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Der Israelit · 1896-07-30 · Heft 61 (30.7.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 61 (30.7.1896)
Date
1896-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1170 Gemach. In flüchtigen Bildern zog die Vergangenheit an seinem Geist vorüber. D, er hatte sie geliebt, wie nur ein Mensch zu lieben vermag. Nnbewußt schnitt heute noch ein tiefes Weh durch seine Seele, da er sich der grausamen Schreckenszeit des Verlierens und Entsagens erinnerte. Danil kanl die Periode des verzweifelnden Stumpfsinns und endlich die Resignation uud das Wiederfinden seiner selbst in der Begeisterung für die nationalen und religiösen Ideale. Er wurde es jedoch jetzt erst ganz gewahr, daß die tiefe Wunde bloß vernarbt, aber nicht geheilt gewesen. Die Ereignifle der letzten Zeit und vollends des heutigen Tages hatten hingereicht, um sie wieder ausbrechen zu lassen, daß sie reichlich blutete und fast so brennend schmerzte, wie zu jener längst vergangenen Zeit. „Muth, Muth," murmelte er leise, sich mit der zitternden Hand über die Stirne streichend, „dieser eine, letzte Aet des Stückes will noch standhaft dnrchgemacht werden und dann soll für ewige Zeiten der Vorhang darüber fallen!" Er war vor dem Tische stehen geblieben und sein Blick siel auf den angefangenen Brief Helenens, welcher unbeachtet dort zurückgeblieben war. Er erkannte sofort die Schriftzüge Helenens imb obwohl er wußte, wie unschicklich es sei, den Brief einer dritten Person zu lesen, konnte er doch nicht der Verlockung widerstehen, den Inhalt der wenigen Zeilen kennen zn lernen. Am Ende sagte er sich, könne es ja feilt Geheimniß sein, was man den Blickeil der ganzen Welt zugänglich am Tische liegen läßt. Als er aber sah, daß der Brief an die Eltern Helenens gerichtet sei, scheute er doch davor zurück, vielleicht in ihre intimen Familienangelegenheiten einzndringen. Doch schon hatten seine Augen die erste Zeile überflogen und der merkwürdige Sinn derselben zog wie mit magnetischer Kraft seine Aufmerksamkeit an. Sollte er seinen Augen trauen? Er rieb sich unwillkürlich die Stirne, wie man thnt, wenn man vom Schlafe erwacht und überlas immer wieder die merkwürdigen am (Silbe jäh abbrechenden Zeilen. Im Momente glaubte er, daß sein Herz stille stehen bleibe, und im nächsten Augenblicke stürmte es in so wilden Schlügen gegen seinen Körper, daß es dasselbe zu sprengen drohte. Da hörte er ein Knistern hinter seinem Rücken und sich uinwendend erblickte er die hohe Gestalt Helenens, die eben eingetreten war. „Vergebung!" stammelte er, während das Blatt ans seinen zitternden Händen siel. Wie ein Verbrecher stand er da gesenkten Hailptes und wagte nicht anfznblicken. „Ja, Vergebung," flüsterte es dicht neben ihm, „für das herbe Leid, das ich Ihnen zugefügt! Können Sie mir das je vergeben?" Jäh, fast erschrocken schaute er empor und sein Blick kreuzte sich mit einem himmlischen Strahl voll Liebe und Wohlwollen aus ihren herrlichen Augen. Wie ein elektrischer Funke traf ihn dieser Blick, seine Gedanken bunt durcheinander wirbelnd. „Und — der — Brief —?" stieß er hervor. „Ist bestimmt, meinen Eltern mitzutheilen, daß ich von dem schweren Jrrtbnm genesen und das Mal der Schmach von meiner Seele getilgt habe — „Helene," rang es sich zwischen Jubel und Zagen schwankend von seinen Lippen, während er die Arme ausbreitete — „darf ich hoffen — —" Im nächsten Augenblick tag sie in seinen Armen lind er hielt sie, vom überschwänglichen Glücke berauscht innig umschlungen. (Schluß folgt.) Der „Jßraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jede-ma! in mindestens zwei Bogen. Prell des Jahrgangs für Deutschland nnd Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'« Ausland 16 Reichs-Mark. Man abormirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — -nrch Bnchha^et N» bestehe» bet €. $. fitein acker, Leipzig, Dtoßplatz l». — Inserate Sb Pfennig die viergespaltene Petttzeile «der deren Ran«. — Österreichisch« Banknoten laut Lours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Dentschland «nd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. öfter»., fär's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnznfnwen. Eine RfiFfendn«« po» an die «edartton eingesandten Mannferipte« findet nicht statt, »an dittet deschalB fich von allen Etnsendnngen eine skopie »urstetzndehalten. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Der zweite galizische Katholikentag und die Juden. - Zeitimgsnach richten nnd Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Mörsfeld. Aus Baden. Hatten. Straßburg i. (y, - Sprechsaal. Vermischtem. — Feuilleton: Auf des Lebens Höh'. Erzählung von B. Rosncr. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Aus Hessen. Bengel. Oesterr.- Ungar. Monarch-e: Fogaras. Schweiz: Basel. Rußland: Petersburg. Vereinsnachrichten. Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarisches. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Wiesbaden. Extra-Beilagen: Sprüche der Bäter. Piospcctus von Mar Bietor in Köln a. Rhein. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz- — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbnchdrnckcrei-Actien-Gescllschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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