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Der Israelit · 1896-07-27 · Heft 60 (27.7.1896) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 60 (27.7.1896)
Date
1896-07-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Anläßlich des Todes von Ernst EurtiuS erhält die „Posener Ztg." folgende Zuschrift: „Angesichts des Antisemitismus ist es wohl nicht uninteressant, auf ei): Wort hinzuweisen, das der große, von jedem Freunde der Wissenschaft tiefbetrauerte Ernst Eurtius („Atterthum und Gegenwart", gesammelte Reden und Vorträge, Berlin 1875) ausgesprochen: „Dogmatische Zänkereien wurden in Preußen bei tief religiöser Erregung glücklich vergessen und engherzige Vorurtheile beseitigt, denn der schönste Segen der Tugend, welche:: wir mit den: Rainen der Gastfreiheit ehren, ist die geistige Freiheit, das weite Herz, der unbeschränkte Blick, die freudige Anerkennung jedes geistigen Fortschrittes, ohne Ansehen der Person. So ist Preußen in den Stand gesetzt worden, sich die Kräfte der begabtesten Rationen, die geistige Regsamkeit, der Franzosen, sowie die reichen Gaben der jüdischen Bevölkerung anzueignen, ohne Gefahr zu laufen, seinen geschichtlichen Charakter einzubüßen, oder sein deutsches Gepräge zu verwischen. Der Staat der Hohenzollern hat einem spröden Partikularismus nie huldigen können." — Bei so geistesheller Anschauung des Lehrers wird eS uns nicht befremden, daß sein Schüler, Kaiser Friedrich, den Antisemitismus als die Schnarch unseres aufgeklärten Jahrhunderts geißelte. Ostrowo, 16. Juli 1896. Rabbiner Dr. E. Pleßner. O e st e v r. -Ungar. M o u a r ch i e. Wien, 24. Juli. (Für Sat isfact ions- Unfähigkeit der jüdischen S t u d e n t e n.) Eine dieser Tage vor dem Jnjurienrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt, Adjunctcn Dr. Pollak, durchgesührte Verhandlung liefert eine treffende Illustration zu der Art und Weise, in welcher von antisemitischen Studenten das Schlagwort von der Satissaetions - Unfähigkeit der jüdischen Hochschüler praktisch gehandhabt wird. Angeklagt waren der Uebertrctung gegen die Sicherheit der Ehre Franz Schabmayer und Richard Holak — gewesene Realschüler nannten sie sich — und der Studirende der Philosophie, Wilhelm Sluga; Privatkläger waren die Brüder Johann und Isidor Pollitzer, der Eine Studirender der Medizin, der Andere Jurist. Der Anklage gemäß hat sich nun vor einigen Wochen um die Abendzeit folgender von der Anklage erimiuirter Vorfall in der Taborstraße abgespielt: Die Brüder Pollitzer gingen, mit den Bändern einer jüdischen Studentcn-Verbinduug geschmückt, in Begleitung des Juristen Joseph Fuchs durch die Taborstraße. Ihne:: entgegen kamen die drei Angeklagten. Plötzlich trat Schabmayer auf die Brüder Pollitzer zu, zeigte ihnen seinen Stock und schrie: „Ihr Judenseiglinge! Einen solchen Stock habe ich bereits an einem „Kadimahner" zerbrochen." Sprach's und versetzte sogleich dem Johann Pollitzer eine wuchtige Ohrfeige. Die Begleiter Schabmayer's schimpften gemeinschaftlich mit diesem und in der nächsten Minute lag auch Isidor Pollitzer am Boden. Sluga gerieth speciell mit Fuchs in Streit und verlangte schließlich von diesem die Karte. Fuchs gab ihn: die Karte, allein Herr Sluga erstattete sie ihm zurück mit den Worten: „Sie sind ein Jud, mit Ihnen schlag' ich mich nicht." Ein Wachmann machte dieser Scene ein Ende, indem er alle Fünf zum Potizei-Commissariate Leopoldstadt brachte, wo mit ihnen ein Protokoll ausgenommen wurde. Die Gebrüder Pollitzer brachten nun gegen Schabmayer, Holak und Sluga durch ihren Vertreter Dr. Julius Hoffman:: die Ehrenbeleidigungsklage ein, über welche heute vor dem genannten Richter verhandelt wurde. Die Angeklagten gaben theilweise die Beschimpfungen und Mißhandlungen zu, erklärten jedoch, daß die Brüder Pollitzer ihnen bereits gelegentlich der Einvernahme auf dem Polizei-Commissariat Leopoldstadt verziehe:: und sich somit des Klagerechtes begeben hätten. Die Privatkläger widerstritten dem und der Richter vertagte deshalb zur Requirirung der Polizei- Acten die Verhandlung. E n g l a n d. London. Die jährliche Generalversammlung der Anglo Jewish Association fand am 5. Juli unter dem Vorsitze von Claude G. Montefiore statt und war ziemlich gut, auch von Mitgliedern außerhalb Londons besucht. Nachdem der Vorsitzende der verstorbenen Großen in Israel, des Baron Hirsch und Sir Julian Goldschmid in tief empfundenen Worten gedacht hatte, erstattete er den Bericht. Wir entnehmen den:selben, daß die Einnahme in diesem Jahre an Mitgliederbeiträgen w. 30 000 Mk., an Geschenken 2C. 20 ooo Mk. betrugen, Summen über deren Geringfügigkeit allgemeine Klage herrschte. In den von der A. I. A. unterstützten Schulen befinden sich zur Zeit 3oo Schüler, während nach einer zuverlässigen Schätzung die Gesammtzahl der während der 25 Jahre des Bestehens der A. I. A. ausgebildeten Schüler sich mindestens aus 25 000 beläuft. Besondere Aufmerksamkeit ist von jeher den Jerusalemer Schulen zugewendet worden, von denen die Mädchenschule Evelina Rothschildschule neu von der A. I. A. übernommen wurde und 16 000 Mk. jährliche Subsidien kostet. Außerdem war für ihren Neubau loo 000 Mk. nöthig, von denen 10 000 Mk. noch zu decken sind. Die

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