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Der Israelit · 1896-07-27 · Heft 60 (27.7.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 60 (27.7.1896)
Date
1896-07-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1156 Geschmack, gutem Bordeaux zum Preise von 2.50 Mk. die Flasche völlig entsprechend, ist zu dem für diese Qualität sehr billigen Preise von 25 Pf. für das Glas und 1.75 Mk. für die Flasche zu haben. Die Mehrzahl des Publikums indessen, besonders die Damen, wenden ihre Vorliebe einer süßen Weinsorte zu, welche den Geschmack der guten spanischen Weine, Portwein rc. besitzt, aber weniger Sprit trotz ihres natürlichen Feuers enthält, als jene Weine, obwohl er ebenso feurig von Natur ist und seinen Konkurrenten gegenüber den Vorzug enormer Billigkeit hat. Von dieser Weingattung, Esra genannt, kostet nämlich das Glas 20 Pf., die Flasche 1.00 Mk. und sie kann thatsächlich mit südländischen Weinen bis zu 3 Mk. die Flasche konkurriren. Endlich gibt es noch einen Cognac, Jaffa mit Namen, zu 15 Pf. das Glas oder 4 Mk. die Flasche, welcher unseren, vom Weinproben bedenklich angegriffenen Magen wieder in das rechte Geleise zurückführen kann. Die Weine sind streng koscher, das bezeugt das Hechscher vom Oberrabbiner Eljaschar von Jerusalem, und die Personen, die sie ausschenken, sind 3 Juden aus dem heiligen Lande. Vor uns, die stattliche Erscheinung, ein Mann von hohem Wüchse, mit höchst intelligentem Gesicht, ist ein Kolonist, wie wir auf Befragen hören, sogar einer der allerersten, der Gründer von Nosch Pinah und Mischmar Hajarden, Moses David Schub. Aus Rumänien gebürtig, war er einer der ersten, welche sich für die neue Idee der Kolonisation Palästinas durch russische Juden begeisterte, er ging 1882 hinüber als Detegirter des Galatzer Komite's und erwarb Rosch Pinah für seine Auftraggeber. Seitdem hat er tapfer mitgearbeitet, hat dann 1890 Mischmar Hajarden gegründet und ist zur Zeit Ad ministrator in Ain Sethun. Als es galt, einen der Kolonisten zur Ausstellung komtuett 511 lassen, um hier ein wenig die jüdischen Bauern im heiligen Lande zu repräsentiren, fiel die Wahl des Konlite's auf Herrn Schub und sie hätte in der Thal keinen geeigneteren treffen können. Seine beiden Assistenten, Benzion und Meir, sind zwei junge Leute aus Jaffa, die in den Weinkellereien von Rischon l'Zion gearbeitet haben, und ebenfalls beide stattliche Personen. Alle drei geben ein gutes Bild von unserem sich neu entwickelnden Bauernstände im heiligen Lande und verbinden Intelligenz und Fleiß mit den nöthigen körperlichen Fähigkeiten. In den Abendstunden, wenn die Zahl der Besucher oft eine ganz kolossale ist, sind sie ebenfalls zu außerordentlicher Arbeit gezwungen und sie mögen sich wohl manchmal nach ihrer Heimath zurücksehneu, wo sie so ruhig in gleichem Gleise ihrer Arbeit nachgeheit konnten. Nicht unerwähnt mag übrigens bleiben, daß alle drei fertig hebräisch sprechen und sogar das Weingeschäft untereinander in der heiligen Sprache erledigen. Herr Schub spricht ganz gut Deutsch, die beiden andereit kötmen nur einige Brocken, nothdürftig so viel, um sich mit dem Publikum verständigen zu können. Wir haben km Wein, den jüdische Bauern wieder wie einst in den Tagen der Bibel gebaut und gekeltert haben, alle Ehre erwiesen und wolleil uns nun ansehen, was sonst noch Schönes im heiligen Lande erzeugt wird, wir treten daher in den zweiten viel größeren Raum, ein großes und Helles sreundliches Zimmer, das in gleicher Weise wie das erste dekorirt ist. Auch hier wird der Haupteindruck durch Bibelsprüche hervorgernfen. Es sind die folgenden: -p” re ePe nntr (Kohel. IX, 7 ), naccr rE tes ps cn*? re Pexn (Deut, IX. 8), ne Pe renn »5 pu (das. IX, 8), ePn n:ePn -:ye;ni E*cy rinn irr (.Joel IV, 18), 'Jen Beje npnn pe “prs (Scliir. Hasch. VIII, 2). Eine Längswand nimmt die Liste sämnitlicher Narnen der jüdischen Dörfer im heiligen Lande ein, an der einen Querwand finden wir die Karten und Photographien von Mickweh Israel, der Ackerbauschule der Alliance, an der zweiten Längswand die Photographien der Kolonien, des Thurm Davids, des Jaffathores und einer Reihe anderer denkwürdiger Stätten des heiligen Landes. Sehr schön gedruckte seidene Tallesbeutel tind Barchesdecken, sowie zwei Karten des heiligen Landes vervollständigen die Dekoration dieses Raumes, die überatls anziehend wirkt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten unv Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 20. Juli. Die Antisemiten versuchen nunmehr in Schleswig-Holstein festen Fuß 311 faffen. In Kiel haben sie in dem früheren Anwalt Graf Reventlow einen Führer gefttttden, der bereits eine Reihe von Versammlungen veranstaltet hat. In einer von den Antisemiten in Sterup abgehaltenen Versammlung wurde ein Begrüßungstelegramm an die Kaiserin abgesandt, wofür der Dank durch den Kamm rherrn von dem Knesebeck dem deutsch-sozialen Reformverein von Fleitsburg und Umgegend übermittelt wurde. Am letzten Sonntag hat dann in Kiel auch ein antisemitischer Verbandstag für Schleswig-Holstein und Hamburg stattgefunden, der eine Organisation beschlossen hat, um die gemeinsame Agitationsarbeit für die „deutsch - soziale Reformpartei" zu fördern. Diese antisemitische Organisation ist, wie auch anderswo, in einer Provinz geschaffen worden, die, voit ein paar Städten abgesehen, fast ganz ohne Juden ist. Die Reformpartei, die sich in maßloser Verhetzung der freisinnigen Partei

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