Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 61 (30.7.1896)
- Date
- 1896-07-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1166 verpachten, ebenso wie er mit Vorliebe als Angestellte Juden beschäftigt. Er muß wohl wissen, warum. Doch genug. Diese Pröbchen dürften genügen, um zu bezeugen, welche Gesinnung augenblicklich bei den maßgebenden Kreisen in Galizien, der Geistlichkeit und dem Adel, in Bezug auf die Juden die herrschende ist. Wohl gibt man sich den Anschein, den Antisemitismus nach Wiener Muster zu verdammen, wohl führt man im Munde allerlei Phrasen von Toleranz und Nächstenliebe, aber dem Antisemitismus in seiner rohesten und brutalsten Form entlehnt man seine gehässigsten Schlagworte und verleiht ihnen eine Gestalt, welche es ermöglicht, mit der einen Hand den Juden das Messer an die Kehle zu legen und mit der andern um ihren Beistand bei den Wahlen zur Erhaltung der eigenen politischen Uebermacht im Lande sie anzugehen. Die Juden aber geben sich von diesem Manöver gar keine Rechenschaft. Im Jahre 1733, vierzig Jahre vor der ersten Theilung Polens, als sich bereits die Schatten des Todes über die Republik herabneigten, und voraussehende Männer, in der Vorahnung dessen, was da kommen sollte, sich anschickten, freilich zu spät, die Kräfte des Reiches zusammen zu fassen, den Frieden unter den Einwohnern herzustellen, um dem Vaterland zu ermöglichen, den kommenden Stürmen die Stirn zu bieten, da versammelte sich die Geistlichkeit in Jlock zu einer Synode. Die Synodalgesetzgebung wählte die Juden mit Vorliebe zu ihrem Gegenstand und wurde nicht müde, jedesmal von neuem die Vorschriften ,,L)e Judaeis“ zu wiederholen, die freilich wenig Beachtung fanden. Auch auf der gedachten Synode wurden Die »Gesetze gegen oie Juden wiederholt und mit einer Motivirung versehen, die verdient, beachtet zu werden, weil sie die Anschauungen des Klerus über die Juden genau wiederspiegelt. Der Synodalbeschluß lautet: „W»r müssen aus ganzer Seele bedauern, daß in dieser Diezöse, wo im übrigen auch andere Ketzereien nisten, die jüdische Verkehrtheit, welche Gott feindselig ist, sich breit macht, und den Katholiken gleichgestellt ist. Zwar wissen wir, daß dieses ungläubige Volk in den anderen Provinzen des Königreichs, wie auch in fremden Ländern geduldet wird. Aber dies geschieht mit, damit die Ueberreüe Israels sich bekehren und weil der Stamm erhalten werden muß, wegen der Schönheit der Blume, die aus ihm erblüht ist. Ueberdies sollen die Juden, unter uns lebend, uns an die Kreuzigung des Herrn erinnern, auf daß aus ihrer Verachtung und der Strafe, die sie als unsere Sklaven erdulden, die Gerechtigkeit Gottes sichtbar werde. Auch sollen sie, über die ganze Welt verstreut, überall mit eigenen Augen das Gedeihen der Religion dessen mit anfehen müssen, den sie gekreuzigt." Dann folgt eine Reihe von Vorschriften wider die Juden, vom gelben Fleck, von dem Verbot Häuser zu erwerben, Synagogen zu bauen, n. s. w. Diese hochherzige Gesinnung über die Juden, scheint heute nach 160 Jahren in manchen Kreisen noch die vorwiegende zu sein, mit dem Unterschied, daß damals die gesetzgebenden Körperschaften sich wenig daran kehrten, was heute nicht ganz unbedingt behauptet werden kann. b. Zeitungsnachrichten und Corrcfpondenzen. Deutschland. ER. Berlin, 28. Juli. Aus dem soeben erschienenen Werke Wilhelm von Humboldt als Staatsmann von Bruno Gebhardt Band 1 lernt man Humboldt's Votum vom 17. Juli 1809 kennen, durch das er den Schrötter'schen Entwurf einer Reform der bürgerlichen Verhältnisse begutachtete. Er verwirft darin den Gedanken allmählicher Lösung der alten Ketten und spricht für vollkommene Gleichstellung von Juden und Christen in Rechten und Pflichten. Wer vom Knecht zum Herrn wird, macht einen Sprung; aber wenn man blos die Hände losbindet, die erst gefesselt waren, der kommt nur dahin, wo alle Menschen von selbst sind." Humbolot stimmt für volle Gleichberechtigung mit folgenden Worten „Weder in städtischen Versammlungen, noch in Schulen, noch im täglichen Leben können, ohne Veränderung aller Begriffe von Moralität, Menschen mit einander irgend menschlichen und über die bloße bürgerliche Hantirung hinausgehenden Verkehr haben, von denen die einen wegen ihrer Abstammung Mißtrauen in die erste moralische Eigenschaft, die Wahrheitsliebe, gesetzlich dulden müssen und die anderen cs zu hegen autorisirt sind." Ant Ende des Jahrhunderts denkt man anders. Mersfeld. Wenn ich bis heute unterlassen, über eine Feier zu berichten, die auch weitere Kreise interessieren dürfte, so geschah dies, weil ich dachte, es würde sich eine berufenere Feder dazu finden. Doch da alles schweigt, will ich reden. Am 24. Juni wurde die hiesige neu erbaute Synagoge, die eine ornamentale Zierde unserer Stadt bildet, ihrer Bestimmung übergeben. Bis zunr Jahre 1866 waren die Mauern der Stadt Mersfeld den Juden verschlossen, und heute zählt die jüdische Gemeinde fast 40 Familien, die bisher in einein gemietheten Lokale ihren Gottesdienst abhielt. Dank dem thatkräftigen Wirken unsres Vorstandes, der Herren Levi Löwenberg u. Levi Stern und der opferfreudigen Mitwirkung der Gemeinde Mitglieder ist der herrliche Bau entstanden. Am genannten Tage wurde derselbe feierlich eingeweiht. Beim 7vine>-Gebete hielt Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn ||||" II I '!fli.JllliJiBBIBliPIHMBiWLilJliWWWIliHWWlIlIlllJWWiJui—hwhip.. ...