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Der Israelit · 1896-07-30 · Heft 61 (30.7.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 61 (30.7.1896)
Date
1896-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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fll72j er mit 20 Jahren das Seminar verläßt, hierdurch schon die Berechtigung und Befähigung erlangt, in dem für den Bestand des Judenthums so hochwichtigen Religionsunterricht mit Nutzen thätig zu sein? Besitzen diese bei ihrem Austritt aus dem Seminar oder auch noch später immer den unbedingt erforderlichen religiösen Ernst und das nothwendige Maß religiösen und hebräischen Wissens, daß sie berechtigt sind, auf ihr Privileg zu pochen und das Monopol für Ertheilung des Religionsunterrichts in Anspruch zu nehmen? Zudem waren es nicht bloß einzelne Doktoren, sondern die von diesen vertretenen Vereine aus allen Theilen Deutschlands, die hier ihre Ansichten zum Ausdruck brachten, und fällt somit diese Beleidigung auf diese Vereine. Selbstprüsung wäre hier sicherlich am Platze und würde dazu beitragen, die Anschauungen mancher Herren gegenüber den Ansichten anderer zu mäßigen. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß der Lehrerbund, will er anders in ersprießlicher Weise für die Interessen der deutschen Lehrerschaft und des Judenthums wirken, nur auf dem Wege des Friedens und der ruhigen, leidenschaftslosen gegenseitigen Aussprache sein Ziel erreichen wird. Durch Schimpfen und Poltern sind heilige Zwecke noch nie gefördert worden. Bengel (Kreis Wittlich), 26. Juli. Eine Feier fand gestern (ranj tob») in diesem kleinen Orte statt, wie derselbe eine dieser Art wohl noch nie gesehen hat, und an welcher so recht erkennbar ist, wie Ti '2 Dtm diejenigen nicht verläßt, welche mit Ausdauer auf seine Hilfe und Gnade vertrauen. Vor ca. 8 Jahren wurde die Synagoge der aus neun meist unbemittelten Familien bestehenden jüd. Gemeinde wegen Baufälligkeit polizeilich geschloffen und trotzdem fast alle Familienväter oft recht hart um die Ernährung ihrer Familie zu kämpfen haben, faßten diese den fast unausführbar erscheinenden Entschluß ihrem Gotte ein neues würdiges Haus zu errichten. Nach rastlosem Arbeiten und Mühen haben dieselben diesen Vorsatz nun ausgeführt und ein Gotteshaus eingeweiht, um welcher wohl manche andere Gemeinde mit weit mehr und leistungsfähigeren Mitgliedern sie beneiden könnte. Von Nah und Fern waren denn auch die Glaubensgenoffen, von welchem mancher wohl sein Scherflein dazu beigetragen, herbeigeströmt, um sich an der Vollendung dieses Werkes zu ergötzen und erfreuen, und war es ein imposanter Zug mit Musik und Chorgesang, der sich am rav z-iv non der allen nach der neuen Synagoge bcwegte. An dessen Spitze schritt rüstig ein ehrwürdiger Wjähriger Greis einher. Herr Mendel Schönmann, welcher noch Mitbegründer der alt e n Synagoge war und es sich trotz seines hohen Alters nicht nehmen ließ aus Trier, seinem jetzigen Aufenthalt herbei zu eilen, um Gott für die ihm bewiesene Gnade ein neues Haus erstehen zu sehen, zu danken. Besonders wohlthuend war es auch die Theilnahme der christlichen Bewohner des Dorfes zu sehen, die ihre Aecker verließen, ihre Häuser beflaggten, mit Stolz auf das „Häuflein armer Juden" sehend, denen so Wunderbares gelungen, und sich an deren Freudenfest betheiligten. — Es würde zu weit führen die Einzelheiten der Festlichkeit, die allen andern dieser Art ebenbürtig, zu erwähnen. Viel haben die stets offenen Hände unsrer Glaubensbrüdcr am Zustandekommen dieses Werkes geholfen. — Allen Dank. — Aber ein edles Werk bleibt noch der Mildthütigkeit derselben Vorbehalten. Durch Sturm und Wetter in der alten Synagoge durchgefeuchtet, sind die mn •'-icc der Gemeinde unbrauchbar (Sieb) geworden und steht dieselbe vor der Nothwendigkeit neue anzuschaffen, wofür alle Mittel fehlen. Edle Freunde einer guten Sache, die eine min -icb stiften, oder Beiträge zu einer solchen geben wollen, können kein befferes, gottgefälligeres Werk thun, als solche dieser Gemeinde zuzuwenden. S. S. O e st e rr.-Un g ar> Monarchie. Fogaras (Ungarn), 17. Jnli. Der Besuch des Herrn Ackerbauministers v. Darünyi in unserer Gemeinde gestaltete sich durch den überaus freunolichen Empfang der jüdischen Deputation, sowie durch die hochbedeutsumen Enunciationen seiner Excellenz und des hiesigen Obergespans, Herrn Guido v. Bausznern zu einem wahren Kidusch-Haschem und wird in den Annalen der Gr schichte unserer Gemeinde unvergeßlich bleiben. Auf die Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Alerander Jordan antwortete Seine Excellenz folgendermaßen: Hochwürdiger Herr Rabbiner! „Mit Freude begrüße ich Sie in der Reibe der Deputationen und danke für Ihr freundliches Erscheinen. Was die ungarische Regierung im Interesse der Gleichstellung der israelitischen Religion gethan, hat sie als Pflicht, als Anerkennung und Belohnung für jene zahlreichen und ausgezeichneten Dienste gethan, welche die ungarische Iudenheit im Interesse der ungarischen Ration und der Verbreitung der ungarischen Eultur schon bisher in rühmlicher Weise geleistet. Beweist ja doch die Statistik, wie wahr es ist, daß die Israeliten hinsichtlich der Magnarisirung die allerersten find, unter den Verbreitern der ungarischen Eultur in der ersten Reihe stehen Ihnen, meine Herren, fällt hier in dieser, von so vielen Nationalitäten bewohnten Gegend die besonders wichtige Mission zu, daß Sie die nationale Idee und patriotische Gesinnung pflegen und verbreiten, und mit großer Freude habe ich davon Kenntniß genommen, daß Sie diese Mission treu und eifrig erfüllen. Empfangen Sie. geehrte Herren, nochmals meinen Dank für Ihr werthes Erscheinen, und nehmen Lüe meine Vnsicherung hin, daß es mir immer Freude machen wird, wenn ich Gelegenheit haben werde, die Interessen des Judenthums zu fördern." Nach Beendigung dieser mit stürmischen Eljenrufen begleiteten Reden und nachdem Se. Excellenz

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