Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1896)
- Date
- 1896-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1152 Mindereinnahme von circa Francs 3000 zur Folge hat, glaubten die Häupter der Synode, mit dem zweiten Theile ihres Rechtsanspruches unserem ganzen Bekenntnisse einen kränkenden Schimpf anthun zu dürfen. Das ist bulgarische Justiz! Ein Pröbchen von der Rechtsgleichheit und Glaubensduldung, wie sie in dem frischgebackenen Fürstenthume geübt wird! Personalien. Alexandrien, 1. Juli. Die hiesige israel. Gemeinde als auch die österr. - nngar. Kolonie hat einen herben Verlust erlitten. Med. Dr. Josef Pollak ist Samstag, 27. Juni, 11 Uhr Nachts, 40 Jahre alt, einem tückischen Herzleiden erlegen. In Nikolsburg geboren, absolvirte er die Wiener rnedizinische Hochschule, wurde von der österr. Regierung zu Folge seines ungewöhnlichen Bildungsgrades mit wissenschaftlichen Missionen nach dem Auslande betraut, die ihm mehrere hohe Auszeichnungen eintrugen. Seit 1885 in Alerandrien etablirt, bekleidete er die Stelle eines Fiscal-Arztes im hiesigen österr.-ungar. Konsulate und als Delegirter p. i. für Oesterreich beim Sitze des Internationalen „Conseil Sanitaire Maritime et Quarantenaire“, im Greisen-Asyl „Earl Borromaeus", im Europäischen Hospitale ic. re. Wir beweinen in dem Heimgegangenen einen glaubenstreuen Jehudi, dessen Herz für alles Edle und Gute geschlagen, die österr. und deutsche Kolonie den geschickten Arzt, die Armen ohne Unterschied der Konfession den Helfer in der Roth, der, für sich gekargt, alles den Armen geopfert hat. Eine unabsehbare Menschenmenge gab dem schlichten Entschlafenen das letzte Geleite. Die Beamten des österr.-ungar. Konsulates in corpore unter Führung des außerordentlichen Gesandten Baron Heidler von Eggereg und Grafen von Khevenhüller- Metsch, Sanitäts-Direktor von Mieville, Protoinedicos Dr. Bitter, fast alle hiesigen Aerzte, Apotheker, das Personal des österr. Lloyd unter Führung des General-Direktors von Pittner und den Kommandanten der im hiesigen Hafen ankernden österreichischen Schiffen. Im Tempel „Eliahon Hanabi“ angelangt, verrichtete der ehrw. Rabbiner Maggiore Elie Hazzan die üblichen Gebete. Am Gottesacker hielt Dr. Isidor Kornfeld einen warmen Nachruf, in welchem er die seltenen Vorzüge des edlen Todten hervorhob. Gerührt übergaben wir der Mutter Erde die irdischen Ueberrefte eines Atannes, dessen Leben und Wirken uns unvergeßlich bleiben und deffen Name bei uns für alle Zeiten verewigt fortleben wird. Mögen die in Wien wohnenden, schwer gebeugten Eltern und Hinterbliebenen darin Trost finden, daß ihr so jäh dahingeraffter Sohn ein würdiges Kind Israels war. Friede seiner Asche! J. M—s. Feuilleton. Auf des Lebens Köh'. Erzählung von S. B. R o s n e r. 20) (Alle Rechte Vorbehalten.) Lautlos schritten die Männer mit ihrer Bürde über die Treppe hinunter nnb durch den Park zu einer entlegenen Stelle, wo von dem Schatten uralter Bäume verdeckt, zwei bespannte Schlitten standen. In den einen hoben die Männer Helenen, an deren Seite sie dann selber Platz nahmen. Nachdem ihnen das Fräulein in geflüstertem Ton einige Weisungen ertheilt hatte, setzte sie sich in das andere Gefährte und beide Schlitten fuhren in größter Eile nach verschiedenen Richtungen davon. Die Menschenräuber schlugen die Landstraße ein, von welcher sich der Weg zu einem entlegenen, in der Nähe eines armseligen Dorfes sich befindlichen Nonnenkloster abzweigte. Dieses aus uralter Zeit stammende Kloster, lag auf einem mächtigen Felsvorsprung des reichbewaldeten Gebirges und war nach einer mühevollen Wanderung über künstliche Viadukte und dunklen Bergaushöhlungen erreichbar. Es hatte das Aussehen einer Burg und ist es niöglich, daß das heilige Gebäude einst irgend einem Raubritter zur Ausübung seines Metiers diente. In diesem Gebäude, dessen weitlänfige, immer mysteriös verschlossene Räunle eine Welt für sich bildeten, aus welchem kein Zeichen in die Außenwelt dringen konnte, sollte Helene, nach einem zwischen dem Pfarrer und jenem gesprächsweise erwähnten Domherrn ausgeheckten Plane, lebendig begraben werden. Für den Fall, daß von Seiten der Angehörigen der Aufenthaltsort Helenens ausfindig gemacht und letztere von ihnen reclamirt würde, hatten die beiden eifrigen Diener Gottes eine von Zeugen unterschriebene Erklärung Helenens in Bereitschaft, daß sie aus unbezwinglicher Liebe zum Stifter der chr. Religion aus freien Stücken und ganz frei von Beeinflussung oder Zwang beschlossen habe, die Braut des Erlösers zu werden und den Schleier zu nehmen; gleichzeitig verwahrte sie sich im Schriftstück feierlich gegen jede, wie immer geartete Einmischung, von wo immer auch eine solche kommen sollte und sprach die Erwartung aus, daß ihre Ueberzeugung und ihr Wille bei Jedermann die gebührliche Beachtung finden würde! — Wie läßt nur Shakespeare seinen Fallstaff an irgend einer Stelle sagen! „Wer schwört, dem glaub' ich!" Es konnte kein Zlveifel darüber obwalten, daß die ungarischen Behörden sich gleichfalls zu dieser weisen