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Der Israelit · 1896-08-03 · Heft 62 (3.8.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 62 (3.8.1896)
Date
1896-08-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1188 Local-Verein dem Herrn Stefanowitch, Bürgermeister von Bobrouisk, der kürzlich zum Gouverneur von Tiflis ernannt wurde, gegeben. Antwortlich der Dankesworte, die einer der Anwesenden, ein Israelit, im Namen der jüdischen Gemeinde aussprach, wegen der streng gerechten und wohlwollenden Gesinnungen, die er stets den Juden hatte angedeihen lassen, antwortete Herr Stefanowitch wörtlich: „Es ist wohl möglich, daß meine Ansichten über die Juden, ihren Werth als Nnterthanen, ihre ökonomische und sociale Thätigkeit nicht der gestrigen noch der vorgestrigen Mode entsprechen. Indessen bin ich des festen Glaubens, daß in nicht ferner Zukunft diese Ansicht von vielen Leuten, die zu unserer Berwaltungsbehörde gehören, getheilt werden wird." Herr Stefanowitch ist seit lange als eifriger Vertheidiger der Rechte der Juden bekannt; er hat immer behauptet, daß sie wie alle anderen Unterthanen des Reichs behandelt werden müßten, uttd im Jahre 1884 zögerte er nicht, eine Broschüre zu veröffentlichen, inwelchererdiesen Ansichten lautenAusdrnck gab. Diese Broschüre wurde von der Censur confiscirt. Feuilleton. Auf des Lebens Köh'. Erzählung von S. B. R o s n e r. 22) (Alle Rechte Vorbehalten.) Er saß zu ihren Füßen auf dem Taburet von rothem Sammt und liebkoste ihr zartes, weißes Hündchen und schaute ihr mit liebetrunkenem Blick in das süße, nun leicht erblaßte Antlitz. Flüsternd sprachen sie mit einander, daß es sich anhörte, wie das liebliche Girren zweier Nachtigallen im Laube. „O, mein süßes Lieb, schon hatte ich für ewig Dir und aller Lebensfreude entsagt, und nun bricht mir plötzlich aus der Nacht eine weltengroße Sonne hervor, daß ich fast geblendet werde von der übergroßen Lichtfülle." „Ja, ivunderbar sind die Fügungen des Lenkers unserer Geschicke! Hättest Du eine Weile nur noch gesäumt, wer weiß ob wir uns je wieder gesehen hätten. Und erblickst Du nicht auch darin das ansgleichende Walten Gottes, daß ich an jener Stelle mein Lebensglück wiedersindc, welche Zeuge meines Fehltritts und der langjährigen büßenden Leiden war?" „Von diesen, Herzliebchen, mußt Du mir noch in einer Stunde trauten Rückerinncrns erzählen." „Ja, aber auch Rache nehmen muß ich an Dir, Du Grausamer, für die vielen Kränkungen, die Du mir zugefügt." „Und doch giebt es keinen vollgültigeren Beweis meiner unbegrenzten Liebe zu Dir, als jene Kränkungen. Als ich mich für ewige Zeiten Deiner beraubt wähnte, da erfüllte mich eine tiefe Verbitterung gegen gewisse Kreise und vollends gegen Dich selbst, von der ja mein Unglück entsprang. Doch nun ist mein Menschenhaß geschmolzen, wie Märzschnee von der goldenen Frühlingssonne und ich kenne nur noch den einen Wunsch: ein jedes Geschöpf so glücklich zu wissen, wie ich es durch Dich getvorden bin, meine Königin" Ein leiser Schatten überflog ihr Antlitz während sie sich zu ihm niederbeugte. „Wenn nur der eine ängstigende Gedanke nicht wäre! Ich fürchte, daß meine stattgehabte Taufe, wie ein stetiger, dunkler Schatten entfremdend zwischen mir und Deinem tiefreligiösen Gemüth schweben wird auch daun noch, wenn die Sünde längst bereits durch reumüthigste Rückkehr wieder gesühnt sein wird." „O, sei ohne Sorgen! Weißt Du, was unsere weisen Glaubeusgruudsätze bestimmen? Ein Jude kann sich, wenn auch auf religiöse Abwege gerathen, nie und nimmer seiner Zugehörigkeit 511 seinem Volke und Glauben entäußern! Die paar Tropfen Wasser sind machtlos gegen die aus Fetter nick Blut gewobenen Bande, die das Jndividurlm mit seiner jüdischen Familie verknüpfen. Ja, mehr noch; die volle Rückkehr zu den ewigen Wahrheiten unseres Glaubens nach erfolgter zeitweiliger Abirrung, erhebt uns auf eine sonst unerreichbare Höhe! Wie zu einer Heiligen werde ich zu Dir emporblicken und an Dir wird es sein, mich gnadenvoll 311 Deiner Höhe emporzuheben." Sie drückte ihm mit einem innigen, dankbaren Blick die Hand. „Wir wollen aber auch gründlich aufräilmcn mit dem Schutte der Vergangenheit," fuhr Gottfried lebhaft fort. Dieses Schloß wird eines der ersten Opfer sein, an welches wir den Spaten anlegen werden! Erschrick nicht, mein Lieb — es mag auch ferner so stolz wie ehedem mit seinen Giebeln in die Lüfte ragen, doch uns sollen seine glänzenden Räume dauernd nicht mehr Wiedersehen. Keine stolzen Ritterschlösser voit Frohuknechtschaft und blutiger Gewalt zeugend, gezieuten dem Juden, sondern freie, in ihrer Art nicht minder stolze Bürgerhäuser, deren Stolz jedoch nicht üt verdienstlvseu, veralteten Vorrechten besteht sondern in dein Privilegium edler Bürgertugenden! Und wenn jene sich aristokratisch neunen, so wollen wir uns bestreben nufere Häuser zu „Adeligen" zu machen, dem Wappen und Stammbaum der „Aristokratie" wollen wir den „Adel" einer vieltausendjährigen Enlturmission entgegenstellen. Ja, mein Schatz, „adelig und nicht aristokratisch" — das sei für die Zukunft unsere gemeinsame Devise!" Zwei sensationelle Nachrichten scheuchten in den nächsten Tagen fast gleichzeitig die Ruhe der vornehmen Gesellschaft der ungarischen Hauptstadt auf. Die Nachricht von der in Wien erfolgten Rückkehr der ehemaligen Gräfin Kaküy in den Schooß des

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