Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 63 (6.8.1896)
- Date
- 1896-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. M 63. Der Israelit. Ein Uentrak-Wrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Uehrrrsnrr in IBtainf. Donner ft ag, den 6. A^uguft 5656 (1896). Leitender Artikel. Der Elul tttonat. Von Ben Zwi. ,,.ni7rn yn nx pmya npni nbcni murm" Rufe Dir diese Worte zurück in Dein Gevächtniß, Jude! Lasse sie aber nicht nur als Gedanken an Dir vorüberziehen, lasse sie vielmehr keimen und Leben gewinnen in Deinem Herzen, in Deinen Thaten. Es ist hohe Zeit, denn jener Monat, der Dich aufrütteln soll aus Deinem Schlafe ist nahe, jene Zeit kehret wieder, die Dir in jedem Augenblicke das Spiegelbild Deines Selbst, unverstellt und ungeschmückt vor die Seele halten soll. Welchen Zauber birgt doch dieser Monat der Selbstprüfung, welche geheimen Kräfte führt er mit sich, welches Glück für den Menschen, für den jüdischen Menschen! — Was war es denn, das Dir die Stärke verliehen, daß Du Jahrtausende hindurch Deine Jugendfrische, Dir bewahren konntest, daß Du nicht dahinwelktest, arm und schwach, unter der Last Deiner Leiden? Nationen haben sich vermischt mit andern Nationen, und ihr Namen ist geschwunden aus dem Gedächtniß der Völker. Du aber bist Jude geblieben! Kein Wurm hat Deine Wurzeln zernagt, und erhaben über des Lebens Stürme, entfaltete sich Deine Fahne, bahnte Deine Wahrheit sich ihren Weg. Zwar lächelt man geringschätzig über Deine alten Sitten. Man streckt die Hände aus nach Deinem Lebensbaume, nichtahnend, daß dieser Baum durch das Rütteln an Lebenssaft gewinnt, daß dadurch die Wurzel sich in ihrem Erdreiche erst recht festigt und ausbreitet. Aber sage mir, Jude, wo ist der geheime Zauber Deiner Macht, wo wohnt der Talisman Deiner ewigen Jugend? Siehe! Dein Gott hat Dich hinausgeschickt in die Welt, Dich zerstreut unter den Nationen und: „Kehre zurück zu mir!" das war sein Geschenk, das er auf den Weg Dir mitgab. Zum Volke der Selbstprüfung hat Dein Herr Dich gemacht und ewiges Leben gab er dadurch in Deine Hand. -— Wohl Dir, Jude, daß es Dir Daseinsbedürfniß geworden ist, mit dem fcharffcheideNden Auge der Wahrheit in Dein eigenes Herz zu sehen! Mit Moder würden Deine Sünden Dich erfüllen, ließest Du sie schlafen in Dir, als Gift würden sie an Deinen Knochen fressen, und Du würdest dahinwelken, Israel, wie so zahlreiche Nationen vor Deinen Augen dahinwelkten. Aber durch Selbstprüfung und Selbstzucht gibst Du Dir selber das Leben! Der Staub der Wanderung schwindet von Deinen Füßen, rein werden Herz und Hirn und die Abirrungen von Deinem Pfade werden gesühnt. Neugeboren, neugebildet erhebst Du Dich von der Stätte, da Du Dich ehrlich selbst prüftest und so trittst Du wieder hinaus in's Leben, Israel, »ähig zu tragen und zu wirken, denn Du hast Dich gereinigt. O, Heil Dir, Israel, ob Deiner sich ewig verjüngenden Gewalt, Heil Dir, ob Deiner gewaltigen, ewigen Jugend! jik prsya npi» nrwi:" Nicht erst an den Tagen, da Du zerknirscht und bestürzt vor Deinem Gotte stehst, sollen diese Worte Dir in's Herz dringen. Nein, Israel, heute schon halte sie Dir vor Augen und bringe sie an den heiligen Tagen mit hinein in's Gotteshaus gleichsam als Deine Begleiter. Laß' ihre Bethätigung Dir zur Seite stehen, mit Dir zu beten vor dem Throne Deines allliebenden Gottes.