz ergriff in der Versammlung erst dann das Wort, nachdem er sich aus den Reden für und gegen den Anschluß an den Lehrerverband über die bisher ihm unbekannte Sachlage genau informirt hatte, was er auch besonders betonte. Wie kann sich nun der Herr Correspondent erkühnen, einen Mann, wie Dr. H. der Nachbeterei zu zeihen? Daß Herr Dr. Horowitz aus seiner inneren Ueberzeugung für die Selbstständigkeit der Lehrer eintritt, ergibt sich außerdem aus dem Umstande, daß er später auch in der Versammlung des kurhess. isr. Lehrervereins in demselben Sinne gesprochen hat. (Nebenbei sei bemerkt, daß der kurheff. isr. Lehrerverein die Frage über den Anschluß an den Lehrerverband auf die nächstjährige Generalversammlung vertagt hat.) Und nun beschimpft der Herr Correspondent im Allgemeinen seine Collegen orthodoxer Richtung auf die infamste Weise. „Selbstständigkeit war das A. und Z. der Ausführungen sämmtlicher orthodoxerRedner. Wem fällt da nicht das Sprichwort ein: An der Kette kommen die besten Gedanken über die Freiheit. Kennt denn unsere Orthodoxie überhaupt Freiheit und Selbstständigkeit?" Und weiterhin heißt es in dem Artikel: „Die Dummen werden nicht alle; auf das vorgehaltene rothe Tuch fiel die Mehrheit herein. Gerade die Lehrer, die am lebhaftesten wünschen sollten, die Macht gewisser hochmögender orthodoxer Herren gebrochen zu sehen, gerade die stimmten nach der von dieser Seite ausgegebenen Parole — wohl „nur der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb". Wie ein Lehrer sich so weit versteigen kann, seine Collegen, die weiter nichts verbrochen haben, als anderer Meinung wie er zu sein, derartig zu behandeln, ist mir ein vollständiges Räthsel; wie man dies in anständigen Kreisen zu benennen pflegt, überlasse ich jedem voruriheilslosen Leser. Nach ihm können also nur die Lehrer der Resormrichtung das Gefühl für Selbstständigkeit besitzen und haben die Lehrer seiner Richtung die „Weisheit" gepachtet. Ich muß offen gestehen, daß ich als „Dummer" — ihn nicht um seine „Gescheidheit" beneide. llebrigens scheint der Herr College in der Geschichte nicht sehr bewandert zu sein, sonst müßte er wissen, daß „Selbstständigkeit" doch kein so wegzuwerfendes Gut ist; dafür kämpft jeder Einzelne, jeder Verband und jedes Volk, und die größten Opfer sind stets für die Erkämpfung und Erhaltung derselben gebracht worden. Wer den Verhandlungen in dem hessischen israelitischen Lehrervereine beiwohnte, der mußte sich sagen, daß nur diejenigen die richtige Auffassung von der Würde und Selbstständigkeit des Lehrers hatten, die gegen den Anschluß an den von dem Gemeindebunde bevormundeten Lehrerverband stimmten. Berlin. (Die jüdischen Speisegesetze und die Gesundheits stat istik). Schon zu wiederholten Malen haben wir auf statistische Daten hingewiesen, die die Theorie unterstützen, daß die Befolgung unserer Speisegesetze auf die Gesundheit des Volkes einen mächtigen Einfluß ausübt. Kürzlich ist wieder in London eine Broschüre erschienen: „Jewish Law und Sanitarp Science" von I Snowman, M. R. C. S. L. R. 0. P., ein Separatabdruck aus der hochangesehenen Zeitschrift „The Medical Magazine". Der Verfaffer führt darin aus, daß man zwar keinem einzigen Gesetz an sich allein eine tiefgreifende hygienische Wirkung zusprechen könne, daß aber der ganze Complex von Vorschriften unbedingt dazu beigetragen habe, dem jüdischen Volke einen Schutz gegen gewisse Krankheiten und damit ein längeres Durchschnittsleben zu schaffen. Zur Begründung dienen folgende Zahlen: In New-2)ork leben 1,389,000 Personen, die nach dem Geburtsland der Mütter sich classificiren lasten: in in in in in russ.u.pol. farbig Amerita Deutschland Irland England Italien Juden 2500 835.000 400.000 400.000 55.000 54.000 120.000 Die Todesrate für Personen über 15 Jahr 1885— 81/5 1890 pro 100 23.6 16 17 28 20.8 12.3 62 Die Todesrate für Schwindsucht unter 100.000 Personen 774 205 329 646 98 Die Tod srate für Lungenentzündung unt. 100.000 Pers. 390 273 214 344 269 456 170 Ebenso lauten die Zahlen aus Manchester. Hier wohnen die armen Juden in zwei Vierteln Red Bank und Strangeways zusammen und meist in sehr ungünstiger materieller Lage. Trotzdem ist hier die Todesrate nur 18.6 pro Tausend, während die anderen Stadtviertel eine Todesrate von 25.1 bis 4«> pro Tausend aufweisen. Auch die Sterbeziffer der Kinder unter 15 Jahren war in den jüdischen Ouar-