Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 63 (6.8.1896)
- Date
- 1896-08-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448667--42260-2491256- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1200 Kehre zurück, Jude, zu Deinem Gotte, thue Buße! Reinige Dein Gewissen von den Schlacken, die es beschweren, aber rüttle auch Deinen Bruder auf zur Selbstprüfung, ermahne ihn zur Rückkehr, wenn seines Herzens Einsicht noch schlummert. Zeige ihm durch Dein Beispiel, daß der Mensch groß xuib geadelt sich fühlt durch die aus der Selbstprüfung erwachsende Rückkehr. Reiche dem Kinde die Hand, die es zur festen Erkenntniß leitet, biete dem Greise Deinen Arm, daß er, auf ihn sich stützend, seinem Gotte sich wieder nahe.-Dein Gebet, jüdischer Bruder, soll Dir nicht die „alltägliche Gewohnheit" sein und ganz besonders in diesen Dagen sei es innerlich, tiefstes Bedürfniß der Dich erfüllenden Prüfungsgedanken und -Ergebnisse. Wie könntest Du rein werden, rein bleiben, wenn der Heilige, gelobt sei Er, nicht Deinem Wollen und Sehnen Gelingen spenden würde! So bitte und flehe denn zu Ihm, daß nicht halb oder unvollkommen das Resultalt Deiner Seelenarbeit werde. Auch für sie bete, die, krank und schwach an Körper oder Seele, den Pfad nicht mehr finden können, der zu ihrem Heile führt.- Von Dem, was Gott Dir gab, daß Du darüber wachest, es verwaltest, gieb dem Armen, aber gieb es ohne Eigennutz. Dhue die Wohlthat wirklich und ehrlich um ihrer selbst willen. Wenn Du durch Deine Wohlthat Ehre für Dich selbst zu erringen suchst, so frevelst Du gegen Deine Seele und schlecht verwaltest Du, was Gott rrr Dir gegeben. Nicht genug jedoch lasse es Dir sein mit Deinern Geben an die Armen, lasse vielmehr die Pflicht des r^e: ganz Dich erfüllen. Ob Du arm bist, Jude, oder reich, — mit gleicher Glorie wird die Krone des “en rb'c;- auf Deinem Haupte erstrahlen. Hab' Erbarmen nicht nur mit dem ärmlichen Gewände Deines Bruders, Hab' Erbarmen besonders mit dem ärmlichen Zustande seiner Seele. Hilf ihm, sich emporzuarbeiten! Hilf dem nutenden Menschen, daß er wieder ein fest und unerschütterlich dastehender Jude werde. Unbeschränkt dann ist die Größe Deines Thuns. Wenn Du so Dich selbst reinigest und dabei wirkend ohne Eigennutz für Deine Brüder schaffst, so bist Du eine reife, stärkende Frucht an Judas Lebensbaum und, wahrlich, Deine nrtrr, Deine n^cn und Deine np-iX. jr rx pTsyc. Zettitngsnachrrchten und Correfpondenzerr. Deutschland. Aus dem Großherzogthum Hessen, 4. August. In der letzten Nuinmer der „Zeitung des Judenthurns" gibt ein Correspondent aus Heffen seinem schwer bedrückten Herzen über den Verlauf der Jahresversammlung des „Jsr. Lehrervereins für das Großherzogthum Hessen" in einer Weise Ausdruck, die nicht unbeantwortet bleiben darf. Wie Sie bereits berichtet, hat dieser Verein in seiner Majorität beschlosien, vorläufig dem „Lehrerverband" sich nicht anzuschließen. Das läßt nun den geehrten Correspondenten der „Judenthums - Zeitung" nicht schlafen und weiß er in seiner Unruhe sich nicht anders zu helfen, als seine Collegen, die anderer Meinung sind als er, zu verdächtigen und zu beschimpfen. Zunächst läßt er seinen vollen Zorn gegen Herrn Dr. B a r n aß-Pfungstadt, den Referenten in dieser Angelegenheit, aus, weil dieser Herr in seinem Referate unter anderem ungefähr Folgendes sagte: „Jemand, der tüchtiges, jüdisches Wissen besitzt, ist mir oft lieber oder ebenso lieb, als ein seminaristisch gebildeter Lehrer mit einigem pädagogischen und methodischen Wißen." Wohlverstanden, ruft der Corresp. siegesbewußt aus, das sagt der Leiter eines Institutes!? Geduld, mein lieber Herr College! Herr Dr. Barnaß, der in seinem Referate auch für die nicht geprüften Lehrer eingctreten, befindet sich mit dieser seiner Ansicht in guter Gesellschaft. Lesen Sie doch gefälligst das Protokoll der „Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in Schlesien und Posen," nach welchem sich der Delegirte Herr Dr. Guttmann— Breslau dahin äußert, „daß es sein vornehntlichstes Bestreben gewesen sei, dahin zu wirken, auch den nicht geprüften Lehrern das Wahlrecht für die Delegirten zu erwirken, und dieses Ziel hätte auch der Verein der Lehrer Ostpreußens verfolgt. Aber schon in der konstituirenden Versammlung hätten nicht geprüfte Lehrer keine Stimme gehabt. Der Versammlung sei ferner von dem „Deutsch-Jsrael.-Gemeindebund" ein Vorsitzender geradezu aufgedrängt worden. Auch Vorschläge seien von dem D.-J. G.-B. gemacht worden, ohne deren Annahme er seine Betheiligung an dem Verband ablehnen zu müffen angab." Der zweite Delegirte Herr Dr. Brann—Breslau bemerkt hierüber in seinem Referate, „auf die Theilnahme auch nicht staatlich geprüfter Lehrer an den Delegirtenwahlen und auf die Berechtigung dieser Lehrerkategorie, zum Vorstände zu gehören, habe man „leider" verzichten muffen." In der hierüber sich entspinnenden Debatte führt Herr Dr. R o s e n t h a l—